Kostenlose Untersuchung

Eltern können Babys auf Diabetes-Risiko testen lassen

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Olga Kordonouri, Chefärztin im Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult in Hannover.

Hannover - Es ist die häufigste Stoffwechselerkrankung unter Kindern und Jugendlichen: Typ-1-Diabetes tritt meist völlig überraschend auf. Europaweit sollen jetzt Präventionsmöglichkeiten erforscht werden - dabei sind Experten aus Hannover maßgeblich beteiligt.

Eltern können jetzt in Niedersachsen kostenlos das Diabetes-Risiko ihrer Babys testen lassen. Für die Teilnahme an der Freder1k-Studie benötige der Arzt nur wenige Tropfen Blut, teilte das Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult in Hannover am Donnerstag mit. Es handele sich um die einzige Untersuchung für Säuglinge, welche die Möglichkeit schaffe, das Immunsystem frühzeitig zu trainieren und den Ausbruch der Krankheit eventuell zu verhindern. 

Die Studie wird vom Institut für Diabetes-Forschung des Helmholtz Zentrums München koordiniert, die Tests werden auch in Bayern und Sachsen angeboten. Bundesweit leben etwa 21.000 bis 24.000 Kinder mit Typ-1-Diabetes. Die Häufigkeit der Neuerkrankungen steigt jährlich zwischen drei und fünf Prozent, wofür es noch keine fundierte Erklärung gibt. Der Anstieg könnte mit Änderungen des Lebensstils und der Ernährungsgewohnheiten zu tun haben. 

Genetische Veranlagung und Umweltfaktoren

Die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter basiert auf einer genetischen Veranlagung, wird aber durch Umweltfaktoren beeinflusst. Die Krankheit bleibt oft viele Jahre unerkannt, bis sie sich in Extremfällen schlagartig in lebensbedrohlichen Zuständen etwa gepaart mit Bewusstlosigkeit äußern kann. 

Betroffene müssen sich lebenslang Insulin spritzen. An diesem Wochenende kommen in Hannover etwa 250 Experten für Kinderdiabetologie zu einem Kongress zusammen, auf dem die Ergebnisse diverser Studien diskutiert werden. Bei der Freder1k-Studie sollen europaweit 300.000 Säuglinge beim regulären Neugeborenen-Screening oder einer der ersten Vorsorgeuntersuchung auf ein erhöhtes Diabetes-Risiko getestet werden. 

10 von 1000 Kindern haben Experten zufolge Risikogene

Etwa 10 von 1000 Kindern haben Experten zufolge Risikogene. Ihren Eltern wird die Teilnahme an einer Präventionsstudie angeboten. Die Babys bekommen dann Insulinpulver mit der Nahrung, um das Immunsystem zu trainieren und einen Ausbruch der Krankheit zu verhindern. „Der Körper setzt sich dann mit dem Insulin auseinander und fängt nicht an, gegen diese Bestandteile zu kämpfen", erläuterte die Diabetologin Olga Kordonouri aus Hannover. Das Verfahren lasse sich mit der Hyposensibilisierung bei Allergien vergleichen. 

Seit einem Jahr läuft in Niedersachsen bereits eine andere Studie, bei der ein Diabetes-Früherkennungstest für Zwei- bis Sechsjährige angeboten wird. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hält Tests für alle Babys für problematisch. DDG-Vorstandsmitglied Andreas Neu, Kinderdiabetologe am Universitätsklinikum Tübingen, sagte der dpa: „Studien zur Früherkennung und Prävention eines Typ-1-Diabetes sind wichtig, weil es sich dabei um eine chronische Erkrankung handelt, die zwar behandelbar, nicht jedoch heilbar ist." 

Bevölkerungs-Screening kritisch beurteilt

Weil aber eine sichere Intervention zur Vermeidung der Krankheit nicht existiere, werde ein generelles Bevölkerungs-Screening kritisch beurteilt. Eine dritte Studie, über die in Hannover am Wochenende diskutiert werden soll, ist bereit abgeschlossen. Dabei wurde geprüft, ob eine frühe Auseinandersetzung des Körpers mit komplexen Fremdproteinen das Diabetes-Risiko erhöht. 

Die Auswertung in 15 Ländern ergab, dass das Weglassen von Kuhmilchproteinen - also das Füttern mit hypoallergener Babynahrung - in den ersten Lebensmonaten nicht zu einer Verringerung des Auftretens von Typ-1-Diabetes führte. An der seit über zehn Jahren laufenden Studie nahmen fast 2200 Kinder mit erhöhtem Diabetes-Risiko teil. Sofern die Säuglinge nicht mehr gestillt wurden, erhielten sie entweder eine spezielle Milch mit aufgespaltenen Kuhmilchproteinen oder reguläre Säuglingsmilchnahrung. - dpa

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