Politik plant Erleichterungen

Elektroautos: Landesbehörden bekommen viel Geld für den Umstieg

Wer keine E-Auto-Ladestation wie eine Wallbox in der Garage hat, muss eine öffentliche Ladestation suchen - auch in Niedersachsen. Doch eine smarte Lösung ist in Sicht. Das Land will nun auch umrüsten.

  • 20 Millionen Euro für neue E-Autos.
  • Bis 2023 will die Firma „On Charge“ 30.000 Ladesäulen für Elektroautos errichten.
  • Mieter sollen es künftig leichter haben, Lademöglichkeit zu errichten.

Update vom 12. Januar: Die Landesbehörden erhalten 20 Millionen Euro für das Anschaffen von E-Autos sowie das Einrichten von Ladesäulen. Die Investition mit Geld aus dem Corona-Sondervermögen beschloss die Landesregierung am Montag. „Als Land wollen wir beim Ausbau der E-Mobilität mit gutem Beispiel vorangehen“, sagte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Gleichzeitig solle mit einem hohen Anteil emissionsfreier oder -armer Elektroantriebe bei den landeseigenen Fahrzeugen ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden.

Die Opposition hatte der Landesregierung das Aufnehmen unnötig hoher Schulden in der Corona-Krise vorgeworfen und moniert, aus dem Sondertopf zur Bewältigung der Epidemie würden auch Anschaffungen wie die neuen Behördenautos finanziert. Dies stehe mit der Corona-Krise in keinem Zusammenhang. Der Wirtschaftsminister betonte nun aber, mit der Unterstützung öffentlicher Investitionen dämme die Regierung die abgeschwächte Nachfrage nach neuen Fahrzeugen in Folge der Pandemie für die Wirtschaft ein.

Das 20-Millionen-Euro-Programm des Landes richtet sich an alle Dienststellen. Sie sollen künftig bei notwendiger Neuanschaffung oder dem turnusmäßigen Austausch von Fahrzeugen soweit möglich E-Fahrzeuge berücksichtigen.

Dabei ist die Landesregierung selber noch kein großes Vorbild bei der Nutzung von E-Autos. Fast alle Kabinettsmitglieder sind weiterhin in schweren Dienstlimousinen mit Verbrennungsmotoren unterwegs. Einige fahren immerhin eine Hybridvariante, bei der ein elektrischer Teil des Antriebs den Verbrenner unterstützt. Auch beim öffentlichen Ladenetz für Elektroautos ist Niedersachsen nach einer Erhebung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bislang Mittelmaß.

Update vom 7. Oktober: Der Bund fördert künftig finanziell den Einbau privater Ladestationen für E-Autos an Wohngebäuden. Es gibt einen Zuschuss von 900 Euro, wie Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bekannt gab. Im Fördertopf liegen insgesamt 200 Millionen Euro. „Damit kommen wir unserem Ziel, Laden für alle, immer und überall, einen entscheidenden Schritt näher“, so Andreas Scheuer. Ein großer Teil der Ladevorgänge werde daheim stattfinden. Ziel sei eine flächendeckende Versorgung.

Konkret werden laut Andreas Scheuer der Erwerb und die Errichtung einer fabrikneuen, nicht öffentlich zugänglichen Ladestation gefördert - inklusive des elektrischen Anschlusses. Der Strom muss laut Ministerium zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien kommen. Die Förderung erfolge durch einen Investitionszuschuss. Unterschreiten die Gesamtkosten des Vorhabens den Zuschussbetrag, wird keine Förderung gewährt.

Ladestation für E-Auto kostet bis zu 2000 Euro

Laut ADAC kostet eine sogenannte Wallbox (Ladestationen) ohne Installation 500 bis etwa 2000 Euro. Den Zuschuss können Bürger laut Andreas Scheuer bei der staatlichen Förderbank KfW beantragen. Anträge könnten sie ab dem 24. November einreichen.

Update vom 22. September: Noch im Jahr 2020 soll es in Deutschland ein Förderprogramm für private E-Auto-Ladeinfrastruktur geben. Das berichtet Golem.de und beruft sich dabei auf Aussagen des Bundesverkehrsministeriums. Förderungsfähig seien demnach Ladestationen unter anderem in Mehrfamilienhäusern und auf Mitarbeiterparkplätzen sowie private Ladestationen. Demnach werde es noch in diesem Jahr möglich sein, Fördergelder zu beantragen.

Verband der Automobilindustrie begrüßt Förderung und erleichterten Bau von Ladestationen

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrüßte die zuletzt die Reform des Wohnungseigentumsgesetzes. Sie sei ein wichtiger Anstoß den Erfolg der Elektromobilität in Deutschland. Inhalt der Reform ist es, Mietern und Wohnungseigentümern den Bau einer Ladestation vor der eigenen Haustür zu erleichtern. Passende Förderprogramme sollten laut VDA „unbürokratisch und bürgernah ausgestaltet werden und preisgünstige Anlagen einschließen“.

Wallboxen für E-Autos sollen künftig leichter in Mehrfamilienhäusern angebracht werden können.

Künftig reiche eine einfache Mehrheitsentscheidung der Eigentümergemeinschaft, damit auch einzelne Wohnungseigentümer – auf eigene Kosten – Lademöglichkeiten wie Wallboxen einbauen können. Davon profitieren auch Mieter, kommentierte der VDA die ab November gültige Reform des Wohnungseigentumsgesetzes.

Das Verkehrsministerium verwies gegenüber Golem.de darauf, dass bereits jetzt die Installation von privater Ladeinfrastruktur mit dem sogenannten Handwerkerbonus gefördert werden könne. Dieser Bonus sehe eine steuerliche Begünstigung für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen vor, so das Ministerium.

Ursprungsmeldung vom 7. September: In der Stadt oder in Wohngebieten ist Platz Mangelware. Da muss das eigene Auto schon mal im öffentlichen Raum geparkt werden. Dies ist ein Nachteil, wenn das Auto ein Elektroauto ist. Denn sie werden nachts geladen. Dazu hängt in der Garage oft eine Wallbox, also eine Ladestation. So kann man morgens mit einer vollen Elektroauto-Batterie in den Arbeitstag starten.

ModellDeutschland-Zulassungen Juni 2020
Renault Zoe1448
VW E-Golf1310
Tesla Model 3703
VW E-Up590

Optimal wäre es, wenn man als Elektroauto-Besitzer eine öffentliche Ladesäule vor der Haustür hätte. Die Kölner Firma On Charge errichtet Ladesäulen. Auf ihrer Homepage heißt es: „Als erstes Unternehmen in Deutschland errichten wir kostenlos Ladesäulen im öffentlichen Bereich, auf Anfrage von Bürgern.“ Dazu muss man sich auf der Homepage registrieren. Das Aufstellen der Ladesäule ist für den Bürger kostenlos. Er muss nur den Öko-Strom beim Tanken bezahlen.

Eine öffentliche Ladesäule für Elektroautos. Die Kölner Firma On Charge installiert Ladesäulen nach Kundenwunsch.

Bevor das Elektroauto vor der Haustür geladen werden kann, sind einige Schritte nötig. Nach der Registrierung prüft On Charge den Standort und stellt alle nötigen Anträge bei der zuständigen Verwaltung. Wenn alle Genehmigungen vorliegen, dauert es noch einige Wochen und die Ladesäule wird installiert. „Wir sind auch von Netzbetreiber abhängig“, sagt On-Charge-Chefin Denise Neumann. Wartezeiten von einem halben Jahr sind keine Seltenheit.

Elektroauto: Mit wenigen Klicks zur Ladesäule vor der Haustür

Neben dem öffentlichen Raum baut die Firma On Charge auch Ladesäulen auf Privatgrundstücke. Dies können beispielsweise Parkplätze von Praxen oder Mehrfamilienhäuser sein. „Wichtig ist, dass jeder Elektroauto-Fahrer einen Zugang zur Ladesäule hat“, erklärt Denise Neumann. Wenn die Infrastruktur vorhanden ist, ist eine Realisierung in wenigen Wochen möglich.

Aufgestellt im privaten Raum werden 22-kW-Ladesäulen aufgestellt. „Da dort länger geparkt wird, muss es keine Schnellladesäule sein“, sagt Denise Neumann. Außerdem fehle in Wohngebieten oft die Infrastruktur an entsprechenden Stromkabeln.

Ladestation Elektroauto: Stromkabel statt Tankrüssel.

Die Firma On Charge ist seit Ende 2019 am Markt und hat bisher 15 Ladesäulen für Elektroautos errichtet. „Aktuell haben wir rund 1.000 Anträge in den Verwaltungen liegen“, sagt On-Charge-Chefin Denise Neumann. Auch in Niedersachsen sind Anträge bei Kommunen gestellt. Bis Ende des Jahres will das Start-up 300 bis 400 Ladesäulen deutschlandweit installiert haben. Das ehrgeizige Ziel: Bis 2023 sollen 30.000 Ladesäulen für Elektroautos errichtet sein.

Finanziert werden die Ladesäulen über den Stromverkauf an Elektroautos. Bezahlt wird per App oder gängiger RFID-Karte. „Mit rund 80 Prozent aller Karten kann an unseren Ladesäulen bezahlt werden“, so Denise Neumann.

Mit dem Elektroauto an neun von zehn Ladesäulen tanken

Zeiten, in denen es „schwierig war, mit einer Ladekarte durch Deutschland zu kommen“, seien längst vorbei, betont Kerstin Andreae, die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Energieverbandes BDEW. Mehrere Anbieter hätten inzwischen eine Marktabdeckung von deutlich über 80 Prozent erreicht. Mit ihren Karten könne das Elektroauto an neun von zehn Ladesäulen nachgetankt werden.

Das Thema „Bezahlen“ war auch Gegenstand beim Autogipfel im Bundeskanzleramt. Das Bundeswirtschaftsministerium sollte bis zum Sommer 2020 einen Entwurf für eine überarbeitete Ladesäulenverordnung vorlegen. Diese ist kurz vor dem Herbst aber immer noch nicht da, soll dem Beschluss des Autogipfels zufolge aber eine einheitliche Bezahlmethode für das sogenannte ad hoc Laden an öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur festlegen“. Dann würde eine Brieftasche voller unterschiedlicher RFID-Karten wahrscheinlich der Vergangenheit angehören.

In Deutschland gibt es nach BDEW-Zahlen derzeit rund 28.000 öffentliche Ladesäulen. An einer Reihe von ihnen können Elektroautos kostenlos aufgeladen werden. Discounter wie Lidl oder Aldi installieren auf Parkplätzen ihrer Filialen Ladesäulen, an denen Kunden während des Einkaufs ihr Elektroauto anschließen können, ohne dafür zahlen zu müssen.

Politik will das Aufstellen von Ladesäulen für Elektroautos erleichtern

Auch die Bundesregierung will das Errichten von Ladesäulen vereinfachen. Im November 2020 soll ein entsprechendes Gesetz in Kraft treten. Die Koalition von Union und SPD hat sich auf eine Reform des Wohneigentums- und Mietrechts geeinigt: „In Zukunft kann ein einzelner Wohnungseigentümer den Einbau einer Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge von anderen Eigentümern verlangen, wenn er die Kosten dafür selbst trägt“. Erst bei einer Zweidrittelmehrheit müssten alle Eigentümer einen Anteil übernehmen. Bislang ist für bauliche Veränderungen in der Regel die Zustimmung aller Eigentümer erforderlich.

Auch Mieter können künftig vom Vermieter bauliche Veränderungen der Mietsache verlangen, die dem Laden von Elektroautos dienen. Die entsprechenden gesetzlichen Änderungen für einen Anspruch auf eine Lademöglichkeit sind nach Ansicht von Experten und der Energiewirtschaft schon lange überfällig. Bislang gibt es kaum Lademöglichkeiten für Elektroautos in Mehrfamilienhäusern.

Rubriklistenbild: © Volkswagen

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