Ehemaliges Kloster Blankenburg wieder bereit für Flüchtlinge

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Hinweisschilder weisen auf das ehemalige Kloster Blankenburg bei Oldenburg (Niedersachsen) hin. Die ersten Flüchtlinge sollen in den kommenden Tagen im ehemaligen Kloster Blankenburg einziehen.

Oldenburg - Von Hans-Christian Wöste. Kloster, Pestanstalt und Verwahrungsort für Psychiatrie-Patienten: Blankenburg bei Oldenburg hat eine düstere Geschichte hinter sich. Nun wird die Anlage saniert und Erstaufnahmestandort für Flüchtlinge. 

Weitläufige Wiesen mit grasenden Kühen und Schafweiden, in der Nähe fließt der Fluss Hunte zur Weser: Idyllisch, aber auch einsam liegt das ehemalige Kloster Blankenburg - versteckt hinter Bäumen außerhalb der Stadt Oldenburg. Derzeit werkeln noch viele Handwerker in den Gebäuden. In den kommenden Tagen sollen erstmals seit 2011 wieder Flüchtlinge einziehen. Das Gelände wird mit Hochdruck saniert und zum fünften Erstaufnahmestandort für Flüchtlinge in Niedersachsen ausgebaut.

"Am Anfang erwarten wir 60 Flüchtlinge, im Vollbetrieb werden hier bis zu 600 Menschen sein", sagt der Leiter Klaus Siems von der Landesaufnahmebehörde. Die Gebäude stammen meist aus den 60er Jahren und haben Zimmergrößen für zwei bis zu zehn Betten. Sechs bis sieben Quadratmeter pro Bewohner rechnet Siems: "Der Standard ist gut, das ist allemal besser als Zelte. Es gibt einen Spielplatz, eine Cafeteria und Gemeinschaftsverpflegung mit verschiedenen Angeboten."

Das einst von Dominikanerinnen gegründete Kloster aus dem 13. Jahrhundert hat eine wechselvolle und düstere Geschichte: Zeitweise dient es als Lager für Pestkranke und als Psychiatrie-Anstalt. Dort leben Menschen, die Ausgrenzung, aber auch Hilfe erfahren, wie Arme, Waisen, psychisch kranke, geistig Behinderte, Über- und Aussiedler sowie Menschen auf der Flucht.

Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 ziehen SA-Truppen ein, verwüsten die Klosterkirche und spielen Fußball mit den Schädeln ausgegrabener Leichen vom Friedhof. Der Oldenburger Medizinhistoriker Ingo Harms weist die gezielte Tötung von geistig behinderten Kindern nach, die in Blankenburg während der NS-Zeit durch Hunger und Vernachlässigung sterben. Das ehemalige Kloster ist zudem Schauplatz von Euthanasieverbrechen und Zwangssterilisation. "Das war ein gezieltes System", sagt Harms.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Anlage vorübergehend Krankenhaus, Altenheim und Heim für DDR-Übersiedler. Von 1990 bis 2011 sind in dem umzäunten Lager zeitweise mehr als 550 Flüchtlinge untergebracht. Mehrere Hungerstreiks und Proteste richten sich gegen mangelnde ärztliche Versorgung, das Essen und die schlechte Erreichbarkeit der Massenunterkunft. 2011 fordern Flüchtlinge und Unterstützer eine dezentrale Unterbringung in der Stadt.

Wegen sinkender Flüchtlingszahlen wird das Areal 2011 geschlossen und verkauft. Doch im Zuge der aktuellen Flüchtlingskrise hat das Land die 25 Gebäude langfristig wieder angemietet. "Die Verhältnisse heute sind deutlich besser geworden", versichert Siems. So könnten Flüchtlinge jetzt stündlich umsonst mit dem Bus in die Stadt fahren. dpa

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