Früherer Hildesheimer Bischof soll Jungen missbraucht haben

Hildesheim - Jahrzehntelang war sexueller Missbauch in der katholischen Kirche ein Tabu-Thema. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert, immer mehr Fälle wurden öffentlich. Nun sind erstmals in Deutschland Missbrauchswürfe gegen einen früheren Bischof bekanntgeworden.

Erstmals in Deutschland gibt es Missbrauchsvorwürfe gegen einen Bischof. Der ehemalige Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen soll während seiner Amtszeit einen Jungen sexuell missbraucht haben. Das Bistum halte die Schilderung des Betroffenen für plausibel, teilte die Bischöfliche Pressestelle am Freitag mit. Janssen, von 1957 bis 1982 Hildesheimer Bischof, war im Oktober 1988 im Alter von 80 Jahren gestorben. Der jetzige Bischof Norbert Trelle sei bestürzt darüber, „dass durch einen seiner Amtsvorgänger nach Aussage des Mannes diesem schweres Leid zugefügt worden sein soll“.

Dem Mann seien auf Empfehlung der zuständigen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz 10000 Euro gezahlt worden, teilte das Bistum weiter mit. Die Forderung nach weiteren Zahlungen sei abgelehnt worden. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete, dass es sich bei dem Opfer um einen ehemaligen Messdiener handele, der erstmals im Alter von zehn Jahren missbraucht worden sei. Das Bistum wollte keine näheren Angaben zu dem Opfer machen. Der Mann wandte sich nach kirchlichen Angaben im Frühjahr 2015 mit der Bitte an das Bistum, die Vorwürfe, die sich auf den Zeitraum Ende der 50er bis Anfang der 60er Jahre beziehen, strikt vertraulich zu behandeln.

Nach einer „Spiegel“-Anfrage entschloss sich das Bistum aber, den Fall öffentlich zu machen. Weitere Vorwürfe gegen Janssen gebe es nicht. Laut „Spiegel“ versicherte der Hildesheimer Weihbischof Heinz-Günter Bongartz dem Betroffenen per Brief, wie sehr er sich schäme, „dass Ihnen durch eine bischöfliche Autoritätsperson solches Unrecht zugefügt wurde“. Der Betroffene habe angegeben, dass der Bischof ihn zwischen 1958 und 1963 regelmäßig durch Masturbation, Oral- und Analverkehr missbraucht habe, berichtete das Magazin. Ein Jahr vor seinem Tod war der vielfach ausgezeichnete Janssen im September 1987 Ehrenbürger von Hildesheim geworden.

Die Stadt würdigte damals das Wirken des Bischofs für den Wiederaufbau der kriegszerstörten Stadt, des Hildesheimer Doms und anderer kirchlicher Bauten. Papst Johannes Paul II. hatte nach dem Tod Janssens dessen Einsatz für die seelsorglichen und sozialen Belange der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge in der Bundesrepublik gelobt. Der aus Rindern bei Kleve stammende Geistliche war während seiner Amtszeit Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenenseelsorge.

Die Diözese Hildesheim war seinerzeit kirchenrechtlich auch zuständig für sechs katholische Gemeinden in der DDR. Janssen, nach dem eine Straße in der Nähe des Hildesheimer Bahnhofs benannt ist, war vor 27 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Die Deutsche Bischofskonferenz wollte sich am Freitag nicht zu den Vorwürfen äußern.
dpa

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