OP im Dschungel: Röntgengerät für Afrikas seltene Berggorillas

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Eine Berggorilla-Familie spielt im Virunga Nationalpark (Kongo).

Hannover - Von Ralf E. Krüger. Hohe Luftfeuchtigkeit, um die 40 Grad Hitze, Wilderer, Rebellen, unwirtliches Gelände: das ist der Operationsplatz der Gorilla Doctors. Technik aus Deutschland soll ihre Arbeit erleichtern.

Für Mike Cranfield wird ein Traum wahr. „Bahnbrechend“, schwärmt der Leiter der US-Stiftung Gorilla Doctors über das, was ihm am Freitag in Hannover übergeben werden soll: ein per Rucksack transportables Röntgengerät. Der ungewöhnliche OP-Einsatzort der Gorilla-Ärzte macht es erforderlich. Geröntgt wird künftig mitten im dichtbewachsenen Regenwald der Virunga-Berge. Denn dort, in einem der ältesten Nationalparks Afrikas, sind die vom Aussterben bedrohten seltenen Berggorillas zu Hause. Es ist für die Tierärzte ein ebenso faszinierender wie hoch riskanter Einsatzort.

Denn die ressourcenreiche Region im Ostkongo wird seit zwei Jahrzehnten von Milizen terrorisiert, die um politische Macht und auch den illegalen Abbau von Bodenschätzen konkurrieren. Abholzung, Rebellenaktivitäten und demnächst auch Ölbohrungen bedrohen den Lebensraum der letzten Berggorillas ebenso wie Wilderer, die sie wegen ihres Fleisches oder als Souvenir jagen. Nur noch um die 800 Exemplare leben Schätzungen zufolge in der Bergregion der Virunga-Vulkane im Grenzgebiet der Demokratischen Republik Kongo, Ruandas und Ugandas sowie in einem Nationalpark in Uganda.

Die aus Hannover stammende gemeinnützige Organisation Benefiz e.V. und die niedersächsische Bingo-Umweltstiftung ermöglichten zusammen mit anderen Spendern die Anschaffung des Gerätes, das im sächsischen Riesa hergestellt wurde. „Es wurde eigens für die Gorillas angepasst“, sagt Thorsten Vorberg von der Bingo-Umweltstiftung. Sie ist mit knapp 30 000 Euro der Hauptsponsor. „Das Teil hat inklusive Ladestation ein Gewicht von knapp 25 Kilogramm und kann bei einer Expedition bis zu 200 Bilder machen“, sagt Manager Ralf Georgi, der die Einweisung des obersten Gorilla Doctors, Mike Cranfield, in Hannover übernehmen wird.

Das auf zwei Rucksäcke verteilte Gerät ist auf die Region mit ihrer hohen Luftfeuchtigkeit und Temperaturen bis zu 40 Grad zugeschnitten, ist stoß- und wasserfest und hat zudem Schnittstellen fürs Laptop. Geröntgt werden sollen damit in den weit entlegenen Gebieten kranke Tiere, die durch Fallen, Krankheiten oder Kämpfe verletzt oder geschwächt wurden. Denn nach Angaben der Umweltstiftung WWF gefährden neben der Wilderei auch Krankheiten wie Masern oder Ebola die größten aller Menschenaffen. Ohne Schutzmaßnahmen würden 90 Prozent des noch vorhandenen Lebensraumes bis zum Jahr 2030 zerstört sein.

Auf den oft tagelangen Märschen zu ihren Patienten sind auch die Gorilla-Ärzte immer wieder gefährdet. Denn obwohl sich mittlerweile ein bescheidener Öko-Tourismus rund um die seltenen Berggorillas etabliert hat, gilt die Region als Hort der Gesetzlosigkeit. Immerhin gibt es Hoffnung. Emmanuel de Merode, der Leiter des Nationalparks Virunga, wurde Ende April mit dem diesjährigen KfW-Bernhard Grzimek-Preises ausgezeichnet. Er habe die Wilderei eingedämmt, den illegalen Holzeinschlag stark verringert und mit Rebellenführern der Grenzregion Friedensvereinbarungen geschlossen, hieß es zur Begründung. Zudem habe er die lokale Bevölkerung einbinden können.

dpa

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