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Dreifachmord von Bispingen: Bremer legt Revision ein

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Der Angeklagte steht zu Prozessbeginn um den Dreifachmord von Bispingen im Saal vom Landgericht.
Der Angeklagte schwieg während des gesamten Prozesses. © Philipp Schulze/dpa

Familie ausgelöscht: Für den Dreifachmord von Bispingen wurde ein Mann aus Bremen zur Höchststrafe verurteilt. Nun hat dieser Revision eingelegt.

Lüneburg – Nach dem Höchststrafe-Urteil im Prozess um den Dreifachmord von Bispingen hat der verurteilte Bremer Revision eingelegt. Wie das Landgericht in Lüneburg am Mittwoch mitteilte, ist das Urteil damit nicht rechtskräftig.

Gemeinde in Niedersachsen:Bispingen
Fläche:128,6 Quadratkilometer
Bevölkerung:6.256 (Stand: 31. Dezember 2008)
Landkreis:Heidekreis

Das Gericht hatte den 35-Jährigen in der vergangenen Woche wegen des gewaltsamen Mordes an seiner Freundin und ihrer beiden Kinder zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit Sicherungsverwahrung verurteilt. Es stellte die besondere Schwere der Schuld nach der Tat im Mai in Bispingen fest, zu der auch die Vergewaltigung des elfjährigen Mädchens gehörte. Damit kam das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft nach, die in ihrer Anklageschrift ausdrücklich von „Mordlust“ sprach.

Dreifachmord von Bispingen: Mit 15 Jahren das erste Mal im Gefängnis

„Das ist ein gefährlicher Sexualstraftäter“, sagte Richter Franz Kompisch in seiner Urteilsbegründung. „Diese Vorliebe für Würgen durchzieht seine Fantasie.“ Das sei kein alltäglicher Prozess gewesen, es sei nicht einfach gewesen, betonte Kompisch, der in allen drei Fällen das Merkmal der Heimtücke erfüllt sah. Die Opfer seien ahnungs- und wehrlos gewesen. „Die sexuellen Vorlieben durchziehen sein Leben, daran kann er nichts ändern.“

Zuvor zeigte ein psychiatrischer Gutachter die Entwicklung des Beschuldigten in einer zerrütteten Familie auf, der schon in der Kindheit zu Gewalt neigte und immer wieder durch Strangulieren auffiel. Mit 15 Jahren kam er für zwölf Jahre in den Maßregelvollzug. Im Internet soll er immer wieder nach Wörtern wie Erwürgen gesucht haben, zudem gab es viele gewaltpornografische Darstellungen, ergab die Auswertung seines Mobiltelefons.

Familie in Bispingen ausgelöscht: „Habe Rot gesehen“

Der Pflichtverteidiger des Mannes aus Bremen, der vor der Horror-Tat noch einen TV-Auftritt hatte, stellte lediglich die Sicherungsverwahrung in Zweifel, die Tat war für alle bewiesen. Der Angeklagte blieb auch am sechsten Prozesstag bei seinem Schweigen. Allerdings gab es ein schriftliches Geständnis, das ein Mitgefangener entdeckt hatte und das für seinen Anwalt gedacht war.

Darin räumte der Täter ein, im Rausch gehandelt zu haben: „Ich war voller Wut, habe Rot gesehen, bin in einen Mordrausch verfallen“, steht in dem Schriftstück. Er führt an, seine Freundin habe ihn in einer Auseinandersetzung einen Versager genannt und ins Gesicht geschlagen.

Dreifachmord von Bispingen: Mutter und ihre beiden Kinder getötet

Im Haus der Mutter im Heidekreis waren die Leichen der 35-Jährigen und ihres vierjährigen Sohnes entdeckt worden. Die Leiche der Tochter war später an einem Waldweg in der Lüneburger Heide in der Nähe von Schneverdingen gefunden worden. Der tatverdächtige Deutsche war nicht der Vater der Kinder. Die beiden Väter und die Großmutter traten als Nebenkläger auf, die Frau weinte immer wieder, als die Tat noch einmal detailliert aufgearbeitet wurde.

Zwar waren beide Partner erheblich alkoholisiert, ein Vorfall wenige Tage zuvor bestätigte aber das Muster des Vorgehens. Damals würgte er die Freundin, bis sie Nasenbluten bekam, entschuldigte sich später. Kurz danach stellte er allerdings einer Joggerin nach, die eine mögliche Tat durch lautes Rufen verhindern konnte. In der Tatnacht griff er zur Strumpfhose, um seine Freundin von hinten zu strangulieren. Den kleinen Sohn erwürgte er mit einem Kabel. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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