Strategie 2030

Volkswagen: Bald Datenkrake und Daten-Verkäufer

Daten und Dienste rund um die Mobilität sollen das nächste Feld werden, auf dem sich Volkswagen (VW) stürzen will. Wird der Konzern zur nächsten Datenkrake?

Wolfsburg - Volkswagen stellt am Dienstag Details seiner neuen Konzernstrategie vor. Erwartet wird, dass das Konzept mit dem Titel „New Auto“ unter anderem weitere Akzente bei den Schlüsselthemen Digitalisierung und Dienstleistungen setzt. Europas größte Autogruppe hat für die nächsten Jahre schon zweistellige Milliardeninvestitionen zum Ausbau der Palette an E- und Hybridmodellen sowie einer eigenen Batteriezellfertigung eingeplant. Daneben beschäftigen die Branche zunehmend aber auch die Vernetzung der Fahrzeuge mit eigener Software und die Entwicklung neuer Service-Angebote rund um die Mobilität.

Stammsitz VWWolfsburg
Gegründet28. Mai 1937
Mitarbeiter 2020ca. 662.000
Reingewinn 201711,4 Mrd. Euro

Die Gesamtausrichtung - sie soll Deutschlands größtes Unternehmen bis 2030 prägen - trägt die Handschrift von Vorstandschef Herbert Diess. Der Aufsichtsrat der Volkswagen AG stimmte am Freitag einem neuen Vertrag mit einer Laufzeit bis Oktober 2025 zu. Diess bleibt damit bis zu seinem 67. Geburtstag Vorsitzender des Vorstands. Experten interpretieren die Verlängerung als starkes Zeichen. Ebenfalls am Freitag wurde der Aufsichtsrat über die „Strategie 2030“ informiert.

Bereits bekannt ist, dass VW beispielsweise viel zusätzliches Geld in ein neues Entwicklungszentrum an seinem Stammsitz stecken will. Für den „Campus Sandkamp“ in Wolfsburg könnten rund 800 Millionen Euro veranschlagt werden, hieß es in einem Schreiben an die Belegschaft.

Hat gut lachen: VW-Konzernchef Herbert Diess. Sein Vertrag wurde gerade verlängert.

Eine weitere Stärkung der Forschungs- und Entwicklungskapazitäten ist mit Blick auf gleich mehrere Großvorhaben wichtig. Dazu gehören der Aufbau von Software-Kompetenzen, das ab 2026 geplante E-Volumenmodell „Trinity“ in Wolfsburg, der ab 2025 von Audi, Porsche und Bentley verantwortete „Tesla-Fighter“ in Hannover oder das Projekt „Artemis“, bei dem ein übergreifendes Bordnetz für Autos des Konzerns entwickelt wird.

Ein weiterer zentraler Schlüssel in der Umsetzung der „Strategie 2030“ sei deren Baustein „People & Transformation“. Auf dem Weg vom klassischen Ingenieurs- und Facharbeiter-Konzern zu den weiteren Arbeitsfeldern eines Tech-Unternehmens würden die individuellen Veränderungsmöglichkeiten für die Beschäftigten zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor, betonte Volkswagen.

VW: Einheitliche Plattform für Software und Fahrzeug-Mechatronik

„Um die neuen Werttreiber zu erschließen und profitables Wachstum sicherzustellen, setzt der Konzern einerseits auf die Stärke seiner Marken und andererseits auf Technologie-Plattformen. Einheitliche Plattformen für Software und Fahrzeug-Mechatronik sollen dabei ebenso für Skalen-, Kosten- und Qualitätsvorteile sorgen wie eine markenübergreifende Batterie- und Ladestrategie und eine Mobilitätsplattform“, heißt es in einer VW-Mitteilung.

Für den Betriebsrat, der zuletzt häufiger mit Diess aneinandergeraten war, bedeuten die ersten Eckpunkte dieser Technikstrategie auch mehr Verbindlichkeit in der Steuerung personeller Umwälzungen. Der Wandel zu alternativen Antrieben und immer mehr Vernetzung bringt ganz neue Anforderungen an die Beschäftigten mit sich - etliche Jobs aus der Zeit des klassischen Autobaus dürften dagegen absehbar verschwinden.

VW: Attraktivität als Arbeitgeber steigern

Es gebe jetzt einen „klaren Fahrplan für die anstehenden Veränderungen“, erklärte Betriebsratschefin Daniela Cavallo Ende voriger Woche zusammen mit Diess und Personalvorstand Gunnar Kilian. Vorgesehen ist zudem ein Modernisierungsfonds, aus dem binnen fünf Jahren 125 Millionen Euro in die Standorte der VW AG fließen sollen. Allgemeines Ziel: die eigene Attraktivität als Arbeitgeber steigern.

Die Kernmarke Volkswagen Pkw hatte bereits im Frühjahr eine neue Unternehmensstrategie vorgelegt. Sie heißt „Accelerate“ und umfasst einen rascheren Hochlauf weiterer E-Modelle zur CO2-Minderung, die Einführung von Abo-Diensten und Vorbereitungen fürs autonome Fahren.

Im zurückliegenden ersten Halbjahr 2021 konnte sich der Gesamtkonzern vom Corona-Einbruch Mitte 2020 weiter erholen. Auf Basis vorläufiger Zahlen lag das Betriebsergebnis schon bei rund elf Milliarden Euro.

Rubriklistenbild: © Hendrik Schmidt/dpa

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