Neue Strategien für die Zukunft

Digitale Schnitzeljagd und Erdbebensofa: Museen kämpfen um neue Gäste

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Ursula Warnke, Leitende Direktorin im Landesmuseum für Natur und Mensch.

Oldenburg - Von Sabine Komm. Viele der mehr als 730 Museen in Niedersachsen und Bremen entwickeln neue Strategien für die Zukunft. Apps, interaktive Stationen und Liveerlebnisse sollen wieder mehr Besucher in die Häuser locken. Doch wäre nicht auch kostenloser Eintritt eine Option?

Vom norddeutschen Moor inspirierter Poetry-Slam und eine Insektensuche im benachbarten Schlossgarten - Ursula Warnke, seit Januar Direktorin des Landesmuseums Natur und Mensch in Oldenburg, will neue Besucher ins Haus lotsen. Bisher hat die 55-jährige Vor- und Frühgeschichtlerin das Deutsche Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven geleitet, jetzt will sie das Museum in Oldenburg fit für die Zukunft machen. 

Deutlich jüngere Erlebnismuseen wie das „phaeno" in Wolfsburg sieht die Museumschefin nicht als Konkurrenz: „Wir schaffen Erlebnisse durch authentische Objekte", sagt sie. Zu sehen gibt es in Oldenburg etwa einen Goldbecher aus Chile oder das Ei des ausgestorbenen Seevogels Riesenalk. Solche authentischen Stücke könnten Science Center nicht bieten. Auch die vor 2.000 Jahren entdeckten Moorleichen und der nachgebildete Flusslauf der Hunte mit Feuersalamander, Hecht und Ringelnatter sind in Oldenburg Publikumsmagnete.

Ursula Warnke, Leitende Direktorin im Landesmuseum für Natur und Mensch.

„Museum ist nicht nur alt und museal, sondern Gegenwart", sagt die Museumschefin. Angesichts einer sich rapide verändernden Umwelt zielt sie jetzt darauf, dass das Haus sich mit aktuellen Fragestellungen wie der Rettung der Moore, der Artenvielfalt oder dem Bienensterben auseinandersetzt. Soziale Medien sollen dabei künftig stärker genutzt werden. 

Auch der Vorsitzende des Museumsverbands Niedersachsen-Bremen, Rolf Wiese, fordert einen stärkeren Gegenwartsbezug: „Wir brauchen Museen, die sich gegenüber gesamtgesellschaftlichen Themen wie Integration und Inklusion öffnen." Amerikanische Museen hätten bei der Einbindung von Randgruppen wie sozial Benachteiligten oder Demenzkranken die Nase vorn. Wichtig seien zudem schneller getaktete Sonderausstellungen, digitale Angebote und eine breite Ausrichtung vieler Häuser: „Heute geht es in Museen um Kunst, Konzert, Dichtung, Natur, Geräusche, Gerüche, Shop, Bücher und Gastronomie." 

Zwei Besucherinnen testen im Museum Universum das „Erdbebensofa".

„Die Museums- und Science-Center-Landschaft hat sich in den vergangenen Jahren enorm verdichtet", sagt auch Herbert Münder, der Geschäftsführer des „Universum" in Bremen. Nach einem Rückgang der Besucherzahlen war das Erlebnismuseum in Gestalt eines silbernen Wals bis zum März 2015 komplett umgebaut worden. Seitdem zielt das Besuchserlebnis stärker auf aktuelle Forschung. 250 Exponate informieren über Technik, Mensch und Natur, darunter eine Tastgalerie in völliger Dunkelheit und ein Erdbebensofa. In einem 5000 Quadratmeter großen Außenbereich geht es um Wind und Wasser. 

Gerade junge Zielgruppen will Münder über Social media erreichen: „Wir entwickeln derzeit eine digitale Schnitzeljagd durch das Universum und zudem eine Exponat-Datenbank zur noch besseren Vorbereitung auf den Besuch bei uns." Entscheidend bleibe aber das eigene Erleben vor Ort. Das gilt auch für die im Juni beginnende Sonderausstellung „Bike it - vom Laufrad zum Lebensgefühl". 

Kostenloser Eintritt für das „phaeno“ keine Option

„Im Vergleich zu klassischen Museen haben Science Center den Vorteil, dass sie zum Mitmachen und Entdecken anregen", sagt Martina Flamme-Jasper, die Sprecherin der Experimentierlandschaft „phaeno" in Wolfsburg. Die dortige Dauerausstellung mit rund 350 interaktiven Exponaten werde auch von Erwachsenen als Abenteuerspielplatz angesehen. Neben Sonderausstellungen habe das „phaeno" 2017 mit einer Oster-Aktion gepunktet, bei der rund 400 Küken vor den Augen der Besucher schlüpften. 

Viele Besucher nahmen auch am Seifenblasenfestival „Bubblemania" teil, bei dem ein Guinness-Weltrekord aufgestellt worden sei. Kostenlosen Eintritt einzuführen, um die Besucherzahlen zu steigern, wie es das in vielen Dauerausstellungen in Großbritannien gibt, ist für Flamme-Jasper keine Option, da sich auch das „phaeno" zum großen Teil über die Eintrittsgelder finanziert. - dpa

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