Diepholzer Delegation beim Stoppelmarkt-Empfang mit Stephan Weil

Daumen hoch für den Ministerpräsidenten

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Ministerpräsident Stephan Weil erntete gestern viel Applaus für seine Festrede beim Stoppelmarkt in Vechta.

Vechta/Diepholz - Von Sven Reckmann. Daumen hoch – so hatte die „Vechtaer Stoppelmarktszeitung“ die 42 Redner bewertet, die seit 1973 die Festrede gehalten hatten. Von null („oh je“) bis vier („Klasse“) war alles dabei.

Die Rede vom niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil gestern in Kühlings randvoller Niedersachsenhalle war kurzweilig, humorvoll und volksnah und hat die Chancen auf eine hohe Punktzahl in der Bestenliste. "Das ist ja besser als auf jedem Parteitag“, genoss der SPD-Politiker grinsend den langen Applaus nach seiner Festrede zum Stadtempfang am Stoppelmarkt-Montag.

Weil hat sich als langjähriger Oberbürgermeister Hannovers beim größten Schützenfest der Welt offenbar eine uneingeschränkte Festzelt-Tauglichkeit angeeignet. Doch Stoppelmarkt, das sei noch einmal eine ganz andere Qualität, räumte er ein. „Ich sehe hier viele rote Augen aber durchaus noch gerade Rücken“, erzählte Weil. Das könnte am hochprozentigen „Stoppelhopser“ liegen, mutmaßte der Landesvater. Dass es im Oldenburger Münsterland eine so hohe Geburtenrate gebe, das müsse doch auch irgendetwas mit dem Stoppelmarkt zu tun haben. Die „Stoppelmarkt-Forschung“ stecke noch in den Kinderschuhen, eine Aufgabe für die Uni Vechta, meinte Weil.

717. Stoppelmarkt in Vechta

Er zitierte aus imaginären Reaktionen, die ihn erreichten, nachdem er seine Zusage als Stoppelmarkt-Redner gegeben hatte.

Kanzleramts-Chef Peter Altmaier, gewichtiger Redner aus dem Vorjahr, habe ihm den Tipp gegeben: „Sorgen Sie für die nötige Fülle.“ Getreu dem Motto: Ein Mann ohne Bauch ist wie ein Himmel ohne Sterne. Gemessen daran, so witzelte Weil, sei Altmaier eine eigene Galaxie und Sigmar Gabriel sei eine eigene Milchstraße. Großes Vergnügen im Saal.

Dann habe ihn noch ein Brief aus Griechenland erreicht („ohne Porto“) von Yanis Varoufakis („der James Bond unter den europäischen Finanzpolitikern“). Mit Blick auf die Stoppelmarkt-Aktion „einmal zahlen, zweimal fahren“ habe ihm der Ex-Finanzminister geschrieben: „Immer fahren, niemals zahlen“ – das sei doch die revolutionäre Idee.

Stoppelmarkt in Vechta am Samstag

Stoppelmarkt in Vechta am Freitag / 2

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer habe ihm vorgeschlagen, Vechta in den Freistaat Bayern einzugliedern, verriet Weil mit einem Augenzwinkern. „Die Konfession stimmt, die Wirtschaft stimmt und die Wahlergebnisse auch.“ Im Gegenzug wolle er die unliebsamen Münchner oder Nürnberger an die Niedersachsen abgeben. Antwort von Weil: „Vechta rücke ich nicht raus.“

So hatte der „rote“ Ministerpräsident die Herzen im „schwarzen“ Vechta schnell erobert, und wer trotzdem gern einen Anderen auf dem Chefsessel in Hannover sähe, dem bot er einen Deal an: „Ich habe mir geschworen, ich bleibe so lange Ministerpräsident in Niedersachsen, bis die SPD den Wahlkreis Vechta direkt gewinnt. Und dann sage ich mal: Vechta hat die Wahl. Wer mich nicht mehr in Hannover will, der muss nur sein Kreuz bei der SPD machen. Das tut auch nicht weh, ich weiß das aus Erfahrung.“

Stoppelmarkt in Vechta am Freitag / 1

Stoppelmarkt in Vechta am Donnerstag / 2

Eingangs hatte der Vechtaer Bürgermeister Helmut Gels zahlreiche Ehrengäste begrüßte, darunter den ehemaligen niedersächsischen Finanzminister Hartmut Möllring, der jetzt Minister für Wissenschaft und Wirtschaft in Sachsen-Anhalt ist, sowie zahlreiche heimische Bundestags und Landtagsabgeordnete, darunter Landtagsvizepräsident Karl-Heinz Klare aus Diepholz, Landräte aus der Region, sowie Kommunalpolitiker und Kirchenvertreter. Daneben waren viele Vertreter der heimischen Wirtschaft, von Behörden und Institutionen unter den schätzungsweise 1000 Zuhörern im Festzelt. Unter ihnen war traditionell auch eine Delegation von Rat und Verwaltung aus Diepholz mit Bürgermeister Dr. Thomas Schulze an der Spitze; gleich am Nachbartisch hatte eine Delegation aus Barnstorf Platz genommen, die von Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers angeführt wurde.

„Festival-Feeling“ gab es derweil draußen beim Viehmarkt. Der Dauerregen hatte die Wege derart aufgeweicht, dass geländegängiges Schuhwerk angebracht war. Die Besucher ließen sich davon nicht abhalten, auf dem Viehmarkt, in den Marktstraßen und vor allem in den Feier-Zelten herrschte reger Betrieb.

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