Im Waldkindergarten von Klein London sollen Trillerpfeifen helfen, Isegrim zu vertreiben

„Der Wolf mag den Krach nicht“

Kräftig in die Trillerpfeife blasen, sollen die Kinder im Waldkindergarten von Klein London, wenn ihnen ein Wolf in ihrem Wald begegnet, um ihn zu vertreiben.

Klein London - Von Lars Lohmann. Es dröhnt in den Ohren, wenn die Jungen und Mädchen vom Waldkindergarten in Klein London kräftig in ihrer Trillerpfeifen blasen. Die haben sie aber nicht zum Spaß, sondern sollen sie nur verwenden, wenn sie auf einen Wolf treffen.

Den haben zwar weder Erzieherin Jutta Schulz noch die Leiterin des DRK-Kindergartens Wrestedt Melanie Schabert in der Nähe des Bauwagens im Klein Londoner Wald gesehen. Aber er wurde schon unweit von Klein London gesichtet, berichtet Schabert. Ein Vater hätte sich deswegen bei ihr gemeldet und seine Sorgen geäußert.

Den Kindern habe man zusammen mit dem Nabu das richtige verhalten beigebracht, falls sie auf einen Wolf treffen, berichtet Schabert. „Wenn wir einen sehen, sollen wir die Trillerpfeife benutzen, der Wolf mag den Krach nicht“, erklärt die kleine Anneke. Ansonsten sollte man sich ganz langsam von dem Wolf wegbewegen. „Bloß nicht schnell weglaufen“, weiß sie. Falls Isegrim aber trotz Pfeife keinen Reißaus nimmt, sollen die Kinder hüpfen, stampfen und schreien, berichtet Schabert. Jedes Kindergartenjahr übe man mit den Kindern das richtige Verhalten mit Hilfe des Nabus ein.

„Wir müssen uns daran gewöhnen, dass der Wolf jetzt wieder zur Natur gehört“, sagt Schabert. Der Lärm, den die Kinder beim Spielen machen, schrecke aber die an sich scheuen Wölfe ab. Die meisten Eltern würden das auch so sehen. Ihnen würden eher die Zecken Sorgen bereiten. Trotzdem habe man natürlich Maßnahmen ergriffen. Galt früher etwa die Regel, dass sich die Kinder soweit vom Bauwagen entfernen dürfen, dass sie ihn noch sehen können, ist jetzt schon beim rot-weißen Absperrband nach ungefähr 25 Metern Schluss. Alleine durften sie schon vorher nicht unterwegs sein und eine Aufsicht ist selbstverständlich immer dabei. Weitere Maßnahmen wie einen Graben oder einen Zaun lehnt Schabert aber ab. „Ich finde das widerspricht dem Konzept eines Waldkindergartens. Dort sollen die Kinder die Natur uneingeschränkt erleben“, meint Schabert.

Eine mulmige Begegnung hatte Anneke aber schon. Ein Husky war seinem Besitzer entlaufen und stand plötzlich vor ihr mitten im Wald. „Da hatte ich schon ordentlich Angst, als der vor mir stand“, sagt sie. Zum Glück sei nichts passiert, meint Schulz. Viele Kinder hätten den Husky für einen Wolf gehalten und erstmal gefragt, ob sie jetzt die Trillerpfeifen benutzen sollen. Ansonsten haben die Kinder im Wald bei Klein London bisher nur Pflanzenfresser angetroffen. Eichhörnchen, Rehe und ein aus einem Gehege entlaufener Damhirsch, der an Menschen gewöhnt war, haben die Kinder entdeckt. 

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