Strom vom Acker

Der oft vergessene Baustein der niedersächsischen Energiewende: Fotovoltaikanlagen

Um die Klimaziele zu erreichen, ist ein Baustein die Solarzelle. Um den Fotovoltaikanlagen einen Schub zu geben, will das Land die Bauordnung ändern.

Hannover – Windräder und Biogasanlagen: Wenn es um erneuerbare Energien geht, kommen sie einem zuerst in den Sinn. Logisch, denn sie stehen an fast jeder Ecke, sind kaum zu übersehen. Nun rücken auch Fotovoltaikanlagen (PV) zunehmend in den Fokus.

Kosten Fotovoltaikanlage Einfamilienhausab ca. 10.000 Euro
Funktion(Sonnen-) Licht in Strom umwandeln
Wirkungsgrad (Serienproduktion)8 bis 40 Prozent
Leistung pro Modul250 bis 300 Watt

„Wir brauchen mehr Fotovoltaik auch in der Fläche und müssen viel mehr tun, um die Ziele der Energiewende und des Klimaschutzes zu erreichen“, so Energie- und Klimaschutzminister Olaf Lies über Sonnenergie. „Die kurze Verordnung wird die Chancen niedersächsischer Freiflächen-Fotovoltaik-Projekte im Wettbewerb der Länder untereinander um Zuschläge bei Ausschreibungen verbessern.“

Die niedersächsische Freiflächensolaranlageverordnung soll noch vor der Sommerpause in Kraft treten. Konkret geht es um Acker- und Grünflächen. Zu unterscheiden sind dabei die privaten Anlagen auf dem Wohnhaus von den öffentlichen und gewerblichen Gebäuden sowie auf Freiflächen.

Es soll mehr Fotovoltaik-Parks in Niedersachsen geben.

Mit der Verordnung soll geregelt werden, welche PV-Anlagen mit einer Leistung von mehr als 750 kW gebaut werden. Wer den Zuschlag bekommt, wird in einem Bieterverfahren ermittelt. Die Freiflächensolaranlagenverordnung regelt zwar nicht, ob und wo Freiflächensolaranlagen (Solarparks) tatsächlich gebaut werden.

„Wir erleichtern mit der Verordnung aber den Weg für mehr Solarenergie auf der Fläche sowie für neue Nutzungsmöglichkeiten auf ertragsschwachen landwirtschaftlichen Standorten. Damit kommen wir unserem Ziel ein ganz großes Stück näher, Klimaschutzland Nr. 1 zu werden“, betont Lies. „Die Belange der Landwirtschaft und des Naturschutzes werden umfänglich berücksichtigt.“

Solarenergie: Anlagen für Sonnenenergie als Motor für benachteiligte Gebiete

Bundesländer wie Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern haben schon Erfahrungen gesammelt. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass Zuschläge in den Ausschreibungsrunden praktisch ausnahmslos an Projekte aus den Bundesländern gehen, die die benachteiligten Gebiete für Fotovoltaik-Projekte freigegeben haben“, so Lies über das Potenzial von Anlagen für Sonnenenergie. „Durch den Erlass unserer Verordnung können künftig auch niedersächsische Projekte erfolgreich dabei sein.“

Die ersten Bürgermeister können die Freude des Ministers nicht uneingeschränkt teilen. Zu Erklärung: Den Zuschlag bekommt der Anbieter, der den niedrigsten Strompreis bietet. Die Vergabe erfolgt über die Bundesnetzagentur.

Solarenergie: Fotovoltaik-Anlagen-Boom in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein ist gerade ein Boom an Solarparks ausgebrochen. Bei Handewitts Bürgermeister Thomas Rasmussen liegen Anfragen für 245 Hektar auf dem Tisch, allein für seine Gemeinde. Das ist mehr als doppelt so viel Fläche, wie der bisher größte Solarpark Schleswig-Holsteins in Eggebek hat. Das Spannende dabei ist, dass alle Solarparks ohne Förderung auskommen. Dies liegt an gesunkenen Kosten für Solarmodule und am gestiegenen Börsenstrompreis.

Solarstrom: Hausdächer als potenzielle Nutzfläche für Fotovoltaik-Anlagen aus Solarzellen

Neben den Wiesen und Feldern haben Dächer ein großes Potenzial. Die Dächer von Gewerbe-Immobilien sollen künftig mindestens zur Hälfte mit Fotovoltaik-Anlagen aus Solarzellen bestückt werden. Dafür will das Land zum 1. Januar 2022 die Bauordnung ändern, wie das Bauministerium mitteilte. Nach dem Gesetzesentwurf betrifft die neue Pflicht zum Solarstrom Neubauten mit überwiegend gewerblicher Nutzung ab 75 Quadratmetern Dachfläche.

Außerdem müssen Bauherren bei der Planung neuer Wohngebäude künftig sicherstellen, dass sich Solaranlagen auf dem Dach zumindest nachrüsten lassen. Nur in Ausnahmefälle könne die Pflicht entfallen. „Vor dem Hintergrund der Diskussionen um den Bau von bezahlbaren Wohnungen ist es uns aber gleichzeitig wichtig, die Vorgaben für den Wohnungsbau auf ein Minimum zu beschränken“, so Bau- und Umweltminister Olaf Lies (SPD).

So könnte in Zukunft viele Dächer aussehen. Eine Fotovoltaikanlage produziert Strom.

Nach Einschätzung von Lies benötigt Niedersachsen 65 Gigawatt verfügbare Leistung aus der Solarenergie, um bis 2040 eine Nettoversorgung mit Elektrizität aus regenerativen Quellen zu erreichen. 50 Gigawatt davon sollen demnach auf Dächern von Häusern und Gewerbebauten produziert werden.

In Niedersachsen wurden bis Ende 2016 insgesamt etwa 3.600 MW installiert. Bei einer mittleren jährlichen Volllaststundenzahl von 1000 Stunden erzeugen die Fotovoltaik-Anlagen zirka 3,6 Milliarden Kilowattstunden – ein Anteil von etwa sechs Prozent am niedersächsischen Stromverbrauch.

Rubriklistenbild: © MTU

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Brütende Hitze in Deutschland - Zum Wochenstart Abkühlung

Brütende Hitze in Deutschland - Zum Wochenstart Abkühlung

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Meistgelesene Artikel

Neue Corona-Regeln für Niedersachsen: Was ab Montag wieder erlaubt ist

Neue Corona-Regeln für Niedersachsen: Was ab Montag wieder erlaubt ist

Neue Corona-Regeln für Niedersachsen: Was ab Montag wieder erlaubt ist
Unwetterwarnung: Heftige Hagel-Gewitter wüten am Sonntag in Niedersachsen und Bremen

Unwetterwarnung: Heftige Hagel-Gewitter wüten am Sonntag in Niedersachsen und Bremen

Unwetterwarnung: Heftige Hagel-Gewitter wüten am Sonntag in Niedersachsen und Bremen
„Meine Damen und Herren“: Zugdurchsage löst Gender-Debatte aus

„Meine Damen und Herren“: Zugdurchsage löst Gender-Debatte aus

„Meine Damen und Herren“: Zugdurchsage löst Gender-Debatte aus
Gastronomie in Niedersachsen: Neue Lockerungen seit Montag

Gastronomie in Niedersachsen: Neue Lockerungen seit Montag

Gastronomie in Niedersachsen: Neue Lockerungen seit Montag

Kommentare