Indirekte Impfpflicht in Deutschland

Der Druck steigt: Nicht-Geimpfte sollen Corona-Tests selbst bezahlen

Eine Impfpflicht soll nicht kommen, aber was ist mit indirektem Druck? Zum Beispiel mit kostenpflichtigen Corona-Tests. Impfskeptikern wird das Leben so schwer gemacht.

Bislang können sich Bürger kostenlos per Antigen-Schnelltest auf Corona testen lassen, doch das könnte sich schon bald ändern. Um der sich in Deutschland ausbreitenden Impfmüdigkeit ein für alle Mal den Garaus zu machen, fordern einige Politiker kostenpflichtige Tests für Ungeimpfte. Gerade dann, wenn jeder Deutsche ein Impfangebot bekommen hat, sollen Bürger wieder selbst in die Tasche greifen.

Virus:Coronavirus, COVID-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Vorkommen:Weltweit
Erster bekannter Fall:1. Dezember 2019

Impfpflicht in Frankreich, Italien und Griechenland: Deutschland hält an freiwilligen Corona-Impfungen fest

Frankreich und Griechenland machen es mit der Impfpflicht für Gesundheitspersonal vor, Italien hat die Impfpflicht schon länger – doch in Deutschland steht eine solche Pflicht bislang nicht zur Debatte. „Wir haben nicht die Absicht, diesen Weg zu gehen, den Frankreich vorgeschlagen hat. Wir haben gesagt, es wird keine Impfpflicht geben“, so Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Doch auch wenn es zumindest vorerst keine Impfpflicht in Deutschland geben soll, wird der Druck auf alle Nicht-Geimpften, Impfmuffel oder gar Impfschwänzer nun erhöht. Denn: Wer sich nicht impfen lassen will, könnte bald zur Kasse gebeten werden.

Bislang können sich Bürger kostenlos per Antigen-Schnelltest auf Corona testen lassen, um am öffentlichen Leben teilzunehmen, doch das könnte sich schon bald ändern. Die Bundesregierung schließt derzeit nicht aus, dass die kostenlosen Corona-Tests für Ungeimpfte schon bald kostenpflichtig werden könnten. Allerdings müsse man bei solchen Maßnahmen, „die so eine indirekte Impfpflicht sind“ gut überlegen, so Angela Merkel.

Druck auf Ungeimpfte steigt: Impfmuffel sollen zukünftig wieder für Corona-Tests zahlen

Während die Bundesregierung sich derzeit noch im Eiertanz übt, wird der Chef der Bundesärzte­kammer, Klaus Reinhardt, etwas deutlicher und fordert ein Ende des kostenlosen Corona-Tests bereits im Herbst: „Wenn bis zum Ende des Sommers alle die Chance für eine vollständige Impfung bekommen haben, ist es angemessen, dass Ungeimpfte Schnell- oder PCR-Tests selbst bezahlen müssen, wenn sie in den Urlaub fahren, ins Restaurant oder ins Kino gehen wollen.“

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Damit steht Klaus Reinhardt nicht alleine da. Auch Bayerns Minister­präsident Markus Söder (CSU) und Gesundheits­minister Jens Spahn (CDU) machten deutlich, dass darüber nachgedacht werden müsse, ob Corona-Tests kostenlos bleiben könnten, wenn alle Menschen ein Impfangebot bekommen hätten, denn: „Testen kostet enorme Summen.“

Um den Druck noch weiter zu erhöhen, soll es bundesweit mehr Freiheiten für vollständig Geimpfte und eine verschärfte Testpflicht für nicht Geimpfte geben. So sei es zudem denkbar, dass nicht Geimpfte oder Genesene statt Schnelltests einen negativen PCR-Test vorlegen müssten. Vorrangig sei am Ende des Tages allerdings, Impfskeptiker von den Vorteilen der Impfung zu überzeugen – notfalls auch mit Geschenken und Prämien oder eben Bußgeldern für Impfschwänzer. Denn nur mit einer Impfquote von mindestens 85 Prozent könne die Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante und eine vierte Welle gestoppt werden.

Karl Lauterbach wettert gegen indirekte Impfpflicht: kostenpflichtige Corona-Tests sind „grundfalsch“

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach halte eine solche Impfpflicht durch die Hintertür mit kostenpflichtigen Corona-Tests für Ungeimpfte für „grundfalsch“. „Wer sich dann zum Beispiel die Tests nicht mehr leisten kann, hat faktisch nicht mehr die freie Wahl, ob er sich impfen lassen will oder nicht. Das ist eine unangemessene Trickserei, mit der die Politik wortbrüchig würde, weil sie eine Impfpflicht mehrfach ausgeschlossen hat“, schimpft er.

Stattdessen solle die Regierung weiter daran arbeiten, das „Impfangebot massiv auszuweiten und die Impfungen zu den jungen Menschen bringen, zum Beispiel durch ‚Impfen to go‘ an den Ausgehmeilen.“  * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Frank Sorge/IMAGO & Future Image/IMAGO

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