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Wegen Ausbreitung der Delta-Variante: Impfabstand verkürzen?

Vor der Delta-Variante schützt erst die Corona-Zweitimpfung wirklich. Ist es daher sinnvoll, den Abstand zwischen der erster und zweiter Impfung zu verkürzen?

Die erste Coronaimpfung allein bietet noch keinen ausreichenden Schutz vor einer Ansteckung mit Covid-19. Besonders vor der Delta-Variante schützt erst die Zweitimpfung wirklich. Deshalb wird aktuell darüber diskutiert, ob es sinnvoll ist, den Abstand zwischen erster und zweiter Impfung zu verringern.

Bundesland:Niedersachsen
Person mit einer Impfung:55,2 Prozent
Personen mit vollständigem Impfschutz: 34,8 Prozent
Personen auf Warteliste für Impfzentren: 155.000

In vielen Impfzentren in Niedersachsen stehen derzeit Termine mit dem Impfstoff von Astrazeneca zur Verfügung. Für diesen Impfstoff verkürzt das Land das Intervall zwischen Erst- und Zweitimpfung ab dem 1. Juli auf neun statt bisher 12 Wochen. „Es hat sich herausgestellt, dass die Schutzwirkung der Impfung mit AstraZeneca in den ersten neun Wochen schnell ansteigt, danach nimmt die Wirkung nur noch langsam und gering zu. Vor diesem Hintergrund ist eine Verkürzung des Impfintervalls für diesen Impfstoff sinnvoll“, so Gesundheitsministerin Daniela Behrens.

Astrazeneca: Intervall zwischen Impfung wird in Niedersachsen verkürzt

Dabei werde auch berücksichtigt, dass viele Menschen beim Impfstoff von Astrazeneca auch wegen des langen Intervalls zwischen den Impfungen zögerlich seien. Zudem könne durch die Verkürzung sichergestellt werden, dass alle Menschen ihre Zweitimpfungen vor dem geplanten Rückbau der Impfzentren zum 30. September bekommen können.

„Auch nach dem 30. September wollen wir eine im Rahmen der öffentlichen Gesundheitsvorsorge organisierte Impfstruktur aufrechterhalten. Dies soll dann vor allem in Form von mobilen Teams sichergestellt werden, die dezentral impfen können“, sagt Behrens. Niedersachsen erhält nach den aktuellen Lieferankündigungen des Bundes im Juli wöchentlich mehr als 300.000 Impfdosen für die Impfzentren und damit deutlich mehr Impfstoff als noch vor wenigen Tagen angenommen. Seit einigen Tagen können sich in Impfzentren in Niedersachsen auch Menschen unter 60 Jahren mit Astrazeneca impfen lassen. *

Für den Impfstoff Astrazeneca verkürzt Niedersachsen das Intervall zwischen Erst- und Zweitimpfung auf neun statt bisher 12 Wochen.

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch Instituts (STIKO) hat bislang keine Empfehlung für eine Verkürzung von Intervallen ausgesprochen. Aktuell werde geprüft, ob eine Verkürzung der Zeit zwischen den Impfungen überhaupt sinnvoll ist.

Wenn es nur um die Zulassungen der einzelnen Impfstoffe geht, ist eine Verkürzung der Zeit zwischen den Impfungen möglich. Während beim Impfstoff Biontech/Pfizer und Moderna normalerweise sechs Wochen vergehen müssen, ist auch eine Wartezeit von drei Wochen (Biontech/Pfizer) und vier Wochen (Moderna) möglich. Bei dem Impfstoff von Astrazeneca wären es statt 12 Wochen ebenfalls nur vier.

„Die Überlegung macht schon Sinn, um schneller den notwendigen Immunschutz zu erreichen“, sagt Bremer Virologe Andreas Dotzauer. Die Datenlage über die verkürzten Zeiten sei allerdings logischerweise dünn. Die Wirksamkeit korreliere mit den Abständen. „Bisher zeigen die größeren Abstände bessere Schutzwirkungen“, weiß er.

Wir haben nach wie vor keine Unmengen an Impfstoff.

Andreas Dotzauer, Virologe an der Uni Bremen

In seinen Augen sollte am bisherigen Schema festgehalten werden, zumindest zunächst. „Wir haben nach wie vor keine Unmengen an Impfstoff“, sagt Dotzauer. Deshalb seien Erstimpfungen wichtiger, auch wenn sie nur einen Schutz von 30 Prozent bieten. „Es ist trotzdem ein Schutz“, meint der Virologe. „Wenn genügend Impfstoff da wäre, würde die Verkürzung der Zeit zwischen den Impfungen mehr Sinn ergeben.“

Eine andere wichtige Überlegung sei, Menschen die erstmals mit Astrazeneca geimpft worden sind, als Zweitimpfung einen mRNA-Impfstoff (Biontech/Pfizer oder Morderna) zu verabreichen. „Die Immunreaktion fällt hier sieben bis zehnmal stärker aus und es schützt damit wahrscheinlich, denn Daten gibt es kaum, deutlich stärker vor der Delta-Variante“, weiß der Bremer Virologe. „Das könnte von Vorteil sein, wenn die Impfstoffe knapp sind.“

Inzwischen gilt es als erwiesen, dass beispielsweise eine Kreuzimpfung mit zwei Impfstoffen, etwa mit dem Vakzin von Biontech und anschließend mit dem von Astrazeneca, wesentlich effektiver sind. Normalerweise wird bei der Zweifachimpfung derselbe Impfstoff verimpft.

Ist eine Nachimpfung im Herbst ratsam?

Seit einiger Zeit sind Nachimpfungen im Gespräch. Auch hier gibt es noch keine offiziellen Empfehlungen. Dotzauer: „Die Antikörpermengen fallen innerhalb von neun bis zehn Monaten ab. Es ist nicht eindeutig, wie sich das auf den Impfschutz auswirkt. Es ist aber anzunehmen, dass die Schutzwirkung nachlässt.“

Eine Auffrischungsimpfung, mit auf die Virus-Varianten angepassten Impfstoffen, hält Dotzauer für sinnvoll. Anzunehmen sei auch, dass die Delta-Variante im Herbst die Hauptvariante darstellen werde. In Deutschland breitet sich die Delta-Variante momentan rasend schnell aus. Die Virus-Variante kann unter Umständen sogar zu Hörverlust und Durchblutungsstörungen führen.

Die Corona-Impfungen sorgen für Kontroversen. Aber diese Studie bringt Grund zur Freude: Die mRNA -Impfstoffe Biontech und Moderna sollen für Jahre vor dem Virus schützen, berichtet 24hamburg. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Gregor Fischer/ dpa

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