Coronavirus

Reisebeschränkungen dank Delta-Variante: Was bedeutet das für den Urlaub?

Die Reisebeschränkungen für Portugal, Spanien, Griechenland und Italien verschärfen sich durch die Delta-Variante. Das bedeutet es für ihren Urlaub.

Bremen – Der Ruf nach strengeren Corona-Kontrollen für Urlaubsrückkehrer wird lauter. Mit Blick auf die rasche Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante in Europa und Deutschland drängen immer mehr Landesregierungen darauf, Test- und Quarantäneregeln bei der Einreise aus dem Ausland zu verschärfen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil forderte eine zweifache Testpflicht für alle, die nicht voll geimpft sind. „Auch in Ländern mit vergleichsweise niedrigen Inzidenzen läuft man Gefahr, mit anderen Urlaubern zusammenzukommen, die das deutlich ansteckendere Delta-Virus mit sich tragen“, sagte er.

Urlaub trotz Delta-Variante: Für einige Länder in Europa verschärfen sich die Reisebedingungen wieder.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) kritisierte, dass bei Einreisen aus Risikogebieten derzeit ein einmaliger, einfacher Antigen-Test reiche, um Quarantäne zu vermeiden. „Das ist zu unsicher“, sagte er der „Welt“. Stattdessen sollten alle nicht geimpften Reiserückkehrer aus Risikogebieten und Hochinzidenzgebieten grundsätzlich in Quarantäne gehen*, die frühestens nach fünf Tagen bei einem negativen PCR-Test aufgehoben werden dürfe.

Die Bundesregierung bewertet regelmäßig die Corona-Lage im Ausland und unterscheidet dabei zwischen Virusvariantengebieten, in denen sich als besorgniserregend eingestufte Varianten ausbreiten, Hochinzidenzgebiete mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 200 und Risikogebieten mit über 50. Bisher unterliegen nur Rückkehrer aus Risiko-, Hochinzidenz- und Virusvariantengebieten Testpflichten.

In diesen Ländern sollten sie aktuell keinen Urlaub planen

  • Aktuelle Virusvariantengebiete:
    Botsuana (Botswana), Brasilien, Eswatini (Swasiland), Indien, Lesotho, Malawi, Mosambik, Namibia, Nepal, Portugal, Russische Föderation, Sambia, Simbabwe, Südafrika, Uruguay, Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland, die Isle of Man sowie alle Kanalinseln und alle britischen Überseegebiete
  • Aktuelle Hochinzidenzgebiete:
    Ägypten, Argentinien, Bahrain, Bolivien, Chile, Costa Rica, Ecuador, Iran, Kolumbien, Kuwait, Malaysia, Malediven, Mongolei, Oman, Paraguay, Peru, Seychellen, Sri Lanka, Sudan, Suriname, Syrische Arabische Republik, Tansania, Trinidad und Tobago, Tunesien

„Reisen mit Vernunft und Augenmaß, das ist das Motto dieses Sommers. Die Gefahr durch das Virus und seine Mutanten ist noch lange nicht gebannt“, sagte Außenminister Heiko Maas in einer Pressemitteilung. Deshalb werde die Bundesregierung auch in Zukunft vor Reisen warnen, wo es Sinn ergebe: „Bei Hochinzidenz- und Virusvarianten-Gebieten.“

Wegen sinkender Infektionszahlen sind aber zuletzt zahlreiche Urlaubsgebiete in Europa aus der Liste der Risikogebiete gefallen. Wer von dort auf dem Landweg nach Deutschland zurückkehrt, muss deshalb keine Einreisebeschränkungen mehr beachten. Für Flugreisende gilt allerdings weiter eine generelle Testpflicht: Jeder – ob aus einem Risikogebiet oder nicht – muss schon vor dem Abflug ein negatives Testergebnis, einen Impf- oder Genesenen-Nachweis vorlegen.

Die Delta-Variante des Coronavirus verbreitet sich schnell. Die Bundesärztekammer warnt Urlauber davor, in die betroffenen Risikogebiete zu reisen. Das Robert-Koch-Institut nennt die Länder, die wir meiden sollten.

Wir raten ganz ausdrücklich von allen nicht zwingend erforderlichen Reisen in Virusvariantengebiete ab. 

Daniela Behrens, Niedersachsens Gesundheitsministerin

Die niedersächsische Gesundheitsministerin Daniela Behrens warnt vor Leichtsinn und insbesondere vor Reisen in Virusvariantengebiete: „Wir raten ganz ausdrücklich von allen nicht zwingend erforderlichen Reisen in diese Gebiete ab.

„Jede Reise dorthin birgt das Risiko eines Eintrags der Delta-Variante nach Niedersachsen und gefährdet damit die Erfolge im Kampf gegen die Pandemie in den vergangenen Wochen.“ Mit Blick auf die bevorstehenden Sommerferien und die Ausbreitung der Delta-Variante sei das Motto: „Erst impfen, dann die Ferien genießen.“

Deutscher Reiseverband wünscht sich Planungssicherheit

„Perspektivisch ist es notwendig, nicht nur für die Unternehmen der Reisewirtschaft, sondern für unser gesamtes Wirtschafts- und Gemeinwesen, bei den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung eine Weiterentwicklung weg von der strengen, ausschließlichen Orientierung an Inzidenzwerte hinzubekommen“, meint Torsten Schäfer, Leiter der Kommunikationsabteilung des Deutschen Reiseverbands.

Damit könne auch das „ewige Rein und Raus, das alle nur verunsichert“, vermieden und gleichzeitig eine zielgenauere Berücksichtigung der Belastungsgrenzen unseres Gesundheitswesens erreicht werden. „Die Wirtschaft, wir alle und auch unsere Kundinnen und Kunden, brauchen berechenbare Rahmenbedingungen und Planungssicherheit“, sagte Schäfer der Kreiszeitung. *

Darüber hinaus sei es wünschenswert, wenn die Politik zu einer regionaleren Betrachtungsweise übergehen könne. „Beispiel Portugal: Insbesondere Madeira weist eine sehr niedrige Inzidenz auf, die aktuell bei 16 liegt, wird aber dennoch ab Dienstag, wie gesamt Portugal, als Virusvariantengebiet gelistet. Das ist nur schwer nachzuvollziehen“, sagt der Reiseexperte.

Zusammen mit dem Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hat der Deutsche Reiseverband (DRV) eine Urlaubscheckliste zur Vorbereitung auf den Urlaub mit zahlreichen Tipps und den wichtigen Hinweisen erstellt.

Das gilt bei Urlaubs-Stornierungen

Wer eine Urlaubsreise gebucht hat, kann vom dynamischen Pandemiegeschehen überrascht werden. Das zeigt gerade das aktuelle Beispiel Portugal. Die Einstufung als Corona-Risikogebiet oder – wie in diesem Fall – sogar als Virusvariantengebiet kann dann nachdenklich machen: Wie wird sich die Situation weiter entwickeln? Muss ich jetzt schon reagieren, wenn ich später im Jahr dorthin will?

„Die Situation ist aktuell sehr dynamisch“, sagt Reiserechtsexperte Jan Philipp Stupnanek von der Verbraucherzentrale. Das Wichtigste sei, sich die Auskünfte zur Lage sowie Informationen der Reiseveranstalter anzuschauen und aktiv wegen bereits bestehender Buchungen nachzufragen. Einige Anbieter haben im Falle Portugals bereits Reisen bis zum 31. Juli 2021 abgesagt und bieten gebührenfreie Stornierungen und Umbuchungen an.

Pauschalreisen: Stornierungen sind möglich – mit Abstrichen

Pauschalreisende, die in jedem Fall verreisen möchten, könnten die weitere Entwicklung abwarten, sagt Stupnanek. Findet dann eine Pauschalreise wegen der äußeren Umstände nicht statt, sei eine kostenfreie Stornierung grundsätzlich möglich. Findet sie aber statt und nur der Reisende will plötzlich nicht mehr oder fühlt sich unsicher, sind dies keine Gründe für eine gesetzlich vorgesehene kostenlose Stornierung. Es gelten dann die Vertragsbedingungen.

Wer jetzt schon weiß, dass er zum Beispiel keinesfalls mehr nach Portugal will, kann gemäß den Bedingungen seines Reisevertrags stornieren. Er muss dann aber, sofern eine kostenlose Stornierung nicht möglich ist, die entsprechenden Kosten tragen. Da kann frühes Stornieren im Rahmen einer Preisstaffel eventuell kostengünstiger sein. Kostenlose Stornos seien nur möglich, wenn es vertraglich so festgehalten wurde.

Oder aber bei Pauschalreisen, wenn unvermeidbare außergewöhnliche Umstände die Reise erheblich beinträchtigen.

Ein starkes Indiz für das Vorliegen solcher Umstände ist eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, so Stupnanek. Das sei aber immer vom Einzelfall abhängig. Ob, wie am Beispiel Portugals zu sehen, die Ausrufung als Virusvariantengebiet bereits ebenfalls entsprechend gewertet werde, sei höchstrichterlich noch nicht entschieden, sagt der Jurist.

Unterschiede zwischen Pauschal- und Individualreise

„Auch eine Kontaktaufnahme zum entsprechenden Reiseveranstalter ist sinnvoll. Dieser hat vielleicht bereits eine Planung für spätere Zeiträume, und man kann gegebenenfalls einvernehmlich eine Lösung finden“, sagt der Reiserechtsexperte.

Anders als bei Pauschalreisen haben Touristen bei Individualreisen, bei denen sie selbst die einzelnen Leistungen wie Hotel oder Flug gebucht haben, im Stornofall nur dann Anspruch auf eine kostenlose Stornierung, wenn es vertraglich vereinbart wurde. Andernfalls habe der Anbieter einen Anspruch auf die vereinbarte Vergütung abzüglich ersparter Aufwendungen – das sind bei Flügen zum Beispiel die Steuern und Gebühren sowie personenbezogenen Entgelte etwa für Übergepäck. (mit Material der dpa)
* 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Clara Margais/ dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Meistgelesene Artikel

Nach Pferde-Einschläferung bei Olympia: Heftige Kritik an Vielseitigkeit

Nach Pferde-Einschläferung bei Olympia: Heftige Kritik an Vielseitigkeit

Nach Pferde-Einschläferung bei Olympia: Heftige Kritik an Vielseitigkeit
Corona-Lockdown ab September? Ministerium empfiehlt Maßnahmen-Verschärfung

Corona-Lockdown ab September? Ministerium empfiehlt Maßnahmen-Verschärfung

Corona-Lockdown ab September? Ministerium empfiehlt Maßnahmen-Verschärfung
Straßenbahn prallt in Fußgänger – Mann stirbt noch am Unfallort

Straßenbahn prallt in Fußgänger – Mann stirbt noch am Unfallort

Straßenbahn prallt in Fußgänger – Mann stirbt noch am Unfallort
Diebe klauen Zivilfahrzeug der Polizei - Twitter-Aufruf mit Erfolg

Diebe klauen Zivilfahrzeug der Polizei - Twitter-Aufruf mit Erfolg

Diebe klauen Zivilfahrzeug der Polizei - Twitter-Aufruf mit Erfolg

Kommentare