Mit Spendenschiffchen

Seenotretter nehmen  Kurs auf die Zukunft

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Mitarbeiterin Natalja Sauer komplettiert ein Sammelschiffchen für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in der Kunststoff-Firma Tönnjes GmbH in Delmenhorst.

Delmenhorst/Bremen - Von Julia Dutta. Die rot-weißen Sammelschiffchen der DGzRS haben Kultstatus. Eine Firma in Delmenhorst fertigt sie für die Seenotretter seit Jahrzehnten in Kleinstauflage. Mit der Anbindung ans Internet haben einige Schiffchen schon den Kurs in Richtung Zukunft genommen. 

In der Spritzgusshalle der Firma J.H. Tönnjes laufen 20 Maschinen gleichzeitig. Roboterarme bedienen Anlagen, die Fahrzeugteile aus Kunststoff, Schrauben und Autokennzeichenhalter ausspucken. Zu Tausenden gehen moderne Bauteile hier in einem der ältesten Delmenhorster Betriebe in Serie. Ganz am Ende der Halle ist ein kleiner Raum abgeteilt, kaum größer als fünf Quadratmeter. Inmitten der hochmodernen Kunststofffertigung wirkt er wie aus der Zeit gefallen.

„Das ist unsere Schiffchen-Werft“, sagt Geschäftsführer Piet Tönjes stolz. Eine 40 Jahre alte Gravurmaschine gibt dort den fertigen rot-weißen Spendenschiffchen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) eine Seriennummer. Bis auf die Kunststoffteile, die in einer eigenen Maschine gegossen und verschweißt werden, ist hier alles Handarbeit. Zwischen 500 und 1000 Schiffe produziert die Firma pro Jahr für die DGzRS. „Selbst die Aufkleber für die Spendenschiffe stellen wir selbst her“, sagt Tönjes.

Es ist, das sieht man auf den ersten Blick, ein Liebhaberprojekt für die Delmenhorster. Wahrscheinlich geht die Kooperation mit den Seenotrettern auf Piet Tönjes' Großvater Fritz Tönjes zurück. Er sei ein Freund der Seefahrt gewesen, erinnert sich sein Enkel. Das 32 Zentimeter große rot-weiße Spendenschiffchen hat seit Jahrzehnten Kultstatus. In Eckkneipen, Arztpraxen, an Kassen und auf Fährschiffen steht es auf dem Tresen und nimmt Spenden für die Arbeit der Seenotretter auf. Knapp eine Million Euro pro Jahr kommen dabei zusammen. Ehrenamtliche leeren die Schiffchen regelmäßig. „Kein anderes Symbol der Seenotretter hat einen derartigen Bekanntheitsgrad“, erklärt DGzRS-Sprecher Christian Stipeldey.

In diesem Jahr wird Deutschlands wohl bekannteste Spendenbüchse 140 Jahre alt. Derzeit sind bundesweit rund 14 000 Sammelschiffchen im Einsatz. Die Seenotretter gehen bei der Spendenwerbunglängst mit der Zeit, ohne dabei ihr identitätsstiftendes Markenzeichen zu vernachlässigen. „Einige Sammelschiffchen sind inzwischen mit Kommunikationseinrichtungen ausgerüstet. Damit sind Spenden via Handy und Smartphone möglich“, erläutert Stipeldey. Mittels QR-Code nehmen die Schiffchen bargeldlose Zahlungen entgegen, die gebührenfrei über die Handyrechnung abgebucht werden. Ein spezieller Aufkleber enthält die Technik und Symbole, und auch SMS-Spenden haben die Seenotretter möglich gemacht. Damit verliert die Spendenwerbung auch in Zeiten von Internet und Crowdfunding nicht den Anschluss.

Der Bekanntheitsgrad der Spendenschiffchen bringt allerdings auch Probleme mit sich: Als Kultobjekte sind sie heiß begehrt, das Sammeln ist allerdings verboten. Schiffchen, die etwa im Internet zum Kauf angeboten werden, stammen meistens aus Diebstählen. Über die Seriennummer kann ihr ursprünglicher Aufstellort herausgefunden werden. Um die Sammelleidenschaft der DGzRS-Unterstützer zu befriedigen, haben die gemeinnützigen Seenotretter eine Reihe anderer Artikel aufgelegt, die sie über ihre Webseite vertreiben. Darunter soll bald auch das beliebte Boot sein - dann allerdings in Form eines Bluetooth-Radios in Schiffchenform und nicht als Spendendose.
dpa

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