Obduktion schließt Gewalteinwirkung aus

Mann stirbt nach Gewahrsam: Drastische Nazi-Vergleiche gegen Delmenhorster Polizei

Der Eingangsbereich samt Hinterhof der Polizeiinspektion Delmenhorst.
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Ein 19-jähriger Mann wurde in Delmenhorst in Gewahrsam genommen, brach in einer Zelle der Polizeidienststelle zusammen und starb einen Tag später im Krankenhaus.

Ein junger Mann ist in Delmenhorst von der Polizei in Gewahrsam genommen worden und währenddessen in einer Zelle zusammengebrochen. Wenig später ist der Mann gestorben. Nun nimmt der Polizeipräsident Stellung zu dem tragischen Vorfall.

Update vom 9. März: Nach dem Tod des 19-Jährigen muss sich die Polizei in den sozialen Medien mit drastischen Beleidigungen und haltlosen Vorwürfen auseinandersetzen. So kursiert im Netz eine Fotomontage, in der die Polizei mit der Schutzstaffel (SS) der Nationalsozialisten verglichen wird. Zudem wird in mehreren Kommentaren behauptet, dass es im Gewahrsamsbereich der Polizei Delmenhorst regelmäßig zu Gewaltanwendungen von Polizistinnen und Polizisten gegen dort festgenommene Personen kommt. Das teilt die Polizeidirektion Oldenburg am Dienstag mit.

Junger Man stirbt in Polizeizelle in Delmenhorst: Keine Gewalteinwirkung

„Den Angehörigen und Freunden des Verstorbenen gilt mein tiefstes Mitgefühl. Es verursacht Trauer und Schmerz, wenn ein geliebter Mensch so plötzlich aus dem Leben gerissen wird. Dieser tragische Unglücksfall darf jedoch nicht dazu benutzt werden, völlig unberechtigt Hass und Hetze gegen die Polizei zu verbreiten“, äußert sich Johann Kühme, Präsident der Polizeidirektion Oldenburg.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hatte am Montag das vorläufige Ergebnis der rechtsmedizinischen Untersuchung bekanntgegeben, wonach Gewalteinwirkung von außen als Todesursache ausgeschlossen werden kann. Nun sollen weitere Untersuchungen, insbesondere eine toxikologische Begutachtung, die Todesursache des 19-Jährigen abschließend klären.

Vorwürfe gegen Polizei Delmenhorst: „Absurd und infam“

„Es ist ganz klar eine Grenze überschritten und es ist nicht hinnehmbar, wenn die Polizei auf eine Stufe mit den Nazi-Schergen gestellt wird“, so Johann Kühme. Der Polizeipräsident weiter: „Absurd und infam ist auch die Unterstellung, dass bei der Delmenhorster Polizei Zelleninsassen zusammengeschlagen werden. Das ist eine Verunglimpfung der Kolleginnen und Kollegen, die einen Eid abgelegt haben und jederzeit nach den Prinzipien des freiheitlich-demokratischen Rechtstaats handeln. Sie haben mein volles Vertrauen.“

Update vom 7. März, 16 Uhr: Der 19-Jährige, der am Freitag in einer Gewahrsam-Zelle der Polizei Delmenhorst kollabiert war, ist am Samstagabend in einem Oldenburger Krankenhaus verstorben. Das geht aus einer Meldung der Polizei hervor. Die Ermittlungen zur Todesursache werden demnach weiterhin durch Beamte der Oldenburger Polizei geführt.

Weiter Informationen von der Polizei waren am Sonntag nicht verfügbar. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg sagte, eine Obduktion sei auf Antrag der Behörde vom Gericht angeordnet worden, Ergebnisse gebe es noch nicht. Auch der Zeitpunkt der Obduktion sei noch nicht bekannt, sagte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Ursprungsartikel vom 6. März: Delmenhorst/Oldenburg - Ein 19 Jahre alter Mann ist am Freitag im Gewahrsamsbereich der Polizei Delmenhorst kollabiert und musste in ein Oldenburger Krankenhaus eingeliefert werden. Sein Zustand sei kritisch, heißt es in einer Meldung der Polizei vom Samstagmittag. Die Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland hat die Ermittlungen aufgenommen.

In einer Zelle der Polizei Delmenhorst ist am Freitag ein Mann zusammengebrochen und musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Dort starb er wenig später (Symbolbild).

Laut Angaben der Polizei war es gegen 18.30 Uhr zu einem Polizeieinsatz im Delmenhorster Wollepark gekommen. Zwei Beamte wollten dort offenbar zwei Männer kontrollieren, die nach Angaben der Polizei gerade Betäubungsmittel konsumierten. Als die zivilen Beamten sich als Polizeibeamte zu erkennen gaben und auswiesen, ergriff einer der Männer laut der Meldung der Polizei die Flucht, konnte demnach aber nach wenigen Metern eingeholt werden.

19-Jähriger schlägt auf Polizisten ein und wird mit Pfefferspray besprüht

Der 19-Jährige habe daraufhin dem Beamten mit der Faust gegen den Kopf geschlagen, woraufhin der Beamte den Mann mit körperlicher Gewalt sowie dem Einsatz von Pfefferspray zu überwältigen versuchte, heißt es weiter. Dem Heranwachsenden gelang es jedoch, dem Polizisten das Sprühgerät aus der Hand zu reißen und ihm damit abermals gegen den Kopf zu schlagen.

Erst nach dem Eintreffen des zweiten Beamten sei es gelungen, den 19-Jährigen zu überwältigen und zu fixieren. Da es zuvor zum Einsatz von Pfefferspray gekommen war, alarmierten die Beamten nach eigener Aussage routinemäßig einen Rettungswagen. Eine Behandlung durch Rettungskräfte lehnte der 19-Jährige demnach jedoch ab. Er wurde schließlich zur Dienststelle der Polizei Delmenhorst gebracht.

Polizei Oldenburg-Stadt/Ammerland startet Ermittlungen

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Oldenburg ordnete eine Bereitschaftsrichterin die Entnahme einer Blutprobe an. Nachdem die Beamten einen Arzt informiert hatten, der die Blutprobe entnehmen sollte, wurde der 19-Jährige für die Dauer der Wartezeit in einer Gewahrsamszelle untergebracht, heißt es weiter in der Meldung von der Polizei Oldenburg-Stadt/Ammerland, die die Ermittlung aus Gründen der Neutralität aufgenommen hat.

Noch vor Eintreffen des Arztes beobachteten Polizeibeamte laut Mitteilung kurz vor 20 Uhr am Freitag über die Videoüberwachungsanlage der Gewahrsamszelle, wie der Mann in der Zelle plötzlich zusammenbrach. Die Beamten haben daraufhin umgehend Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Zeitgleich wurden laut Angaben der Polizei die Rettungsdienste sowie ein Notarzt alarmiert, die kurz darauf die weitere Versorgung des 19-Jährigen übernommen hätten.

Da es sich um ein laufendes Verfahren handele, stünden Polizei und Staatsanwaltschaft Oldenburg für die Bekanntgabe weitere Einzelheiten nicht bereit, heißt es abschließend in der Meldung von Pressesprecher Stephan Klatte.

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