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Corona-Hammer: Freedom Day in Niedersachsen am 20. März fällt aus

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Von: Johannes Nuß, Yannick Hanke

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Stephan Weil (M, SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, kommt gemeinsam mit Regierungssprecherin Anke Pörksen (r) zur Landespressekonferenz.
Die niedersächsische Regierungssprecherin Anke Pörksen (rechts, hier mit Ministerpräsident Stephan Weil) gab am Dienstag bekannt, dass es keinen Freedom Day am 20. März in Niedersachsen geben wird. (Archivbild) © Moritz Frankenberg/dpa

Eigentlich sollten am 20. März sämtliche Corona-Maßnahmen fallen. Die Covid-19-Infektionen werden aber wieder mehr und so gibt es keinen Freedom Day in Niedersachsen.

Hannover – In Niedersachsen wird es am Sonntag, 20. März 2022, aller Wahrscheinlichkeit nach keinen sogenannten „Freedom Day“ geben, an dem sämtliche Coronamaßnahmen fallen. Das gab die niedersächsische Regierungssprecherin Anke Pörksen am Dienstag während der wöchentlichen Pressekonferenz des Coronakrisenstabs in Hannover bekannt. „Wir sind nach wie vor mitten in der Pandemie“, unterstrich Pörksen die Ambitionen der Landesregierung. Selbst Bundesgesundheitsminister Lauterbach (SPD) sieht inzwischen einen „Freedom Day“ mehr als skeptisch.

Corona-Hammer: Freedom Day in Niedersachsen am 20. März fällt aus

Aktuell befindet sich die neue Coronaverordnung für Niedersachsen, die am Samstag, 19. März 2022, in Kraft treten soll, in den Fachressorts zur Feinabstimmung, weswegen sie eigentlich überhaupt keine Stellungnahme dazu abgeben wolle, sagte Pörksen und bescheinigte sich umgehend selber Inkonsequenz.

Es kann also noch wesentliche Abweichungen geben von den bisherigen Regelungen. Vorgesehen ist allerdings laut der Regierungssprecherin, dass fast alle Coronamaßnahmen wie bisher bestehen bleiben sollen. Dies betrifft auch die Maskenpflicht, die so bis mindestens 2. April 2022 erhalten bleiben wird. Herausfallen sollen die Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte und die Kapazitätsbeschränkungen bei Großveranstaltungen. Auch das Bundesland Bayern stellte am Dienstag klar, dass es in Bayern keinen Freedom Day geben wird.

Corona-Übergangsverordnung für Niedersachsen: Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte sollen wegfallen

Die Corona-Übergangsverordnung für Niedersachsen muss am Donnerstag, 17. März, noch dem Sozialausschuss des Niedersächsischen Landtags vorgelegt werden. Bislang dürfen sich in Niedersachsen Ungeimpfte bei privaten Zusammenkünften nur mit zwei weiteren Menschen aus einem Haushalt treffen. Dies fällt weg, sollten die Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte tatsächlich aufgehoben werden.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hatte bereits Stellung zum Entwurf der Politik in Form der Bundesregierung bezogen, der sich auf die künftigen Corona-Regeln bezog. Hiermit würden die Länder zahlreiche Handlungsmöglichkeiten verlieren. „Wir haben immer noch die Hoffnung, dass es noch Nachbesserungen geben wird in diesem Bundesinfektionsschutzgesetz“, zitiert die dpa eine Regierungssprecherin. Doch gebe es „keinerlei Signale“, was Änderungen betreffe.

Freedom Day fällt ins Wasser: Ärztebund hält Lockerungen für zu früh

Auch die Ärztekammer in Niedersachsen hält die vom Bund geplanten Corona-Lockerungen angesichts der hohen Infektionszahlen für verfrüht. „Ich stehe ausgesprochen ratlos vor den Beschlüssen der Bundesregierung, am 20. März alle effektiven Maßnahmen der Pandemiebekämpfung fallen zu lassen. Davor kann ich nur warnen“, sagte Ärztekammer-Präsidentin Martina Wenker der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ schon am Wochenende. „Wir haben ein Allzeithoch und vor allem täglich weiter steigende Inzidenzen», sagte sie. „Die Öffnungspläne müssen verschoben werden.“

Das Virus sei nicht weg, und es werde sich auch am 20. März nicht in Luft auflösen, nur weil das Bundeskabinett einen „Freedom Day“ beschlossen habe, kritisierte Wenker. „Ganz Deutschland ist doch momentan ein Hotspot.“

Corona in Niedersachsen: Maskenpflicht und die derzeit bestehenden Regelungen sollen weiter gelten

Mindestens die allgemeine Maskenpflicht und die derzeit bestehenden Regelungen müssten weiter gelten, aber auch zusätzliche Verschärfungen dürften nicht ausgeschlossen werden. „Wenn die Zahlen noch weiter steigen, die Kliniken an die Belastungsgrenze gelangen und wir weitere Personalausfälle in der Patientenversorgung zu beklagen haben, dann sehe ich uns wieder in eine prekäre Situation kommen. Und dann müssen wir auch wieder zu schärferen Maßnahmen greifen“, sagte die Ärztekammer-Präsidentin. „Wir können doch nicht eine steigende Krankheitslast und immer mehr Todesfälle in Kauf nehmen, nur weil wir uns ein Datum gesetzt haben.“

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte bereits vor einigen Tagen die Pläne des Bundes kritisiert, die Corona-Beschränkungen vom 20. März an weitgehend aufzuheben. Die Landesregierung will in der kommenden Woche eigene Übergangsregeln bis Anfang April vorlegen.

Der Anstieg bei den Corona-Neuinfektionen in Niedersachsen binnen einer Woche hält unvermindert an. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Dienstag nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts bei 1478,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Am Vortag lag der Wert noch bei 1400,9. Insgesamt wurden landesweit 18 583 Neuinfektionen registriert, 27 weitere Menschen starben. Die Gesamtzahl der Covid-19-Todesfälle stieg damit auf 7715.

Corona in Niedersachsen: Hospitalisierungsinzidenz steigt weiter an

Auch der Hospitalisierungswert stieg abermals – von 13,2 auf 13,8. Dieser Wert gibt an, wie viele Menschen in den vergangenen sieben Tagen je 100.000 Einwohner mit Covid-19 in den Krankenhäusern aufgenommen wurden. Die Auslastung der Intensivbetten mit Covid-Patienten blieb wie am Vortag bei 6,3 Prozent - und damit bei einem Rekordwert. Den bisherigen Höchstwert hatte das Land Anfang Februar mit 6,1 Prozent festgestellt.

Die höchste Inzidenz verzeichnete der Landkreis Grafschaft Bentheim mit 2495,4, gefolgt von der Stadt Emden (2235,6) und dem Landkreis Northeim (2165,1). Die geringste Inzidenz hatte der Landkreis Helmstedt mit einem Wert von 399,9. Im Landkreis Diepholz lagt der Wert am Dienstag bei 1332,1.

In Bremen stieg die Sieben-Tage-Inzidenz am Dienstag laut Robert-Koch-Institut ebenfalls deutlich von 842,9 auf 1001,6. Insgesamt 1627 neue Fälle wurden registriert, weitere Todesfälle gab es nicht. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

* Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde zuletzt am Dienstag, 15. März 2022, um 18:50 Uhr aktualisiert.

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