Trinkwasser ist sicher

Das neue Gold: In Niedersachsen herrscht Wassermangel

Schnee, Dauerregen und Überschwemmungen: Man könnte glauben, dass die Grundwasserspeicher gefüllt seien. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Folgen sind fatal.

Hannover – Trotz eines regenreichen Frühlings sind die Wasservorräte im Boden in vielen Regionen Niedersachsens nach wie vor zu klein. „Die Defizite der letzten Jahre sind noch lange nicht ausgeglichen“, sagte Ekkehard Fricke, Experte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen Hannover. Gerade in den Bereichen, in denen es sehr guten und damit sehr speicherfähigen Böden gebe, habe sich deutlich weniger Grundwasser gebildet.

Okertalsperre2,25 Quadratkilometer Fläche
Granetalsperre2,19 Quadratkilometer Fläche
Innerstetalsperre1,39 Quadratkilometer Fläche
Odertalsperre1,36 Quadratkilometer Fläche

Im Untergrund, in etwa 1,80 Meter Tiefe, sei noch kein Regenwasser angekommen. In den trockenen Jahren 2018, 2019 und 2020 sei das im Boden enthaltene Wasser von den Pflanzen aufgenommen worden. „Langfristig fehlt uns Wasser im Untergrund“, sagte Fricke.

Wassermangel in Niedersachsen: Dank durchschnittlicher Niederschlagsmengen sind Ernteausfälle nicht zu erwarten

Die Niederschlagsmengen im April und Mai seien zwar durchschnittlich gewesen. Durch die niedrigen Temperaturen sei auch viel weniger Wasser verdunstet. In den oberen Schichten bis 100 Zentimeter werden einjährige Kulturen wie Getreide mit Wasser versorgt. Experten vermuten, dass für diese Kulturen es in diesem Jahr keine Probleme geben wird.

Dürre: Die Hitzesommer der vergangenen Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. In tieferen Bodenschichten fehlt nach wie vor das Wasser. Darunter leidet auch der Wald.

Ekkehard Fricke zufolge sind im Frühjahr 2021 wieder mehr Niederschläge gefallen. So habe es im Mai in den meisten Regionen genügend Regen gegeben, um das Wachstum der Pflanzen zu garantieren, sagte Fricke. „Es gab einen Mai ohne Beregnungsbedarf, das ist natürlich super.“ Noch im vergangenen Jahr seien zu dieser Zeit auf manchen Wintergetreideflächen zwei bis drei Regengaben benötigt worden. Auch für die Diskussion um die Landwirtschaft sei es hilfreich, dass die Landwirte nicht schon wieder im Mai nach drei Trockenjahren beregnen mussten.

Das Grundwasser wird in Niedersachsen seit den 1950er-Jahren regelmäßig gemessen. Zuständig ist der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Grundsätzlich unterliegt der Pegel Schwankungen. So fiel Grundwasser in den siebziger Jahren sehr stark, um dann zu Beginn der achtziger Jahre wieder recht schnell anzusteigen. Seit rund 20 Jahren wird die Wassermenge immer weniger.

Wasserknappheit: Zu wenig Regen in Niedersachsen

Niedersachsen hat in den vergangenen drei Jahren unter fehlendem Niederschlag gelitten. Schon im vergangenen Jahr stellte Landesumweltminister Olaf Lies (SPD) fest, dass die Grundwasserreserven immer knapper werden. Die Folgen: Ernteausfälle, vertrocknete Felder, Probleme mit der Wasserversorgung, extrem tiefe Wasserstände bis hin zum Austrocknen und in den Wäldern das Absterben ganzer Baumarten. Der Minister warnte damals vor einem „Verteilungskampf“.

Nach Angaben des Umweltministeriums laufen zurzeit neun Projekte von Wasser- und Bodenverbänden sowie Kommunen zum Erstellen von Klimaanpassungskonzepten. Sie müssen in diesem Jahr beendet werden. Außerdem werde derzeit eine Förderrichtlinie erarbeitet, die diese Finanzhilfe verstetigt. Sie solle zusätzlich die Förderung von Investitionen ermöglichen, um regional oder landesweit die Wasserwirtschaft an den Klimawandel anzupassen. Die Richtlinie soll im nächsten Jahr in Kraft treten. Bis dahin hilft nur den Wasserverbrauch zu senken.

Trinkwasser-Versorgung trotz Wassermangels gesichert

Obwohl die Wassermengen unter der Erde immer weniger werden, sehen Experten keine Gefahr für die Trinkwasser-Versorgung in Niedersachsen. Die Versorgung mit Wasser erfolgt zu 85 Prozent aus den Grundwasserbeständen und zu 15 Prozent aus den Talsperren im Harz. 

In Europa war 2020 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Das gab der europäische Copernicus Klimawandeldienst in London bekannt. 2020 war 0,4 Grad wärmer als der bisherige europaweite Rekord 2019. Es schließt das wärmste Jahrzehnt ab, seit Beginn der Aufzeichnungen. Der europäische Copernicus Klimawandeldienst greift auf Daten von Satelliten, Schiffen, Flugzeugen und Wetterstationen rund um den Globus zurück. (mit Material von dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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