Corona-Maßnahmen

Corona-Verordnung in Niedersachsen: So ist die Covid-19-Lage

In Lüneburg steigt die Inzidenz auf 63. Andere Landkreise kamen ohne Covid-19-Neuinfektionen durch. Die Landesregierung will die Regeln individuell anpassen.

Hannover/Bremen – Corona lässt die Niedersachsen nicht los. Seit Tagen steigen die Zahlen wieder. Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz in Niedersachsen steigt, aber ebenso die Zahl der gegen das Coronavirus Geimpften. In manchen Regionen drohen mit dem Erreichen der Inzidenz-Schwellen 10, 35 oder 50 neue Einschränkungen. Die Landesregierung will ihre Verordnung zeitnah nachjustieren. Was man zur Corona-Lage in Niedersachsen und in Bremen wissen sollte.

Wie ist die Corona-Lage und wo befinden sich die Covid-19-Hotspots?

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lag die Sieben-Tage-Inzidenz in Niedersachsen am Montag bei 15,9 - und damit etwas höher als im Bundesdurchschnitt (14,3). Gleichzeitig wächst der Anteil der gegen das Virus geimpften Bevölkerung: 63,6 Prozent der Menschen in Niedersachsen haben mittlerweile mindestens eine Corona-Impfung erhalten. Knapp die Hälfte (49,5 Prozent) sind vollständig geimpft.

Die mit Abstand höchste Inzidenz im Vergleich der niedersächsischen Landkreise und kreisfreien Städte hatte der Kreis Lüneburg mit 63,0. Dort sorgte eine Abi-Feier für den derzeit zweithöchsten Inzidenzwert in Deutschland. Von Dienstag an sollen hier strengere Regeln gelten - so sind hier etwa bei Zusammenkünften drinnen und draußen nun noch maximal zehn Menschen aus drei Haushalten zulässig, das gilt auch für private Feiern zu Hause.

Auch in der Region Hannover lag der Wert über der 35er-Schwelle – bei 35,4. Die Mehrheit der Landkreise und kreisfreien Städte liegen mittlerweile bei einer Inzidenz von mehr als 10. Für diese Schwellen sieht die Corona-Verordnung neue Einschränkungen vor – eine Übersicht liefert der Stufenplan.

Die Corona-Verordnung wird angepasst - was soll sich ändern?

Die Landesregierung will die Corona-Verordnung in dieser Woche anpassen. Der Änderungsentwurf sieht unter anderem vor, dass die Landkreise und kreisfreien Städte mehr Handlungsspielraum erhalten. Sie sollen per Allgemeinverfügung einzelne Bereiche von Verschärfungen ausnehmen können, wenn diese nachweislich nicht zum Anstieg des Infektionsgeschehens beigetragen haben.

Gleichzeitig will die Landesregierung stärker „die Verursacher von Infektionen“ in den Blick nehmen. In dem Änderungsentwurf heißt es unter anderem, dass die Schließung von Diskotheken, Clubs, Bars und Shisha-Lokalen bei einer Inzidenz von mehr als 10 vorgesehen sei.

Ist der Inzidenzwert überhaupt noch aussagekräftig?

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist bislang ein wesentlicher Maßstab für die Verschärfung oder Lockerung von Corona-Auflagen. In der Landesregierung ist man sich aber einig, dass es einen neuen Maßstab braucht, der auch andere Kriterien wie den Impffortschritt oder die Auslastung in den Krankenhäusern berücksichtigt.

Die Corona-Verordnung in Niedersachsen soll zeitnah nachgebessert werden, um individuell auf die Lage in verschiedenen Landkreisen reagieren zu können.

Niedersachsen will sich schnellstmöglich mit Bund und Ländern über einen solchen neuen Maßstab beraten. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sprach sich für einen bundeseinheitlichen und leicht nachvollziehbaren neuen Wert aus. Die ursprünglich für Ende August geplante Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) will er – genau wie viele seiner Kollegen in anderen Bundesländern – vorziehen. Die geplante Änderung an der niedersächsischen Corona-Verordnung soll als „notwendige Übergangsregelung“ dienen.

Kann es sein, dass auch Geimpfte und Genesene in Corona-Quarantäne müssen?

Eigentlich sind diese beiden Personengruppen nach einer Empfehlung des Robert Koch-Institutes (RKI) von Quarantänemaßnahmen ausgenommen. Aber: Die 44 eigenverantwortlichen Gesundheitsämter in Niedersachsen können mit Begründung davon abweichen, wenn sie vor Ort zu einer anderen Einschätzung der Infektionslage kommen.

In Einzelfällen, bei denen bereits bekannt ist, dass es Kontakt zu einem Infizierten mit den Virusvarianten Beta (B.1.351) oder Gamma (P.1) gab, empfiehlt das RKI sogar immer eine Quarantäne der vollständig geimpften sowie genesenen Kontaktpersonen.

Bleibt die Corona-Impfung gegen Sars-CoV-2 freiwillig?

Die steigenden Corona-Infektionszahlen haben die Debatte um eine Impfpflicht und den Umgang mit Ungeimpften neu aufflammen lassen. Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) sprach sich am Montag auf NDR Info aber erneut für die Freiwilligkeit bei der Corona-Impfung aus und sagte, dass vorerst Getestete die gleichen Rechte haben sollen wie Geimpfte oder Genesene.

Niedersachsen versuche jetzt noch einmal, gezielt die Gruppe der 20- bis 40-Jährigen anzusprechen und diese von einer freiwilligen Impfung zu überzeugen. Corona-Tests seien immer „nur eine Krücke“, eine Momentaufnahme über die aktuelle Viruslast. Im Herbst müsse man deshalb darüber nachdenken, ob die, die sich dann immer noch nicht impfen haben lassen, für ihre Tests bezahlen sollten.

Worauf muss ich achten, wenn ich jetzt in den Urlaub fahre?

Wer aus einem Hochinzidenzgebiet nach Niedersachsen zurückkehrt und nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss für zehn Tage in Quarantäne, kann diese Zeit aber durch einen negativen Test nach fünf Tagen verkürzen.

Generell empfiehlt das niedersächsische Gesundheitsministerium, Vorsicht walten zu lassen: „Wir können nur dazu appellieren, wenn man aus einem Gebiet kommt mit hohen Inzidenzen – ganz unabhängig davon, wie die Einstufung durch das Robert Koch Institut und das Auswärtige Amt ist –, sich gut zu beobachten, sich regelmäßig zu testen und Vorsicht walten zu lassen.“

Welche Regelungen gelten im Bundesland Bremen?

Der Bremer Senat brachte vorige Woche Corona-Lockerungen auf den Weg, die nun am 2. August in Kraft treten können, nachdem der Verfassungs- und Geschäftsordnungsausschuss der Bürgerschaft am Montag keinen Änderungsbedarf angemeldet hatte.

Nach der neuen Verordnung besteht in Bremen kein Abstandsgebot mehr in Kitas, Schulen und Aus-, Fort- und Weiterbildungseinrichtungen, soweit Schüler in bestimmte Gruppen (Kohortenprinzip) eingeteilt sind.

Zudem sind Veranstaltungen mit bis zu 25.000 gleichzeitig anwesenden Personen zulässig, wenn ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird und ein Hygienekonzept vorliegt. Das Bundesland Bremen wies laut RKI am Montag eine Sieben-Tage-Inzidenz von 17,5 aus. (dpa)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg

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