Pandemie in Deutschland

Corona: Steigende Zahlen im Norden – Weil und Bovenschulte gegen Gipfel

Bundesweit steigen die Corona-Fallzahlen deutlich an. Die Regierungsoberhäupter in Niedersachsen und Bremen halten derweil wenig von einem Ministertreffen.

Berlin/Hannover – Auch wenn die Corona-Inzidenz erneut leicht absinkt, bleibt die Lage in Deutschland weiter angespannt. Angesichts der Entwicklungen forderte der scheidende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bereits vor wenigen Tagen ein schnelles Bund-Länder-Treffen, um auf die gegenwärtige Situation zu reagieren – unter anderem sprach er sich für die Wiedereröffnung der Impfzentren aus.

Ministerpräsident von Niedersachsen:Stephan Weil
Geboren: 15. Dezember 1958 (Alter 62 Jahre), Hamburg
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Ehepartnerin: Rosemarie Kerkow-Weil (verh. 1987)

Spahns Vorpreschen sorgte hingegen in den Bundesländern nicht nur für Zustimmung: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) steht einem Treffen zum jetzigen Zeitpunkt skeptisch gegenüber – Kritik kommt auch aus Bremen: Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sieht keine Notwendigkeit für ein Treffen. Währenddessen forderte Noch-Kanzlerin Angela Merkel stärkere Einschränkungen für Ungeimpfte.

Corona in Niedersachsen und Bremen: Steigende Fallzahlen im Norden

„Über das weitere Vorgehen in Sachen Corona haben wir zuletzt vor zehn Tagen gesprochen. Wesentliche neue Erkenntnisse gibt es seitdem nicht und die nächste Gesundheitsministerkonferenz steht unmittelbar bevor“, so der niedersächsische Ministerpräsident, Stephan Weil. Er würde sich aber keinem inhaltlichen Austausch verweigern, um die Thematik Corona in Niedersachsen aufzugreifen. Die nächste Gesundheitsministerkonferenz ist für Ende der Woche geplant. Weiterer Gegenwind kommt auch von anderen Ministerpräsidenten, etwa Bodo Ramelow (Thüringen) oder Daniel Günther (Schleswig-Holstein). Während Experten und einzelne Politiker wegen der Coronazahlen Alarm schlagen, planen die Parteien der möglichen Ampelkoalition das Ende der pandemischen Lage.

Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin hält Coronavirus-Testproben in der Hand.

In Bremen spricht sich Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) ebenfalls gegen ein erneutes Treffen der Ministerpräsidenten aus. Gegenüber buten und binnen verwies er auf die gute Impfquote in der Hansestadt. Dies mache sich ebenfalls bei dem Infektionsgeschehen und der Krankenhausbelegung positiv bemerkbar.

Aus diesem Grund sieht Bremens Bürgermeister auch keinen Anlass für ein neuerliches Treffen. Während Weil und Bovenschulte einem erneuten Treffen der Ministerpräsidenten skeptisch gegenüber stehen, entwickeln sich auch in Niedersachsen die Fallzahlen nach oben. So stieg die Landesinzidenz am Mittwoch von 77,9 auf 80,8 an.

Corona in Niedersachsen: Schwellenwert der Intensivbettenbelegung von 5,0 Prozent überschritten

Die Belegung auf den Intensivbetten liegt nun bei einem Wert von 5,3 Prozent – damit ist der Schwellenwert von 5 Prozent überschritten. Dies allein führt laut Informationen der niedersächsischen Landesregierung noch nicht dazu, dass im Bundesland die Warnstufe 1 ausgelöst wird. Diese sei erst dann erreicht, wenn zusätzlich die Hospitalisierung, also die Aufnahme von Coronafällen in Krankenhäusern, an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen den Schwellenwert von 6 überschreitet. Derzeit liegt der Wert bei 4,0 (Vortag: 3,9).

Corona in Bremen: Inzidenz liegt bei 77,0

In Bremen sind derzeit 807 (+1) Infektionen aktiv und die Inzidenz liegt bei 77. Aufgrund der niedrigen Hospitalisierungsinzidenz von 1,41 in der Hansestadt gilt weiterhin die Warnstufe 0. In Bremerhaven hingegen sind derzeit 368 (+4) Infektionen aktiv und die Inzidenz liegt bei 120,6. Wie die Stadt bekannt gab, gilt derzeit Warnstufe 2.

Karl Lauterbach: SPD-Gesundheitsexperte blickt besorgt auf Weihnachtszeit

Angesichts der angespannten Coronalage in der Bundesrepublik blickt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach besorgt auf die kommenden Monate und insbesondere die Weihnachtsferien – trotzdem sprach er sich zuletzt für das Ende der pandemischen Lage aus.

„Obwohl bereits viele Menschen geimpft sind, kann es immer noch zu einer Überlastung der Krankenhäuser kommen. Erste Intensivstationen sind bereits am Limit“, sagte er der Rheinischen Post am Mittwoch. „Für geselliges Beisammensein in der Vorweihnachtszeit bedeutet das nichts Gutes.“ Das Robert Koch-Institut verzeichnet derzeit neben steigenden Fallzahlen auch eine steigende Positivrate bei Coronatests. Bei einer nur langsam wachsenden Impfquote wächst zudem auch die Fallzahlen auf den Intensivstationen an.

Karl Lauterbach (SPD): Corona-Experte sieht Weihnachtsfeiern nur mit 2G-Regel als „vertretbar“ an

Lauterbach, der eventuell der neue Gesundheitsminister werden könnte, spricht sich aufgrund der gegenwärtigen Entwicklung dafür aus, dass Restaurants, Kinos und andere Einrichtungen jetzt auf strengere 2G-Regeln setzen müssten – außerdem sollten die Bundesländer rasch Boosterimpfungen für Ältere anbieten. Zunächst sollten seiner Ansicht nach Menschen über 70 geimpft werden, ebenso Menschen mit Vorerkrankungen oder Mitarbeiter im Gesundheitswesen. „Nur dann wären Menschenansammlungen bei Weihnachtsfeiern mit vielen Mitarbeitern vertretbar“, so Lauterbach weiter.

Eine neue Studie zeigt aber auch eindeutig, dass Geimpfte häufig viel ansteckender sind, als bisher angenommen.

Marburger Bund: Ärzteverbund drängt auf Impftempo

Auf mehr Tempo bei den Corona-Boosterimpfungen drängt auch der Marburger Bund. Im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte die Vorsitzende Susanne Johna: „Wir müssen bei den Boosterimpfungen mehr aufs Tempo drücken. Die Gesundheitsministerien der Länder sollten jetzt alle Menschen ab 70 per Brief gezielt über die Möglichkeit zur Auffrischungsimpfung informieren.“

Ihrer Meinung nach könnte nicht davon ausgegangen werden, dass schon alle Leute über die Impfmöglichkeiten Bescheid wüssten – Betroffene wüssten häufig gar nicht, dass sie eine Drittimpfung bräuchten, um weiterhin gut vor schweren Krankheitsverläufen geschützt zu sein.

Vorsitzende des Marburger Bunds fordert verstärkt in der Öffentlichkeit auf 2G-Modelle zu setzen

„Nach mehr als einem halben Jahr hat die Schutzwirkung der Impfung besonders bei alten Menschen nachgelassen. Um die Immunität zu erhalten, brauchen wir jetzt rasch Auffrischungsimpfungen für diesen besonders gefährdeten Personenkreis“, so Johna und verweist auf Menschen über 70, jüngere Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen und medizinisches Personal.

Wichtig sei es aber auch, verstärkt in der Öffentlichkeit auf 2G-Modelle zu setzen. Wenn sich in kürzester Zeit die Ungeimpften infizierten und ein kleinerer Teil der Geimpften, kämen je nach regionaler Inzidenz auch Krankenhäuser wieder an Grenzen kommen, warnte die Vorsitzende des Marburger Bundes.

Corona in Deutschland: Inzidenzwert sinkt leicht ab

Die Corona-Inzidenz in Deutschland fällt am Mittwoch nach Informationen der Robert Koch-Instituts auf 146,6. Am Vortag hatte die Inzidenz bei 153,7 gelegen. Während die Regierung noch ihr weiteres Vorgehen im Kampf gegen das Coronavirus plant, beziehungsweise die Sinnhaftigkeit in dem geplanten Vorgehen sucht, wird derweil klar: Auch über eineinhalb Jahre nach Ausbruch der Pandemie und einem Winter voller Lockdowns scheint der Bund noch nicht die Weitsicht erlangt zu haben, um umsichtig durch die kalte Jahreszeit zu kommen.

Auch Virologe Hendrik Streeck kritisierte jüngst das Vorgehen der Regierung. Möglicherweise hält der leichte Abwärtstrend bei den Inzidenzwerten weiter an und verschafft den Entscheidern noch etwas Zeit, um ein sinnvolles Konzept für den Winter vorzulegen. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Peter Steffen/dpa/Symbolbild

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

E-Autos im Test: Bei 130 km/h schafft kein Modell mehr als 440 Kilometer

E-Autos im Test: Bei 130 km/h schafft kein Modell mehr als 440 Kilometer

E-Autos im Test: Bei 130 km/h schafft kein Modell mehr als 440 Kilometer
Weil heterosexuell: Aldi erntet Shitstorm wegen Karottenfamilie

Weil heterosexuell: Aldi erntet Shitstorm wegen Karottenfamilie

Weil heterosexuell: Aldi erntet Shitstorm wegen Karottenfamilie
Corona-Inzidenz in Niedersachsen: Weil will Kontaktbeschränkungen für Geimpfte

Corona-Inzidenz in Niedersachsen: Weil will Kontaktbeschränkungen für Geimpfte

Corona-Inzidenz in Niedersachsen: Weil will Kontaktbeschränkungen für Geimpfte
Glätte-Alarm am Dienstag: In Niedersachsen müssen Autofahrer aufpassen

Glätte-Alarm am Dienstag: In Niedersachsen müssen Autofahrer aufpassen

Glätte-Alarm am Dienstag: In Niedersachsen müssen Autofahrer aufpassen

Kommentare