Labyrinth der Lockerungen

Kommentar zu Corona-Beschlüssen: Wer bin ich? Wo bin ich? Was darf ich?

Musstest ihr damals im Chemie-Unterricht auch alle 118 Elemente des Periodensystems auswendig lernen? Und wart ihr danach froh, dass ihr sowas NIE WIEDER tun müsst? Tja, zu früh gefreut – ihr dürft jetzt nämlich die neuen Corona-Beschlüsse verinnerlichen.

Bund und Länder haben in der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch gemeinsam einen Weg zu Lockerungen in der Corona-Pandemie beschlossen. Naja, was heißt „Weg“. Wenn überhaupt, wurde ein unbefestigter Feldweg mit Tausend Schlaglöchern und versteckten Bärenfallen in Richtung Mordor beschlossen. Oder hat hier irgendjemand auf dem Schirm, was er darf und wo es überhaupt lang geht?

Corona-Beschlüsse: Was wollt ihr eigentlich von mir?

Generell erinnert vieles der Corona-Beschlüsse an die eigene Schulzeit: Irgendeine Autorität erzählt oder erklärt etwas, keiner blickt durch, aber auch keiner traut sich, Fragen zu stellen, um die eigene Unwissenheit nicht auch noch zu entblößen. Dann vergisst man die Hälfte, geht schlafen und hofft, dass man irgendwie den nächsten Tag übersteht, ohne Ärger zu bekommen.

Aber so richtig in Ruhe schlafen konnte man ja auch nie, weil die klassische Lehrer-Androhung „Wenn ich dich nachts wecke, muss das wie aus der Pistole geschossen kommen!“ durch die Gedanken geisterte. Stellt euch vor, Angela Merkel ruft euch nachts an und fragt: „Ab welchem Inzidenzwert darfst du ohne Schnelltest mit einer Person aus einem anderen Haushalt einen Tisch in der Außengastronomie reservieren?“ Öhm. Joa. Keine Ahnung? Drölf?

Corona-Regeln: Willkommen im Labyrinth der Lockerungen

Niemand versteht noch irgendwas. Ein konkretes Ziel verpackt in einem hübschen Hoffnungsschimmer ist im nebligen Corona-Labyrinth nirgendwo zu sehen. Stattdessen werden völlig verwirrende neue Beschlüsse und halbgare Strategien als „Lockerungen“ verkauft. Das muss sich wirklich keiner wundern, dass nun langsam auch bei den vernünftigsten, verständnisvollsten und geduldigsten Menschen langsam die Sicherungen durchbrennen. Und wo sollste so schnell eine neue Sicherung herbekommen, die Baumärkte haben ja dicht!

Es fühlt sich ein wenig an wie Hausarrest auf unbestimmte Zeit. Nur dass man keine Ahnung hat, was man noch tun soll, um endlich wieder das Haus verlassen zu dürfen. Kein Wunder, dass man langsam drüber nachdenkt, nachts heimlich aus dem Fenster zu klettern, um sich mit Freunden zum Wodka trinken zu treffen.

Wer bin ich? Wo bin ich? Und was darf ich?

Ich bin mir sicher, dass die Corona-Pandemie nicht nur in die Geschichte, sondern auch in die Schulbücher eingehen wird. Statt „Wie viel Melonen kann Bernd für 5 Euro kaufen?“ heißt es dann „Kevin aus Niedersachsen möchte in Bremen ins Kino gehen. Wie viele Personen aus fremden Haushalten dürfen ihn ab einem Inzidenzwert von 35 begleiten, wenn die Kontaktverfolgung nicht gegeben ist?“ Um das zu beantworten, braucht man entweder einen großen Spickzettel – oder ganz viel Humor. Aber logisches Denken kann man sich irgendwie schenken.

Rubriklistenbild: © Sascha Steinach via www.imago-images.de

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