Corona-Pandemie

Corona-Regeln: Keine Testpflicht für Geboosterte – Impfstoff fehlt ab Januar

Die Booster-Impfungen gegen Corona sollen ausgeweitet werden. Im Zuge dessen sollen diese Personen von der 2G plus-Regel ausgenommen werden. Das stößt auf Kritik.

Hannover/Berlin – Niedersachsen und einige wenige Länder machen es bereits so, jetzt ziehen auch die restlichen Bundesländer in Deutschland nach: Für Geimpfte mit Boosterimpfung sollen zusätzliche Tests bei der Corona 2G plus-Regel vorerst weitgehend wegfallen. Darauf verständigten sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Dienstag.

Bundesland:Niedersachsen
Fläche:47.709,82 km²
Einwohner:8.003.421 (Stand: 31. Dezember 2020)
Ministerpräsident:Stephan Weil (SPD)

Die Erleichterungen beim Zugang nach dem Modell 2G plus sollen aber spätestens nach zwei Monaten überprüft werden, wie der Vorsitzende der Länderminister, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, sagte. Nach Angaben des neuen Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) fehlt für die weitere Booster-Kampagne Anfang 2022 überraschend genug Impfstoff. Aus diesem Grund erhält Niedersachsen ab Donnerstag 300.000 zusätzliche Biontech-Impfdosen.

Nach Booster-Impfung von Testpflicht 2G-Plus befreit: Impfstoffmangel im ersten Quartal 2022

Wir haben einen Impfstoffmangel für das erste Quartal*,“ sagte der SPD-Politiker den ARD-„Tagesthemen“ am Dienstagabend. Dies habe in einer jetzt vorgenommenen Inventur viele überrascht. „Mich auch.“ Wie der Minister sagte, arbeite er bereits daran, dem Mangel Herr zu werden. Er hoffe, in den kommenden Tagen eine positive Nachricht überbringen zu können. Es liefen jedenfalls Bemühungen über alle Kanäle. So stehe er auch mit den Unternehmen direkt in Kontakt. In Niedersachsen und Bremen sorgte der Impfstoffmangel bereits vor rund 14 Tagen für heftige Diskussionen.

Gleichzeitig betonte der Bundesgesundheitsminister, dass alles EU-konform ablaufen müsse: „Wir müssen hier Geschwindigkeit gewinnen.“ Holetschek sagte, die Länder hätten den Bund bestärkt, alle Hebel in Bewegung zu setzen. Zur Sicherheit hat Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in Hannover für das Bundesland Niedersachsen über die Weihnachtsfeiertage die Warnstufe 3 verhängt, allerdings die 2G plus-Regel in der Zeit aufgeweicht.

Für Personen, die bereits eine Drittimpfung erhalten haben, gilt die Testpflicht bei der 2G plus-Regel nicht. (Symbolbild)

Lauterbach rechtfertigte den Wegfall von Extra-Tests nach einer Drittimpfung. „Der Verzicht auf die Testung von Geboosterten macht epidemiologisch Sinn“, sagte er noch vor der Bund-Länder-Runde in Berlin. Mit einer Auffrischimpfung habe man nur noch ein geringes Risiko, sich zu infizieren – und ein noch geringeres, dass man für andere ansteckend sei. Ersten Erkenntnissen nach gilt diese Einschätzung nach einer Booster-Impfung wohl auch für die Variante Omikron des Coronavirus.

Corona-Regeln nach dem Modell 2G plus: Testpflicht in medizinischen und Pflegeeinrichtungen bleibt

Konkret geht es um Corona-Regeln nach dem Modell 2G plus – also, wenn bei Zugang nur für Geimpfte und Genesene (2G) zusätzlich ein Test verlangt wird. 2G gilt nach den jüngsten Bund-Länder-Beschlüssen etwa für Gaststätten, Freizeit- und Kultureinrichtungen – ergänzend können auch noch 2G-plus-Vorgaben dazu kommen. Holetschek erläuterte, dass eine Befreiung 15 Tage nach der Booster-Impfung greifen könne. Die 2G-Regel beim Frisör in Niedersachsen hingegen kippte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg in der vergangenen Woche.

Allerdings soll bei medizinischen und Pflege-Einrichtungen zum Schutz der dort besonders verwundbaren Menschen weiter auch von Geboosterten zusätzlich ein Test verlangt werden, wie es im Beschluss heißt.

Kritik am Aussetzen der Testpflicht für Booster-Geimpfte: „Omikron gerade geboosterte Personen infiziert“

An den Test-Erleichterungen wurde Kritik laut. „Eine solche Maßnahme würde dazu beitragen, dass die Omikron-Welle sogar früher kommt“, sagte der Generalsekretär der Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, der dpa, vor den Beschlüssen. „Wenn wir die Testpflicht jetzt lockern, sehe ich die Gefahr, dass Omikron gerade geboosterte Personen infiziert, die sich aber nie testen lassen müssen, und die dann das Virus munter verbreiten.“

Lauterbach sagte in der ARD, wenn Omikron in Deutschland Fuß fassen würde, müsse man an den Beschluss erneut heran. Daher sei er auf zwei Monate begrenzt. Für die jetzige Delta-Welle gebe es nun aber mehr Anreize für Auffrischungsimpfungen – und die seien, das wichtigste Instrument, eine Omikron-Welle zu bekämpfen. Die verstärkende dritte Spritze soll in der Regel fünf bis sechs Monate nach einer vollständigen Grundimmunisierung gegeben werden. Ein Vorstoß aus NRW, bereits nach vier Wochen zu boostern, ist inzwischen wieder vom Tisch.

Omikron in Deutschland: Lauterbach will Ausnahme-Regel für Geboosterte nach 2 Monaten überprüfen

Lauterbach sagte mit Blick auf eine Einschleppung der Omikron-Variante durch Reisende aus Virusvariantengebieten, er könnte einer Regelung nähertreten, „die eine PCR-Testung nach Einreise obligatorisch vorsieht“. Es könne sein, dass der eine oder andere PCR-Test von vor der Abreise seine Gültigkeit verloren habe.

Unterdessen ist die niedersächsische Sieben-Tage-Inzidenz auf 178,6 gemeldete Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen gesunken (Deutschland: 353). Es gab 2684 registrierte neue Fälle (Deutschland: 51.301) sowie 22 Todesfälle binnen 24 Stunden (Deutschland: 453). Knapp 700.00 Menschen wurden am Montag gegen das Coronavirus geimpft – ganz überwiegend waren das Auffrischimpfungen.

Den vollständigen Impfschutz mit der meist nötigen zweiten Spritze haben laut Robert Koch-Institut (RKI) nun 71,3 Prozent der Niedersachsen (Deutschland: 69,7 Prozent). 25,2 Prozent der niedersächsischen Bevölkerung (Deutschland: 24,7) haben den Angaben zufolge schon eine Auffrischungsimfpung erhalten. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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