„Lockdown durch die Hintertür“

Corona: Widerstand gegen 2G-Plus wächst

Coronavirus - 2G-plus-Regel in Niedersachsen
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Ein Schild mit der Aufschrift "Ab 24.11.2021 2G, geimpft, genesen" hängt an der Tür eines Cafés.

Immer mehr Politiker in Niedersachsen sprechen sich gegen die neue 2G-Plus-Regel aus. Wie lange kann die Corona-Maßnahme noch Bestand haben?

Hannover – „Lockdown durch die Hintertür“. Teilnehmer der niedersächsischen Oberbürgermeisterkonferenz fanden am Freitag, 3. Dezember 2021, deutliche Worte, als es um die seit Mittwoch geltende 2G-Plus-Regel in Niedersachsen ging. 2G-Plus, das meint: Auch Geimpfte und Genesene müssen einen negativen Corona-Schnelltest vorlegen, wenn sie Zugang, beispielsweise in ein Restaurant haben wollen.

Bundesland:Niedersachsen
Fläche:47.614 km²
Bevölkerung:7,982 Millionen (2019)
Hauptstadt:Hannover

Das sei der falsche Weg, hieß es auf der Oberbürgermeisterkonferenz, eine flächendeckende 2G-plus-Regel sei ein „Lockdown durch die Hintertür“. Zudem würde die strikte Anwendung zu einem massiven Vertrauensverlust bei den Geimpften führen, sagte der Vorsitzende Frank Klingebiel, der Oberbürgermeister von Salzgitter ist. Derzeit gebe es zu wenig Testmöglichkeiten, zudem könne das Corona-Virus bei geimpften Personen über einen Schnelltest nicht in jedem Fall sicher nachgewiesen werden.

Widerstand gegen 2G-Plus in Niedersachsen wächst: „2G muss wieder zum Maß der Dinge werden“

Es sei gut, dass sich die Landesregierung aktuell Gedanken mache, ob sie mit der flächendeckenden Maßnahme auf dem richtigen Weg sei, teilte das Gremium des niedersächsischen Städtetages mit. Niedersachsen hat die 2G-plus-Regelung am Freitag für Booster-Geimpfte gelockert.

Dass Menschen mit einer Corona-Auffrischungsimpfung von der Testpflicht befreit werden sollen, sei gut, löse aber das Problem nicht, so Klingebiel. „Im Gegenteil: Dadurch wird ein noch größerer Run auf die Booster-Impfungen ausgelöst, der ebenfalls nicht befriedigt werden kann“, so Klingebiel. Es fehle an Impfstoff, und Hausarztpraxen sowie mobile Impfteams seien ausgelastet. „2G muss flächendeckend wieder zum Maß der Dinge werden“, forderte Klingebiel.

Dem schloss sich auch sein Amtskollege aus Braunschweig an. Oberbürgermeister Thorsten Kornblum (SPD) forderte ebenfalls, dass die Landesregierung in Niedersachsen 2G-Plus überprüfen solle.

2G-Plus in Niedersachsen: „Aktuelle Testangebote reichen bei Weitem nicht aus“

Gegenüber dem NDR sagte Hubert Meyer, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistags, er fürchte um das Verständnis jener Menschen, die bereits doppelt geimpft seien. Deren Impfschutz sei ebenso gut. Diese anders zu behandeln, das halte er für nicht gerechtfertigt.

Lesen Sie auch: Diese Strafen drohen bei Corona-Verstößen in Niedersachsen

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Oliver Kamlage, Geschäftsführer des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, klagt: „Die aktuellen Testangebote reichen bei Weitem nicht aus.“ In allen Landesteilen herrschten an den Teststellen „unhaltbare, teils chaotische Zustände“. In größeren Städten bildeten sich lange Schlangen, auf dem Land müssten Menschen oft viele Kilometer fahren, um zum Testcenter zu kommen.

Widerstand gegen 2G-Plus in Niedersachsen: „Kunden dann einfach gar nicht kommen“

„Ein flächendeckendes Restaurantsterben“ befürchtet FDP-Fraktionschef Stefan Birkner. Gastronomen und Veranstalter bräuchten sofort eine Perspektive. Birkner forderte die rot-schwarze Koalition auf, sofort einen Gastro-Gipfel einzuberufen. Es gelte, gemeinsame Lösungen zu entwickeln. Sonst würden Gäste ausbleiben, das Geschäft zum Erliegen kommen.

Lesen Sie auch: Corona-Regeln in Geschäften: Was 2G für den Einzelhandel bedeutet

Ins gleiche Horn bläst auch Manuela Härtelt-Dören, Landesinnungsmeisterin des niedersächsischen Friseurhandwerks. Gastronomiebetriebe und Friseursalons dürfen Schnelltests beaufsichtigen, ein negatives Testzertifikat ausstellen, doch, so Härtelt-Dören:  „Das Problem ist, dass es vielerorts gar keine Schnelltests mehr gibt und die Kunden dann einfach gar nicht kommen können. Ohne Test können wir niemanden hereinlassen.“

In Göttingen, dort, wo sie herkomme, gebe es für Schnelltests in Apotheken erst ab Mitte Dezember wieder Termine. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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