Hoffnung für Gastronomie

Modellversuche im Lockdown: Wann öffnen Restaurants und Bars wieder?

Die neue Corona-Verordnung sieht Modellversuche zur Öffnung der Außengastronomie in Niedersachsen vor - mit Schnelltests und digitaler Kontakt-Nachverfolgung.

Update vom 29. März: Die neue Corona-Verordnung in Niedersachsen steckt den Rahmen für Modellversuche zu Öffnungen in Handel, Gastronomie und Kultur ab - wenn diese an Schnelltests und digitale Nachverfolgung von Kontakten gekoppelt sind.

Geplant ist, in 25 großen, mittleren und kleinen Kommunen in allen niedersächsischen Regionen mit einer niedrigen, aber auch mit einer hohen Infektionsbelastung Erfahrungen zu sammeln, ob gekoppelt an Schnelltests mehr Öffnungen möglich sind. Dabei geht es auch um die Außengastronomie.

Wann öffnen Restaurants? Modellversuche frühestens ab 6. April

Die Modellversuche sollen frühestens ab dem 6. April für zunächst drei Wochen starten und dann ausgewertet werden. In festgelegten Bereichen einer Kommune soll der Zugang zu den genannten Bereichen nach negativem Schnelltest möglich sein. In der Kontaktnachverfolgung soll etwa die Luca-App zum Einsatz kommen. Voraussetzung ist, dass die Inzidenz nicht über 200 liegt.

In Niedersachsen soll es bald Modellversuche zu Öffnungen geben - auch für die Außengastronomie.

Update vom 23. März: Wegen steigender Infektionszahlen wird der Lockdown in Deutschland bis zum 18. April verlängert, Restaurants und Cafés bleiben weiterhin geschlossen. Das haben Bund und Ländern in der Konferenz am Montag beschlossen. In wenigen ausgewählten Regionen mit niedriger Inzidenz dürfen im Rahmen von zeitlich befristeten Modellprojekten mit strengen Schutzmaßnahmen und einem Testkonzept einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens geöffnet werden, um die Umsetzbarkeit von Öffnungsschritten zu testen. Die Auflagen für die sogenannte Außengastronomie sind streng.

Niedersachsen möchte in der Woche nach Ostern mit Modellprojekten beginnen, bei denen Menschen mit einem negativen Corona-Schnelltest das Einkaufen oder der Besuch von Kulturveranstaltungen ermöglicht wird. In ausgewählten Kommunen solle erprobt werden, ob es gelingt, mit mehr Tests eine Öffnung des Handels, den Besuch der Außengastronomie oder von Kulturveranstaltungen zu ermöglichen, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Dienstag in Hannover. Niedersachsen hatte sich mit der Forderung nach solchen Modellversuchen bei den Bund-Länder-Beratungen zum Corona-Kurs in der Nacht zum Dienstag durchgesetzt.

Wenn das ständig so weiter geht, geht es für die Betriebe nicht mehr nur um eine existenzielle Gefährdung, sondern auch um persönliche Gefährdung.

Rainer Balke, Hauptgeschäftsführer Gaststättenverband Dehoga in Niedersachsen

Der Gaststättenverband Dehoga in Niedersachsen hält den verlängerten Corona-Lockdown für verfehlt und sorgt sich um die Gesundheit von Gastronomen und Hoteliers. „Mittlerweile herrscht überall tiefste Frustration und Depression“, sagte Hauptgeschäftsführer, Rainer Balke, am Dienstag. „Wenn das ständig so weiter geht, geht es für die Betriebe nicht mehr nur um eine existenzielle Gefährdung, sondern auch um persönliche Gefährdung.“

Eigentlich hätten viele Restaurantbesitzer, Gastwirte, Hoteliers und deren Mitarbeitende zu Ostern eine Öffnung erwartet - und damit eine Perspektive, wie es danach weitergehe.

Das niedersächsische Oberverwaltungsgericht hat in Eilbeschlüssen Anträge auf Öffnungen Möbelhäusern und Solarien abgelehnt. Ein Antrag zum Beherbergungsverbot zu touristischen Zwecken und zwei zur Schließung von Restaurants sind noch anhängig und sollen noch vor Ostern entschieden werden, sagte die Sprecherin. Der Senat sei sehr belastet mit den Corona-Verfahren. „Natürlich können jederzeit weitere Anträge gestellt werden, aber in Bezug auf das touristische Beherbergungsverbot sind keine Änderungen für die neue Verordnung angekündigt“, erklärte sie.

Update vom 22. März: Trotz stark steigender Corona-Infektionszahlen wünscht sich eine Mehrheit der Deutschen eine Öffnung der Hotels und Restaurants zu Beginn der Osterferien. Dies ergab eine YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. Die Küstenländer Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen machten am Sonntag den konkreten Vorschlag, auch hierzulande Urlaub über Ostern zu ermöglichen. Erlaubt sein soll dies aber nur im eigenen Bundesland und nur für Selbstversorger mit eigenen sanitären Anlagen - etwa in Ferienwohnungen, Ferienhäusern oder Wohnmobilen.

Kurzurlaub in Deutschland ist nach den geltenden Corona-Regelungen nicht möglich. Für Kopfschütteln hatte daher die Entscheidung der Bundesregierung gesorgt, Mallorca von der Liste der Corona-Risikogebiete zu streichen und damit auch die Reisewarnung des Auswärtigen Amts aufzuheben.

Trotz steigender Zahlen: Mehrheit der Deutschen für Öffnung an Ostern

Bei Restaurants, Biergärten, Kneipen und Cafés sind rund drei Viertel der Befragten für eine Öffnung. 32 Prozent sagen, nur im Außenbereich sollten unter bestimmten Auflagen zu Ostern wieder Gäste bewirtet werden können. Weitere 34 Prozent sind dafür, auch den Innenbereich mit Auflagen zu öffnen. 11 Prozent wollen den Gastwirten die Öffnung ohne Auflagen erlauben. Nur 16 Prozent sagen, Restaurants und Kneipen sollten geschlossen bleiben.

In einer Woche beginnen in den meisten Bundesländern die Osterferien. Von der Anfang März von Bund und Ländern beschlossenen Öffnungsstrategie blieb das Gastgewerbe weitgehend ausgenommen. Die angeschlagene Branche fühlt sich im Stich gelassen und dringt seit Wochen auf eine Perspektive.

Update vom 16. März: Nach der Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca und andere Urlaubsgebiete im Ausland fordern Touristiker und Gaststättenbetreiber auch in Niedersachsen eine Öffnungsperspektive. „Für uns Gastronomen war es ein Schlag in die Magengrube, als diese Nachricht mit Mallorca kam“, sagte der Vorsitzende des Dehoga-Verbandes Wilhelmshaven, Olaf Stamsen, der Deutschen Presse-Agentur. „Wir haben uns da verraten gefühlt von der bundesdeutschen Politik, diese Gebiete freizugeben.“

Seit Sonntag ist Urlaub auf Mallorca und in anderen Regionen Spaniens, Portugals und Dänemarks wieder ohne Quarantäne und Testpflicht nach der Rückkehr möglich - rund zwei Wochen vor Beginn der Osterferien in Niedersachsen. Die Hotels hierzulande sind dagegen mindestens noch bis zum 28. März geschlossen. Wie es weitergeht, soll erst am 22. März von Bund und Ländern entschieden werden.

Momentan nur „to go“ möglich: Restaurants dürfen nach wie vor nicht öffnen.

Auch in Deutschland gebe es Regionen mit niedrigen Inzidenzen, wie etwa die Ostfriesischen Inseln. „Wo ist der Unterschied zwischen Spiekeroog, Wangerooge und den Balearen“, fragte Stamsen. In Hotels und Gaststätten seien umfassende Hygienestrategien erarbeitet worden. Ein großer Teil der Überbrückungshilfen sei investiert worden, um coronakonformen Urlaub zu ermöglichen. Es brauche daher zügig auch eine verlässliche Öffnungs-Perspektive für den Inlandstourismus.

„Wir können jetzt im Flieger im Sommer nach Mallorca. Aber so wie der Plan jetzt aussieht, sollen wir für zwei Cappuccino auf der Außenterrasse eine Reservierung vornehmen“, sagte der Wilhelmshavener Gastronom. „Das ist überhaupt nicht vermittelbar und sorgt im Kollegenkreis für einen großen Vertrauensverlust in die Regierung.“ Für eine bessere Nachverfolgung warb Stamsen zudem dafür, mehr auch auf technische Lösungen wie die App „Luca“ zu setzen. Diese arbeitet auch ohne Handy über einen Schlüsselanhänger mit QR-Code.Das Gastgewerbe in Niedersachsen hat den „Endlos-Lockdown“ scharf kritisiert. In einer Umfrage des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Niedersachsen bezeichneten 64,5 Prozent der Betriebe die Entscheidungen der letzten Bund-Länder-Konferenz als „katastrophal“, weitere 25,5 Prozent als „schlecht“.

Bei den Unternehmern und Mitarbeitern in der Branche machen sich zunehmend Verzweiflung, Perspektivlosigkeit und Zukunftsängste breit.

Detlef Schröder, Dehoga-Präsident 

„Bei den Unternehmern und Mitarbeitern in der Branche machen sich zunehmend Verzweiflung, Perspektivlosigkeit und Zukunftsängste breit“, sagte Dehoga-Präsident Detlef Schröder in einer Mitteilung am Mittwoch. Seit Ende März befinden sich die Betriebe seit Beginn der Pandemie sieben Monate im Lockdown.

Die in Aussicht gestellte Öffnung der Außengastronomie sei keine echte Perspektive. 85 Prozent der befragten Betriebe verwiesen darauf, dass die Wirtschaftlichkeit bei einer alleinigen Öffnung der Außengastronomie nicht gegeben sei. Hinzu komme, dass viele keinen Außenbereich haben.

Die Lage sei dramatisch. Die Teilnehmer der Umfrage meldeten für den Februar Umsatzeinbußen in Höhe von 79 Prozent. Seit 1. März 2020 brach der Umsatz bis jetzt um insgesamt 63 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein.

71 Prozent der Gaststätten-Betreiber bangen um Existenz

Infolge der massiven Verluste, der fehlenden Perspektiven und der nicht ausreichenden staatlichen Hilfen bangten 71 Prozent um ihre Existenz. Jedes fünfte Unternehmen (20,5 Prozent) zieht konkret eine Betriebsaufgabe in Erwägung.

„Die zugesagten Hilfen fließen nach wie vor viel zu langsam und sind nicht ausreichend, um einen monatelangen Lockdown zu überstehen“, betonte Schröder. Zwar seien die Novemberhilfen bei 78,4 Prozent der Betriebe eingegangen. Bei den Dezemberhilfen hätten aber erst 71,6 der Befragten die Zahlungen vollständig erhalten.

„Angesichts der sieben Monate andauernden Schließung unserer Branche ist es Aufgabe der Politik, alles dafür zu tun, dass die unverschuldet in Not geratenen Betriebe eine Chance zum Überleben haben und keinen Tag länger als gesundheitspolitisch geboten geschlossen bleiben“, forderte Schröder.

Wann öffnen Restaurants wieder?

Kneipen und Restaurants sind seit Wochen geschlossen. Restaurants dürfen Essen nur nach Bestellung an der Tür verkaufen oder nach Hause liefern. Eine schnelle Besserung der Lage ist für die Wirte in der Corona-Pandemie nicht in Sicht. Schon zum Jahresstart prognostizierte der Hotel- und Gastronomieverband Dehoga Umsatzverluste und wachsende Existenzsorgen. 

Das Gastgewerbe in Niedersachsen reagierte sehr enttäuscht auf die Corona-Beschlüsse. „Das ist nichts, gemessen an dem, was an Erwartungen existierte und daran, dass alle am Ende sind“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Niedersachsen, Rainer Balke. „Das ist nichts, was das Gastgewerbe betriebswirtschaftlich stabilisieren könnte.“ Das wetterabhängige Außengeschäft, für das nun vorsichtige Lockerungen frühestens ab dem 22. März vorgesehen sind, sei kein Stützpfeiler der Gastronomie, sondern das Sahnehäubchen des Geschäfts.

Man muss fast sagen, dass das Ostergeschäft, auf das wir gesetzt hatten, verflogen ist.

Rainer Balke, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Niedersachsen

„Das sorgt vielleicht für eine Stimmungsaufhellung“, sagte Rainer Balke. Viele Gastronomen würden die Öffnungsmöglichkeit aus wirtschaftlichen Gründen aber wohl nicht nutzen können. Als einen positiven Wendepunkt bezeichnete es der Dehoga-Chef, dass nun von einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35 als Bedingungen für Lockerungen abgerückt werde und diese nun abgestuft bereits ab einer Inzidenz von weniger als 100 oder 50 möglich würden.

„Man muss fast sagen, dass das Ostergeschäft, auf das wir gesetzt hatten, verflogen ist“, sagte Rainer Balke allerdings mit Blick auf die aufgeschobene Entscheidung. Ein Abweichen beim Punkt Tourismus und Gastronomie sehen die Beschlüsse vom Vorabend nicht vor. Auch in Hamburg hängt die Öffnung der Restaurants* von der Inzidenz ab.

Auch Barkeeper Sven Birger Niehaus wartet darauf, dass er seine Kneipe Lindwurm in Hannover wieder öffnen darf.

Anfang März erhöhte Niedersachsen die Investitionshilfe für die Gastronomie in der Corona-Krise um weitere 19 Millionen auf insgesamt 75 Millionen Euro. Grund sei das anhaltend hohe Interesse an den Zuschüssen, teilte das Wirtschaftsministerium in Hannover am Mittwoch mit. „Die Gaststättenbranche leidet nach wie vor schwer unter den Folgen der Corona-Pandemie“, sagte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). „Wir bieten den Betrieben zeitnahe Hilfe, damit Niedersachsen mit seinem attraktiven Tourismusangebot gut aus der Krise hervorgeht.“

Das Förderprogramm ermöglicht Investitionen in Umbauten, Erweiterungen oder sonstige Modernisierungen erfolgen, die einen Bezug zur Corona-Epidemie haben. Dazu zählen beispielsweise neue Lüftungs-, Hygiene- oder Spültechnik, Heizkonzepte für den Außenbereich oder Trennwände. Die Zuschüsse betragen bis zu 80 Prozent der Ausgaben, maximal jedoch 100.000 Euro. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Tom Weller/ dpa

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