Modellversuche in Niedersachsen

Film ab: Wann dürfen Kinos öffnen?

Bald könnten sich die Vorhänge endlich wieder öffnen, zumindest in einigen Regionen. Niedersachsen will mit einem Modellprojekt Öffnungsschritte erproben.

  • Modellprojekte in Niedersachsen: Mit Hygienekonzepten und Corona-Schnelltests könnten Öffnungen umsetzbar sein.
  • Der aktuelle Plan: In der Woche nach Ostern sollen die Menschen in den Projektkommunen unter Auflagen auch Kinos besuchen können.
  • Filmschaffende und Kinobetreiber in Deutschland hoffen auf eine klare Ansage der Politik.

Update vom 29. März: In Niedersachsen hat das Bewerbungsverfahren für Kommunen begonnen, die am Modellprojekt zur Öffnung von Geschäften, Kulturstätten und Straßencafés gekoppelt an Corona-Schnelltests teilnehmen wollen. Bis zum Osterwochenende sollen rund 25 große und kleinere Städte quer durchs Land für das Projekt ausgewählt werden, teilte das Sozialministerium in Hannover am Montag mit.

Anders als zunächst ins Auge gefasst, soll der Inzidenzwert in den Modellkommunen möglichst niedrig sein. „Die Inzidenz ist ganz ausschlaggebend“, sagte eine Ministeriumssprecherin. Rund 60 Kommunen hatten bereits Interesse bekundet, sie können sich nun bewerben.

Geplant ist, dass in der Woche nach Ostern die Menschen in den Projektkommunen unter Auflagen Läden, Theater und Kinos, Galerien, Fitnessstudios oder die Außenbereiche von Restaurants besuchen können. Voraussetzung ist ein aktueller negativer Corona-Test.

Digitale Kontaktnachverfolgung und Corona-Tests

Strenge Schutzmaßnahmen und Testkonzepte in den Projektgebieten sind ebenso Bedingung wie die Nutzung einer digitalen Kontaktnachverfolgung und das Einbinden der Gesundheitsämter. „Wir glauben nicht, dass das am Dienstag überall losgehen wird“, sagte die Sprecherin mit Blick auf organisatorische Vorbereitungen vor Ort.

Niedersachsen hat inzwischen einen Vertrag zur Nutzung der Luca-App abgeschlossen und bietet sämtlichen 43 Gesundheitsämtern an, sich an das Luca-System anzuschließen. So kann bei späterem Auftreten einer Corona-Infektion durch Freigabe der persönlichen Daten nachvollzogen werden, wann und wo die betreffende Person zuvor Kontakte mit anderen hatte.

Das Astor Grand Cinema in Hannover hatte schon im vergangenen Jahr ein klares Konzept, um Besucher zu schützen: Die Kinosessel waren mit Zetteln mit mit Virus-Symbolen abgesperrt, um den Abstand von 1,5 Metern zu gewährleisten.

Update vom 9. März: Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, geht nicht davon aus, dass es gleich zu Beginn einen großen Ansturm auf die kostenlosen Schnelltests geben wird. Der Run werde erst größer sein, wenn daran ein konkreter Vorteil geknüpft sei, sagte Landsberg am Montag im ZDF-Morgenmagazin.

„In dem Moment, wo Sie einen solchen Test brauchen, um ins Kino, ins Theater oder sonst wohin zu gehen, dann ist einmal die Woche einfach zu wenig“, sagte Landsberg. Darauf müsse man sich vorbereiten. Laut Herstellerangaben lagen Anfang März etwa 150 Millionen Schnelltests auf Halde, die an Länder und Kommunen geliefert werden könnten.

„In dem Moment, wo Sie einen solchen Test brauchen, um ins Kino, ins Theater oder sonst wohin zu gehen, dann ist einmal die Woche einfach zu wenig.“

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes

Update vom 7. März: Kinos bleiben in Niedersachsen mindestens bis zum 22. März geschlossen. Sie könnten anschließend nur dann öffnen, wenn die Inzidenz nicht auf mehr als 100 klettert. Das geht aus den neuen Corona-Bestimmungen des Landes hervor und gilt auch für Theater, Opernhäuser, Konzerthäuser, Kulturzentren und ähnliche Einrichtungen. Die neue Corona-Verordnung Niedersachsens tritt am Montag, 8. März, in Kraft und endet laut aktuellem Plan mit Ablauf des Sonntags, 28. März.

Grundsätzlich können Kino-Öffnungen landesweit oder regional genehmigt werden, wenn die Inzidenz 14 Tage lang nach dem Inkrafttreten des dritten Öffnungsschritts (8. März) landesweit oder regional stabil bei unter 35 Neuinfektionen bleibt. Dieses Datum wäre frühestens am 22. März erreicht.

Besteht im selben Zeitraum wenigstens eine stabile Inzidenz von weniger als 100 könnte eine landesweite oder regionale Öffnung von Kinos, Theatern, Konzert- und Opernhäusern immerhin für alle Besucher erfolgen, die einen negativen tagesaktuellen Covid-19-Schnell- oder Selbsttest vorweisen können.

Update vom 4. März: Bund und Länder haben in der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch einen Weg zu Lockerungen in der Corona-Pandemie beschlossen. Die Kino-Vorhänge könnten sich ab dem 22. März endlich wieder öffnen, denn in einem vierten Öffnungsschritt stellt die Politik in Aussicht, die Außengastronomie, Kinos, Theater sowie Konzert- und Opernhäuser zu öffnen.

Dafür muss die Sieben-Tage-Inzidenz 14 Tage nach dem Inkrafttreten des dritten Öffnungsschritts stabil bei weniger als 50 Neuinfektionen liegen.

Update vom 25. Februar: Unter dem Titel „Kino leuchtet. Für dich“ werden am Sonntag, 28. Februar, um 19 Uhr mehr als 300 Kinos in ganz Deutschland erleuchten, darunter das Cine k in Oldenburg. Auch die Gondel, die Schauburg und das Cinema Ostertor in Bremen beteiligen sich an der Aktion.

Am Vorabend der für die Fachwelt virtuell stattfindenden Berlinale lenken die Kinos damit den Blick auf die immer noch geschlossenen Kulturorte und appellieren an die Politik nach vier Monaten eine transparente, evidenzbasierte und verlässliche Wiedereröffnungsperspektive zu erhalten. Bei der nächsten Bund-Länder-Konferenz am kommenden Mittwoch muss es darum gehen, dass Kinos als Kultureinrichtungen einen vernünftigen Platz in einem Stufenplan bekommen. Aktuelle Studien wie der TU-Berlin zeigen, dass Kinos mit erprobten Hygienekonzepten sehr sichere Orte sind. 

„Wir sind der Corona-Pandemie bisher sehr kreativ begegnet und haben versucht, diesen Kinoraum auch so gut wie möglich unter schwierigen Bedingungen umzusetzen.“

Wolfgang Bruch, Leiter des Cine k in Oldenburg

„Wir sind der Corona-Pandemie bisher sehr kreativ begegnet und haben versucht, diesen Kinoraum auch so gut wie möglich unter schwierigen Bedingungen umzusetzen“, erklärt Wolfgang Bruch, Leiter des Cine k. „So haben wir ein Autokino-Festival, im Sommer ein mehrmonatiges Draußen-Kino und jetzt unseren digitalen Kinosaal und Streamingplattform Cine 3 eröffnet“. Das Cine k Kino wünscht sich nun eine Perspektive für die kommenden Monate.

Update vom 24. Februar: Während Deutschland ein Ende des allgemeinen Corona-Lockdowns herbeisehnt, haben Forscher der Technischen Universität Berlin Berechnungen zum Ansteckungsrisiko für verschiedene Innenraum-Szenarien veröffentlicht: vom Friseur über den Supermarkt bis hin zu Kino und Fitnessstudio. „Es geht darum, dass wir jetzt in die Lockerungsphasen kommen“, sagt Studienleiter Martin Kriegel.

In den Kalkulationen, die nicht von unabhängigen Experten begutachtet wurden und nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlicht sind, fokussieren sich Kriegel und seine TU-Kollegin Anne Hartmann auf gängige Orte wie etwa Theater, Restaurants und Schulen. Berücksichtigte Einflussfaktoren sind vor allem die Dauer des jeweiligen Aufenthalts (im Supermarkt mit einer Stunde veranschlagt), der Aktivitätsgrad (im Fitnessstudio hoch) und die Luftzufuhr im Raum.

Ansteckungsrisiko in Kinos gering

Die Einhaltung der Hygiene- und Lüftungsregeln wird vorausgesetzt, die Schutzwirkung einer Maske mit 50 Prozent einbezogen. Weitere Bedingung: Eine infizierte Person ist zusammen mit anderen im Raum.

Unter den gesetzten Voraussetzungen ist das Risiko beim Friseur, in wenig ausgelasteten Museen, Theatern und Kinos, aber auch in Supermärkten demnach vergleichsweise gering. Deutlich höher sei es in Fitnessstudios und vor allem in Oberschulen und Mehrpersonenbüros.

Ursprungsmeldung vom 23. Februar: Die Kinobetreiber in Deutschland hoffen auf eine baldige Perspektive für ihre Filmtheater. Die Häuser sind wegen der Pandemie seit rund drei Monaten wieder geschlossen. In einem Brief appellierten mehrere Filmverbände an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten, die sich am Mittwoch erneut zu Beratungen zusammenschalten wollen.

Die Filmwirtschaft brauche - wie die gesamte Kultur - dringend ein Signal, wann es wieder losgehen könnte. Auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt noch keine weiteren Lockerungen möglich seien, benötige der Markt «dringend Planungsparameter», fordern die Verbände.

„Sofern sich die positive Entwicklung des Infektionsgeschehens fortsetzt und die Pandemie auch mit Mutationen beherrschbar bleibt, wäre für uns eine Öffnung zu Ostern sehr wichtig.“

Vertreter der Kino- und Verleihverbände

„Sofern sich die positive Entwicklung des Infektionsgeschehens fortsetzt und die Pandemie auch mit Mutationen beherrschbar bleibt, wäre für uns eine Öffnung zu Ostern sehr wichtig“, heißt es in dem Schreiben mehrerer Kino- und Verleihverbände.

„Wir verstehen die Notwendigkeit, Schulen und Kitas trotz aller damit verbundenen Gefahren als Erstes zu öffnen“, heißt es in dem Brief. Sollten Handel und Gastronomie aber vor Kulturorten mit ihren bewährten Hygienekonzepten öffnen dürfen, sei das aus ihrer Sicht „nicht begreiflich und auch rechtlich äußerst fragwürdig“.

Wann öffnen Kinos?

In dem Schreiben fordern die Verbände - darunter der HDF Kino und die AG Kino - auch eine einheitliche Strategie der Bundesländer. Die Branche hat schon mehrfach einen einheitlichen Öffnungstermin für die Kinos in Deutschland gefordert, damit es sich für Verleiher auch eher lohnt, einen neuen Film anlaufen zu lassen.

Auch der Münchner Filmproduzent Martin Moszkowicz macht sich für baldige Kinoöffnungen stark - mit Hygienekonzepten und mit Schnelltests für die Besucher. „Wir testen jede Woche tausende von Mitarbeitern, damit fahren wir bislang sehr gut. Wir haben keinen größeren Ausbruch an einem unserer Drehorte gehabt“, sagte der Chef der Constantin Film der Deutschen Presse-Agentur in München auch mit Blick auf mögliche Selbsttests für zu Hause.

15 Kinofilme stehen in den Startlöchern

Die Produktions- und Verleihfirma Constantin Film konnte ebenso wie andere Firmen viele Filme nicht an den Start bringen, weil die Kinos seit November geschlossen sind. In den Startlöchern stehen 15 Kinofilme, unter anderem „Ostwind - Der große Orkan“ (25. März), „After Love“ und die Krimikomödie „Kaiserschmarrndrama“ (5. August).

Währenddessen erfreuen sich Streamingdienste großer Beliebtheit. Könnten Kinos deshalb dauerhaft Zuschauer verlieren? „Ich glaube, dass das Kino eine gute und erfolgreiche Zukunft hat“, sagt Moszkowicz. „Das Kinoerlebnis ist einzigartig.“ Filme im Stream oder auf DVD könnten damit nicht wetteifern und seien keine natürlichen Konkurrenten. Außerdem gebe es Untersuchungen: Wer viel im Stream ansehe, gehe auch häufiger ins Kino. „Wenn die Kinos wieder aufmachen, werden die Menschen eine große Sehnsucht danach haben.“

Disney hat seinen eigenen Streamingdienst gestartet und will Netflix, Amazon Prime und Co. damit an den Kragen.

Leere Kinosäle gehören seit etwa drei Monaten zum Alltag.

Allerdings: „Wir werden sicher eine Reihe von Filmtheatern verlieren“, prognostiziert der Produzent und Verleiher. Treffen werde es vor allem Häuser, die schon vorher Probleme hatten. „Die Pandemie beschleunigt eine Entwicklung, die sonst noch vielleicht ein paar Jahre gedauert hätte.“

Auch sonst werde sich vieles verändern. „Es ist naiv, anzunehmen, dass wir in absehbarer Zeit wieder voll besetzte Kinosäle haben werden“, sagte Moszkowicz. Bevor die Kinos ihre Säle aber nicht zu mindestens 50 Prozent besetzen könnten, werde es bundesweit wohl keine großen Filmstarts geben.

„Dass 2020 für die Kinos dramatisch sein würde, hat sich schon beim ersten Corona-Lockdown Mitte März angekündigt.“

Filmförderungsanstalt (FFA)

Die Pandemie hat die Besucherzahlen deutscher Kinos dramatisch einbrechen lassen. Im vergangenen Jahr wurden rund 38,1 Millionen Tickets verkauft - etwa 80,5 Millionen weniger als noch ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Rückgang von rund 68 Prozent, wie aus Zahlen der Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin hervorgeht. „Dass 2020 für die Kinos dramatisch sein würde, hat sich schon beim ersten Corona-Lockdown Mitte März angekündigt“, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Analyse.

Die Kinos waren schon im Frühjahr 2020 mehrere Wochen geschlossen, wegen der Abstandsregeln durften auch im Sommer und Herbst nur deutlich weniger Besucher in die Kinosäle. Seit November sind Filmtheater und andere Einrichtungen bundesweit wieder dicht, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

Kinozahlen im Jahr 2020

Kinospielstätten in Deutschland1.728
Kinostandorte940
Gesamtzahl der Kinositzplätze793.600 Stück
Kinobesucher 38,1 Millionen

Quelle: Filmförderungsanstalt (FFA)

Im vergangenen Jahr machten die Kinos entsprechend weniger Umsatz. Sie nahmen laut Erhebung rund 318 Millionen Euro ein - etwa 69 Prozent weniger als noch im Jahr 2019. Damals hatten die Kinos mehr als eine Milliarde Euro umgesetzt. Dank Blockbustern waren die Besucherzahlen wieder gestiegen.

Auch diesmal hätten große Produktionen auf die Leinwand kommen sollen. Wegen der Pandemie wurde aber zum Beispiel der Start des neuen „James Bond“-Films erneut verschoben. „Keine Zeit zu sterben“ soll nach jetziger Planung im Herbst 2021 anlaufen. Noch ist unklar, wie lange die deutschen Kinos geschlossen bleiben.

Sechs Kinos weniger als im Jahr zuvor

Aus den Zahlen der Filmförderungsanstalt ist noch nicht ersichtlich, wie gut oder schlecht die jeweiligen Kinos durch die Krise kommen. Droht eine Pleitewelle oder können die Betreiber mit Rücklagen, Kurzarbeitergeld und Hilfsgeldern durch die Zeit kommen?

Die Zahl der Kinounternehmen hat sich laut FFA-Statistik im Jahresvergleich bisher nicht verändert. Bei den Spielstätten gibt es unter dem Strich sechs weniger als ein Jahr zuvor - insgesamt sind es 1728. Die Zahl der Kinosäle sank um 35 auf insgesamt 4926. Die Analyse verweist darauf, dass weitere Veränderungen zu einem späteren Zeitpunkt bekannt werden können. Grund ist die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht.

(dpa)

Rubriklistenbild: © Steffi Adam via www.imago-images.de

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