Plädoyer für höhere Impfquote

„Kritische Situation der Pandemie“: Ärzte warnen vor überfüllten Intensivstationen

Zwar sind über 65 Prozent der Menschen in Deutschland mittlerweile gegen Corona geimpft – doch die Zahl der Patienten in den Krankenhäusern steigt wieder.

Berlin – Eine „kritische Situation der Pandemie“ sieht die Deutsche Krankenhausgesellschaft angesichts steigender Corona-Infektion und damit auch die Sorge vor einer Überlastung der Krankenhäuser. Denn nach Einschätzung des Weltärztebundes arbeiten sowohl das Pflegepersonal der Intensivstationen als auch die Ärzte bereits am Anschlag.

Aktuell sind in Bremen von 179 Intensivbetten 167 belegt. Das geht aus dem Intensivregister des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor. 17 Patienten sind aufgrund einer Corona-Erkrankung aktuell in Behandlung, 14 werden beatmet. Damit liegt die Prozentzahl beatmeter Covid-19-Patienten bei über 80 Prozent. (Stand: 28.10.2021 15:15 Uhr)

In Niedersachsen hingegen sind von möglichen 1.806 Intensivbetten 1.545 belegt. 114 Menschen sind aufgrund einer Corona-Erkrankung in Behandlung, 68 Patienten und damit knapp 60 Prozent werden künstlich beatmet. Insgesamt stehen bundesweit 22.044 Intensivbetten zur Verfügung, 2,1 Prozent der Betten sind derzeit frei. 10.475 Intensivbetten könnten notfallmäßig innerhalb von sieben Tagen aufgestellt werden. Zum Höhepunkt der Pandemie im Januar 2021 wurden mehr als 5.700 Corona-Erkrankte intensivmedizinisch behandelt.

Bundeslandfreie Intensivbettenbelegte IntensivbettenCovid-19-Patienten in Behandlungbeatmete Covid-19-Patienten
Bremen121671714
Hamburg414643825
Mecklenburg-Vorpommern75487137
Niedersachsen2611.54511468
Schleswig-Holstein161566159

Weltärztebund fordert mehr Corona-Impfungen

„Wir befinden uns in einer kritischen Situation der Pandemie“, warnte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): Die Zahl der mit einer Covid-Infektion im Krankenhaus versorgten Patienten sei binnen einer Woche deutlich gestiegen. „Wenn diese Entwicklung anhält, haben wir schon in zwei Wochen wieder 3.000 Patienten auf Intensivstation“, sagte Gaß. Dann müssten die Mediziner in den Kliniken wieder planbare, weniger dringliche Behandlungen verschieben.

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„Wir müssen alles in unserer Macht Stehende versuchen, um die Impfraten zu erhöhen“, forderte der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“. „Bei hoher Durchimpfung der Bevölkerung gibt es sehr viel mehr milde Verläufe – die müssen nicht ins Krankenhaus, aber viele Ungeimpfte erkranken nach wie vor schwer.“ Viele Pflegekräfte und Ärzte hätten die Arbeit im Intensivbereich aufgegeben – auch, weil sie es leid seien, sich für die Unvernunft von Impfgegnern abzurackern.

Corona: Kinder-Impfungen für unter Zwölfjährige

Angesichts steigender Corona-Inzidenzen in jüngeren Altersgruppen setzen einige Kinderärzte auf zeitnahe Covid-19-Impfungen für unter Zwölfjährige. „Wir hoffen darauf, dass in den nächsten Wochen eine europäische Zulassung des Biontech-Impfstoffs für die Altersgruppe der Fünf- bis Elfjährigen kommt, die dann auch in Deutschland übernommen wird“, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Jörg Dötsch, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Zuletzt ist die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche in Deutschland stark gestiegen – am Donnerstagmorgen gab das Robert Koch-Institut den Wert mit 130,2 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte die Sieben-Tage-Inzidenz bei 118,0 gelegen, vor einer Woche bei 85,6. Nach RKI-Angaben vom Donnerstag sind 66,5 Prozent der Menschen in Deutschland vollständig geimpft. In Niedersachsen liegt die Impfquote bei 68,3. Bremen ist nach wie vor Spitzenreiter mit einer Quote von 77,9.

Ampel-Bündnis will Corona-Pandemie auslaufen lassen

Zugleich hatten SPD, Grüne und FDP, die eine gemeinsame Bundesregierung bilden wollen, am Mittwoch erklärt, die gesetzliche Sonderlage wegen der Corona-Pandemie zum 25. November auslaufen lassen zu wollen. Für eine Übergangszeit bis zum 20. März 2022 soll stattdessen eine neue rechtliche Basis für Corona-Vorgaben geschaffen werden. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) war davon wenig begeistert und sagte, er halt es für sinnvoll, die Feststellung einer „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ durch den Bundestag zunächst fortzuschreiben. 

Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) begrüßt indes den Vorschlag: „Das Eckpunktepapier wird der Bekämpfung der Corona-Pandemie gerecht. Es ist ein guter Kompromiss aus weiterhin möglichen Maßnahmen für die Länder und einer Absage an harte Einschnitte wie Lockdowns oder Ausgangssperren“, sagte Lauterbach der Rheinischen Post. Die Verhandlungspartner der möglichen Ampelkoalition haben sich noch nicht auf Personalfragen geeinigt, es könnte aber gut sein, dass Lauterbach in der kommenden Regierung eine wichtige Rolle in der Gesundheitspolitik übernehmen könnte. (Mit Material der dpa) *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

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