Landkreis Cloppenburg bei 269,4

Corona-Inzidenz in Niedersachsen schießt hoch – „dann wird das Regime immer strenger“

Die Corona-Lage in Niedersachsen hat sich trotz hoher Impfquote auch am Sonntag weiter verschlechtert. Die Hospitalisierungsinzidenz kletterte inzwischen auf 3,8.

Hannover – „Wenn die Zahlen jetzt weiter so steigen – und das tun sie ja gerade ständig –, dann wird das Regime immer strenger werden!“ Die Ansage der niedersächsischen Regierungssprecherin Anke Pörksen gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ von Freitag lässt erahnen, wo die Corona-Reise in den kommenden Wochen hingehen wird. Am Sonntag, 31. Oktober 2021, meldete das Robert-Koch-Institut für das Land Niedersachsen 820 Neuinfektionen mit Covid-19. Die 7-Tage-Inzidenz steht bei 78,2 (Vortag: 75,4).

Bundesland:Niedersachsen
Fläche:47.709,82 Quadratkilometer
Einwohner:8.003.421 (Stand: 31. Dezember 2020)
Regierungschef:Stephan Weil (SPD)

Nachdem am Samstag die Hospitalisierungsinzidenz bei 3,6 gelegen hatte, kletterte auch diese Zahl am Sonntagmorgen weiter auf 3,8, wie das RKI vermeldete. Am Freitag hatte die Rate noch bei 3,3 gelegen. Für Gesundheitsbehörden und Kommunen in Niedersachsen ist dies der wichtigste Indikator zur Bewertung der Pandemielage. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) forderte unterdessen einheitliche Corona-Regeln in ganz Deutschland.

Corona-Lage in Niedersachsen verschlechtert sich: Landkreis Cloppenburg weist Inzidenz von 269,4 aus

Einen neuen Todesfall gab es am Sonntag hingegen nicht zu beklagen. Die höchste Inzidenz im Land Niedersachsen weist derzeit der Landkreis Cloppenburg mit 269,4 aus.

Pörksen betonte weiter gegenüber der „HAZ“, dass die bisherige Corona-Verordnung des Landes weitere Maßnahmen bereits möglich mache: „Wir müssen natürlich prüfen, ob man das gegebenenfalls noch weiter verschärfen muss.“

Auf den Intensivstationen der Krankenhäuser waren am Sonntag fünf Prozent der zur Verfügung stehenden Betten mit Covid-19-Patientinnen und -Patienten belegt. Dieser Wert hatte am Samstag noch bei 4,4 gelegen.

Die Infektionszahlen mit Covid-19 schießen derzeit in Deutschland wieder in die Höhe. Auch die Anzahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund einer Infektion mit dem Coronavirus nehmen wieder stark zu. (Symbolbild)

Eine Corona-Warnstufe wird in Niedersachsen erreicht, wenn der Hospitalisierungswert (Krankenhausaufnahmen) und mindestens eine der beiden anderen Maßzahlen (Neuinfizierte, Intensivbetten) die in der Verordnung definierten Schwellenwerte überschreiten. So muss beim Leitindikator Hospitalisierung der Wert sechs überschritten werden, damit möglicherweise Warnstufe eins ausgerufen werden kann.

Corona-Lage in Niedersachsen verschlechtert sich: Lage schlimmer als im Herbst 2020

Die Warnstufen werden teils vom Land, teils von den Kreisen beziehungsweise kreisfreien Städten ausgerufen. Voraussetzung dafür ist, dass die jeweiligen Werte die Schwellen fünf Tage hintereinander übersteigen.

Doch, wie kann es eigentlich sein, dass die Corona-Zahlen dermaßen in die Höhe schießen, wenn im ganzen Land 66,6 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger geimpft sind (in Niedersachsen 68,4 Prozent)? De facto ist die Mengenlage im zweiten Corona-Herbst schlimmer als im Herbst 2020. Damals, mit einer Inzidenz von über 100, mehr als 18.000 täglichen Infektionen und 77 Todesfällen binnen 24 Stunden hatte man sich gerade auf einen Teil-Lockdown geeinigt.

Legt man die Impfquote zugrunde, sollte man eigentlich erwarten können, dass sich die Corona-Lage nun deutlich entspannen müsste. Die Realität ist allerdings eine andere, wie aus den Zahlen zu Niedersachsen abzulesen ist. Aber auch im Bundesgebiet zogen die Zahlen am Sonntag weiter an. Die 7-Tage-Inzidenz liegt inzwischen bei 149,4, neue Infektionen mit Covid-19 wurden in Deutschland am Sonntag 16.887 gezählt, es gibt 33 neue Todesfälle. Am Samstag gab es 86 neue Todesfälle binnen 24 Stunden zu beklagen.

Corona-Lage in Deutschland verschlechtert: bundesweit liegen 1808 Corona-Patienten auf Intensivstationen

Auch auf den Intensivstationen in Deutschland zeigt sich die Situation aktuell dramatischer als noch vor einem Jahr. Lagen am 28. Oktober 2020 noch 1569 aufgrund einer Coronaerkrankung auf den Intensivstationen in Deutschland, sind es ein Jahr später mit 1808 Patienten deutlich mehr.

Laut dem Epidemiologen Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut Bremen, liege dies an der Delta-Variante, wie er dem RedaktionsNetzwerkDeutschland (RND) sagte. Entdeckt worden ist die Variante als Erstes in Indien, seit Juni 2021 ist sie die dominierende Variante in Deutschland und ist wesentlich ansteckender als die Ursprungsvariante des Coronavirus.

Doch das ist laut Epidemiologen nicht der einzige Grund, warum die Infektionszahlen mit dem Coronavirus derzeit höher sind als noch vor einem Jahr. Laut Zeeb würden die Corona-Maßnahmen inzwischen nicht mehr so streng eingehalten wie noch im vergangenen Jahr. Dies hätte auch damit zu tun, da die Impfungen eine trügerische Sicherheit vorgaukelten. Die aktuelle Impfquote im gesamten Bundesgebiet von 66,6 Prozent sei aber schlicht noch zu wenig, so Zeeb. Auch würden die 2G- und 3G-Regeln – die noch mindestens bis März 2022 gelten sollen – aus diesem Grund häufig lockerer gehandhabt, als dies die Situation eigentlich zulässt.

Corona-Lage in Deutschland verschlechtert sich: viele Impfdurchbrüche bei Risikopatienten

Aber auch Urlauber in Grenzregionen lassen vor allen Dingen die Infektionszahlen in die Höhe schießen, sagen Epidemiologen. Gerade Bundesländer mit langen Außengrenzen wie Bayern, Baden-Württemberg oder Sachsen hätten damit zu kämpfen. „Eine mögliche Erklärung für die teils hohen Inzidenzen in vielen Grenzregionen könnte auch der höhere Anteil an Urlaubern sowie Grenzgängern für die Arbeit aus Nachbarländern mit hohen Inzidenzen sein“, sagte Zeeb dem RND.

Dazu kommt das Problem, dass es immer mehr Impfdurchbrüche in Deutschland gibt. Dies aus dem Grund, weil der Schutz mit der Zeit immer weniger werde. „Jemand, der vor einem Dreivierteljahr geimpft worden ist und über 70 ist, dürfte nach aktuellem Kenntnisstand eigentlich nicht mehr als vollständig geimpft gelten“, zitiert das RND Martin Stürmer, Virologe und Laborleiter am IMD-Labor für interdisziplinäre Medizin und Diagnostik in Frankfurt. Dies trifft vor allen Dingen auf Risikopatienten zu, deren Impfung bereits länger zurückliegt. Daher wird Risikopatienten auch zu einer Booster Impfung geraten.

Jedoch machen die Impfdurchbrüche in den Krankenhäusern weiterhin nur einen geringen Anteil der schweren Verläufe aus. Daher bliebe die Impfung das beste Mittel der Wahl zur Bekämpfung der Pandemie. Ob da eine Diskussion über die Aufhebung der epidemischen Lage hilfreich ist, wird sich zeigen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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