Corona-Angst geht um

Corona-Inzidenz: Griechenland bangt um Tourismus – Zypern vor Kollaps?

Griechenland und Zypern sind von der Coronavirus-Pandemie schwer getroffen. Insel verbucht den höchsten Inzidenzwert Europas und Hellas droht Sommer-Aus. 

Athen/Nikosia – In der Athener Sommerhitze ist das Ministerbüro von Kyriakos Pierrakakis angenehm kühl, ja beinahe kalt. Was den Minister für Digitales aber nicht kaltlassen kann, sind die bedrückenden Coronazahlen im eigenen Land. Der Inzidenzwert droht den so wichtigen Sommertourismus für Griechenland den letzten Sauerstoff abzuschnüren.

Land:Griechenland
Hauptstadt:Athen
Bevölkerung:10,72 Millionen (2019)
Währung:Euro

Griechenlands Impfkampagne hat aufgrund der digitalen Umstellung bisher eigentlich ganz gut funktioniert. Eigentlich. „Die Pandemie war ein Katalysator für die digitale Transformation Griechenlands“, erklärt der Harvard-Absolvent gegenüber der Süddeutschen Zeitung den Fortschritt. Und trotz allen Sprüngen ins digitale Zeitalter, stößt auch diese schöne Welt aufgrund der Corona-Entwicklungen im eigenen Land an ihre Grenzen.

Inzidenz in Griechenland: Im Juli bereits täglich 1000 neue Corona-Fälle

Schließlich steigen die Infektionszahlen wieder sprunghaft an. Und das zur Unzeit. Denn ausgerechnet jetzt hat die Impfkampagne Sand im Getriebe. Bereits Anfang Juli prophezeite der Experte Dimosthenis Sarigiannis von der Aristoteles-Universität in Thessaloniki beim griechischen TV-Sender Antenna: „Ende August werden wir wieder 1000 neue Fälle am Tag haben.“

Griechenland zittert vor der vierten Welle.

Eine Prognose, die Stand heute angesichts der aktuellen Inzidenzzahlen bereits jetzt im Juli von der Realität überholt wurde. Bereits am 7. Juli 2021 war die Marke mit 1820 neuen Fällen binnen 24 Stunden schon deutlich drüber. Am Donnerstag, 8. Juli, ging es mit 2107 berichteten Infektionen noch einmal deutlich nach oben.

Inzidenzwert in Griechenland zeigt steil nach oben

Von Entspannung kann auch am Samstag keine Rede sein. Die Kurve zeigt weiterhin steil nach oben. Die Inzidenz steht bei 104,1 und ist damit der höchste Wert seit dem 1. Juni 2021 – ein Ende ist längst nicht in Sicht.

Dabei schiebt die Regierung die explosionsartige Entwicklung vor allem den Jugendlichen in die Schuhe. Gerade sie strömen in die Clubs und Bars. Ja, alles spielt sich unter freiem Himmel ab, aber scheinbar pfeifen sie auf die gängigen Sicherheitsabstände und drängen sich dicht an dicht.

Corona-Maßnahmen: Barbetreiber und Clubbesitzer können ihre Lizenz verlieren

Die Regierung reagierte prompt und droht mit harten Strafen, vor allem gegen die Clubbesitzer und Barbetreiber. Denn alle Gäste müssen nun wieder auf den Stühlen und Barhockern Platz nehmen. Tanzen ist keine Option, weil nicht erlaubt. Und die Clubbesitzer, die diese Reglung nicht durchsetzen, können sich auf etwas gefasst machen. Vizezivilschutzminister Nikos Hardalias kündigte nämlich an, dass harte Bestrafungen auf jene Besitzer warten, die diese Regeln schleifen lassen. Sie könnten sogar ihre Lizenz verlieren.

Die neue Entwicklung nimmt das Land in Corona-Geiselhaft. Denn die Griechen müssen befürchten, dass der so wichtige Sommertourismus erneut ausbleibt – nachdem er gerade erst wieder angelaufen war.

Inzidenz in Griechenland: Prämie von 150 Euro – „Bestechung“ oder „Belohnung“

Dabei hatte es sich die griechische Regierung zur Aufgabe gemacht, die jungen Leute zu umwerben, damit sie achtsam sind und impfwillig. Ab dem 15. Juli bekommen alle 18- bis 25-jährigen Geimpften ein Guthaben von 150 Euro aufs Handy. Mit diesem „Corona-Bonus“ sollen sie in die Lage versetzt werden, Schiffs- und Flugtickets oder gar Eintrittskarten für Konzerte zu erstehen.

Premierminister Kyriakos Mitsotakis verkauft dies als „Freiheits-Pass“. Gleich 940.000 junge Menschen sollen von dieser Strategie profitieren. Pierrakakis sagt, die 150 Euro seien eine „Anerkennung“ dafür, dass die Jungen besonders unter den langen Einschränkungen der Bewegungsmöglichkeiten gelitten hätten. Es fällt auf: Die Regierung bemüht sich um den richtigen Ton, nachdem in den Medien wegen der 150 Euro schon das böse Wort „Bestechung“ auftauchte.

Inzidenz in Zypern: Vierte Welle bereits da – im Europavergleich die Nase vorn und weltweit auf Platz 2

Während Griechenland vor der vierten Welle zittert, kann Zypern vom griechischen Inzidenzwert nur träumen. Die Mittelmeerinsel hat aufgrund von 882 Corona-Neuinfektionen im Europavergleich die Nase vorn. Tatsächlich müssen sich die Zyprioten bei einer Inzidenz von 630,7 weltweit nur hinter den Seychellen (835,9) auf dem zweifelhaften 2. Platz einordnen.

Bei diesen schwindelerregenden Zahlen ist es keine Wunder, dass es für Zypern bereits im Lauf der Woche zu einer Hochstufung zum Hochinzidenzgebiet gab. Bedeutet im Klartext: Quarantänepflicht für Reiserückkehrerinnen und Reiserückkehrer, die weder geimpft noch genesen sind. Wer also ab Sonntag, null Uhr, nach Deutschland zurückkommt, muss bei der Einreise einen Nachweis über einen negativen Corona-Test, eine vollständige Impfung oder eine Genesung parat haben. Trotz negativem Test müssen alle, die nicht geimpft oder genesen sind, ab dem Reiserückkehrtag mindestens fünf Tage in Quarantäne verbracht werden. Frühestens danach ist bei erneuter Negativ-Testung die Rückkehr ins normale Leben möglich.

Trotz negativem Test müssen alle, die nicht geimpft oder genesen sind, ab dem Reiserückkehrtag mindestens fünf Tage in Quarantäne verbracht werden. Frühestens danach ist bei erneuter Negativ-Testung die Rückkehr ins normale Leben möglich. Das könnte nun neben der Corona-Welle zudem zu einer Stornierungswelle für Zypern-Reisen führen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/ZUMA Wire | Aristidis Vafeiadakis

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