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Corona in Niedersachsen: weniger Impfungen – mehr Infektionen

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Von: Johannes Nuß

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Während sich immer weniger Menschen gegen Corona impfen lassen, schießen 7-Tage-Inzidenzen und Neuinfektionen in Niedersachsen sowie Bremen weiter in die Höhe.

Hannover/Bremen – Werden die Deutschen impfmüde mit Hinblick auf Covid-19? Innerhalb von 14 Tagen ist laut den Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) die Impfquote gegen eine Coronainfektion in Deutschland um mehr als 50 Prozent eingebrochen. Demnach ließen sich am vergangenen Freitag, 28. Januar 2022, mindestens 370.000 Personen in Deutschland impfen. Vor rund 14 Tagen, am Freitag, 14. Januar 2022, waren es in ganz Deutschland mit rund 769.000 noch mehr als doppelt so viele Menschen, die sich gegen eine Covid-19-Infektion impfen ließen. Gerade mit Blick auf die sehr ansteckende Omikron-Variante des Coronavirus ist diese Zahl nicht beunruhigend, sondern vielmehr alarmierend.

Corona in Niedersachsen und Bremen: Impfquote im Nordwesten deutlich höher als im Bundesschnitt

Aktuell sind in ganz Deutschland mindestens 73,8 Prozent der Menschen nach Angaben des RKI vollständig gegen eine mögliche Coronainfektion immunisiert. In ganzen Zahlen sind dies rund 61,4 Millionen Menschen in Deutschland, die zwei Impfdosen gegen Covid-19 erhalten haben. Eine Erstimpfung haben bis jetzt 75,7 Prozent der Menschen in Deutschland erhalten. Vollständig geboostert, also eine dritte Impfung haben laut Angaben des RKI 51,2 Prozent erhalten.

Sowohl im Land Niedersachsen als auch im kleinsten Bundesland Bremen liegen die Impfquoten im Vergleich zum Bundesschnitt deutlich höher. In Bremen sind immerhin 86,5 Prozent der Bevölkerung zweimal gegen das Coronavirus geimpft (Erstimpfung: 89,1 Prozent), geboostert sind im kleinsten Bundesland inzwischen immerhin 57,9 Prozent der Bevölkerung.

Ein Mann geht an einem Impfzentrum vorbei.
Aktuell lassen sich in Deutschland immer weniger Menschen vor einer Infektion mit dem Coronavirus impfen. (Symbolbild) ©  Karl-Josef Hildenbrand/dpa

In Niedersachsen sehen die Zahlen der Impfkampagne ähnlich gut aus, auch wenn hier wie im gesamten Bundesgebiet der Zulauf geringer wird. Vollständig gegen das Coronavirus immunisiert sind in Niedersachsen derzeit immerhin 75,3 Prozent der Menschen (Erstimpfung: 77,5 Prozent). Die dritte Impfung, die sogenannte Booster-Impfung, haben in Niedersachsen laut den Behörden in Hannover inzwischen 56,6 Prozent verabreicht bekommen.

Impfungen gegen Corona: Ethikrat fordert niedrigschwellige Impfangebote und zielgruppenspezifische Beratung

Mit Blick auf die sich ankündigende Impfpflicht in Deutschland* und auf die schleppend laufenden Impfungen gegen Corona, zeigte sich jüngst die Vorsitzende des Ethikrates, Alena Buyx, besorgt. Wie die Münchener Medizinethikerin dem „Weser-Kurier“ sagte, zählten „niedrigschwellige Impfangebote und zielgruppenspezifische Beratung und Information“ zu den Maßnahmen, die jetzt flankierend getroffen werden müssten.

Sie verwies dabei auch auf die Stellungnahmen des Ethikrates, eines unabhängigen Sachverständigengremiums. „Wir haben sehr klar gesagt: Das Vorbereiten einer Impfpflicht entbindet die Verantwortlichen in keiner Weise davon, dass man sich weiter um die Freiwilligkeit bemüht und es den Menschen wirklich einfach macht“, sagte Buyx.

Eine Impfpflicht könne in der derzeitigen Corona-Welle nicht helfen, sondern ziele auf den kommenden Herbst, sagte sie. Deshalb sollte sich Deutschland Zeit für eine ausführliche Debatte nehmen. Es gebe hier im Vergleich zu anderen Ländern viel Impfskepsis. „Aber auf lange Sicht ist die Erfahrung mit Rechtspflichten, dass sie, wenn sie denn gelten und ordentlich umgesetzt werden, insgesamt gut wirken“, sagte die Professorin der TU München. „Ganz wichtig: Es geht bei einer solchen Pflicht nicht um hundert Prozent, das ist auch bei anderen Rechtspflichten kaum möglich.“

Corona in Niedersachsen: Mehr als 15.000 Neuinfektionen – 12 weitere Todesfälle in Verbindung mit Covid-19

Während sich in Deutschland, Niedersachsen und Bremen immer weniger Menschen vor einer Infektion mit Covid-19 impfen lassen, steigen die Infektionszahlen und die Inzidenzen immer weiter an. Nach Angaben des RKI stieg die Sieben-Tage-Inzidenz am Samstag in Niedersachsen auf 886,9 – so viele Neuinfektionen wurden je 100.000 Einwohner binnen einer Woche registriert. Einen Tag zuvor lag die Inzidenz noch bei 844,5. Insgesamt kamen 15.241 bestätigte Neuinfektionen hinzu und 12 weitere Covid-19-Todesfälle wurden registriert. Landesweit gilt in Niedersachsen die Warnstufe 3.

Wichtigste Maßzahl zur Bewertung der niedersächsischen Corona-Lage ist die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz. Sie gibt an, wie viele Infizierte innerhalb von sieben Tagen auf 100.000 Einwohner gerechnet ins Krankenhaus kamen. Der entsprechende Wert stieg am Samstag auf 8,1 nach 7,7 am Vortag. Die Auslastung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten in den Klinken stieg leicht von 5,3 Prozent auf 5,4 Prozent.

Im Vergleich der Kommunen des Landes kam die Stadt Salzgitter nach Angaben der Landesregierung mit einem Wert von 1388,3 auf die höchste Sieben-Tage-Inzidenz. Dahinter folgten der Landkreis Oldenburg mit einer Inzidenz von 1298,4 und der Landkreis Harburg, dessen Sieben-Tage-Inzidenz bei 1290,0 lag. Im Landkreis Diepholz beträgt die Sieben-Tage-Inzidenz am Samstag, 29. Januar 2022, 999,2. Daher soll in der kommenden Woche in Niedersachsen die Coronaverordnung angepasst werden.

Corona in Bremen: Inzidenz klettert über 1500 – 1782 Neuinfektionen mit Covid-19

Für das Bundesland Bremen gab das RKI am Freitag die Zahl der bestätigten Corona-Neuinfektionen mit 1782 an. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 1537,8. Nur die Stadtstaaten Berlin (1846,0) und Hamburg (1747,2) wiesen noch höhere Werte aus. Die meisten Bundesländer haben inzwischen Inzidenzen von mehr als 1000.

Die Hospitalisierungsinzidenz in der Stadt Bremen sank mit Stand Freitagnachmittag leicht auf 17,12 nach 17,83 am Tag zuvor. In Bremen gilt die Warnstufe 4. Damit sind Einrichtungen des öffentlichen Lebens im Grundsatz nur für Geimpfte und Genesene (2G) zugänglich. In Bremerhaven lag der Wert mit Stand Freitag bei 17,61 nach 14,97 am Vortag. Auch dort gilt weiterhin die Warnstufe 4. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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