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Geflüchtete aus der Ukraine: Die Antwort auf Unterkunft und Corona-Impfung im Norden

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Von: Johannes Nuß

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Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes hilft einer jungen Frau aus der Ukraine.
Lediglich 35 Prozent der Ukrainer sind gegen das Coronavirus geimpft. Das ist bei der Flucht ein echtes Problem. (Archivbild) © Ole Spata/dpa

Durch den Ukraine-Krieg sind hunderttausende Menschen auf der Flucht. Viele kommen nach Niedersachsen oder Bremen und sind noch nicht gegen Corona geimpft.

Hannover/Bremen/Hamburg – Unter den Geflüchteten, die sich derzeit aufgrund des Ukraine-Konflikts auf dem Weg nach Deutschland befinden, sind viele mit dem Coronavirus infiziert. Insgesamt ist die Impfquote in der Ukraine mit etwa 35 Prozent gering. Auch ist dort in vielen Fällen der chinesische Impfstoff Sinovac verabreicht worden, der eine nicht so überzeugende Wirkung hat wie die Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca oder Novavax.

Corona-Impfung: Geflüchtete aus der Ukraine erhalten in Bremen Corona-Impfung durch Gesundheitsressort

Dem möglichen Problem der fehlenden Corona-Impfung bei Geflüchteten aus der Ukraine ist man sich auch im Gesundheitsressort in Bremen bewusst, wie Sprecher Lukas Fuhrmann gegenüber kreiszeitung.de bestätigte. „Alle Geflüchteten, die in Unterkünften untergebracht sind, erhalten durch uns eine Erstuntersuchung“, erklärte der Pressesprecher von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Die Linke).

Bei diesen Erstuntersuchungen werde selbstverständlich auch der Impfstatus überprüft, unter anderem auch der Corona-Impfstatus. Im selben Zug wird denjenigen, die nicht geimpft sind, eine Impfung direkt vor Ort angeboten.

Darüber hinaus stehen Geflüchteten aus der Ukraine auch die ganz normalen Corona-Impfangebote in Bremen zur Verfügung, unterstreicht Fuhrmann. „In unseren Impfzentren, unseren Impfstellen und bei allen mobilen Impfangeboten, impfen wir alle, die eine Corona-Impfung wünschen. Dabei sind uns die Herkunft, der Aufenthaltsstatus oder der Krankenversicherungsstatus egal“, so Fuhrmann.

Ukraine-Krieg: Aufklärungsbroschüren rund um die Corona-Impfung werden in Ukrainisch übersetzt

Aktuell werden die Informationen und Aufklärungsbroschüren rund um die Corona-Impfung überarbeitet. Generell gibt es sie auch mehrsprachig. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs wird laut Pressesprecher Fuhrmann derzeit eine ukrainische Version hinzugefügt.

„Die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen macht im Rahmen der Erstaufnahme allen Ankommenden ein Impfangebot nach geltender STIKO-Empfehlung und vermittelt bei Interesse auch entsprechende Termine zu Covid-Impfungen“, heißt es in einer Stellungnahme des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums. Für zentral in den Einrichtungen des Landes untergebrachte Geflüchtete würden gemeinsam mit den mobilen Impfteams der Kommunen und den Landesaufnahmebehörden Impfangebote organisiert.

Geflüchtete aus dem Ukraine-Krieg können sich kostenlos gegen Corona impfen lassen

Geflüchtete aus dem Ukraine-Krieg, die in Niedersachsen nicht in einer Landesaufnahmeeinrichtung, sondern privat – etwa bei Angehörigen oder Bekannten – wohnen, haben die Möglichkeit, sich kostenlos bei einem kommunalen Impfangebot oder in einer Arztpraxis impfen zu lassen. Die Impfteams der Kommunen sind wichtige Multiplikatoren, um zum einen für das Impfen zu werben und zum anderen niedrigschwellige Angebote zu schaffen.

„Unser Ziel ist es, die Menschen so niedrigschwellig wie möglich zu informieren. Das gelingt am besten, wenn wir sie in ihrer Muttersprache ansprechen. Die Niedersächsische Landesregierung hält auf www.impfen-schuetzen-testen.de die wichtigsten Basisinformationen zu Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus in den Sprachen Deutsch, Türkisch, Russisch, Polnisch, Bulgarisch, Rumänisch, Englisch, Arabisch, Farsi und Ukrainisch bereit. Auch die Migrationsberatungsstellen und weitere Akteure der Migrationsarbeit in Niedersachsen können sie nutzen“, erklärt Manfred Böhling aus der Pressestelle des Gesundheitsministeriums in Hannover.

Hohes Infektionsgeschehen bei Gefürchteten des Ukraine-Konflikts: Unterbringung ist für Behörden aufwendiger

„Die Positivquote ist hoch“, weiß auch die Hamburger Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) das Infektionsgeschehen unter den Geflüchteten des Ukraine-Konflikts richtig einzuschätzen. Von allen Flüchtlingen werde bei der Unterbringung in öffentlichen Unterkünften ein Corona-Test verlangt.

Die Unterbringung der positiv getesteten Menschen sei natürlich aufwendiger, sagte die Senatorin. „Wir können auch noch in vorhandener öffentlich-rechtlicher Unterkunft Quarantäne realisieren. Wir haben auch Hotel-Standorte, die wir dafür mit nutzen können.“ Angesichts des großen Flüchtlingszustroms werde die Aufgabe aber jeden Tag größer.

Trotz des hohen Infektionsgeschehens unter den geflüchteten Menschen aus der Ukraine, werden in Niedersachsen und Bremen weiterhin Unterbringungsmöglichkeiten gesucht.  In Niedersachsen versuchen viele Kommunen im Schulterschluss mit den Wohnungsgesellschaften ankommenden Flüchtlingen aus der Ukraine auch Wohnungen zur Verfügung zu stellen.

Trotz weniger Corona-Impfungen: Behörden suchen weiter Unterbringungsmöglichkeiten für Geflüchtete

Vorige Woche nannte die Unternehmen eine Zahl von 500. In Hannover sind es 100, in Wolfsburg 150. Das ist eine Leistung. „Denn wir alle wissen: Der Wohnungsmarkt ist total angespannt“, sagte der Sprecher der Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen Bremen (vdw), Carsten Ens, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Stadt Hannover wurde zum Drehkreuz für ankommende Flüchtlinge – fast ausschließlich Kinder, Frauen und ältere Menschen. Sie erklärte sich diese Woche bereit, die 100 Wohnungen zu angemessenen Kosten anzumieten und diese in Absprache mit dem jeweiligen Wohnungsunternehmen auszustatten und zu möblieren. Der dortige Stadtbaurat Thomas Vielhaber weiß um die ohnehin hohe Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt, die durch die Ankunft Geflüchteter noch steigen werde.

„Umso wichtiger ist es, dass wir bereits jetzt an Wohnkapazitäten denken, da der Ausgang des Krieges und die Nachkriegssituation, etwa durch massive Zerstörungen oder eine russische Besatzung, völlig unklar ist“, sagte Vielhaber. Die Kommunen gehen nach Angaben des vdw aktiv auf die Wohnungsgesellschaften zu, um die Lage zu sondieren und Wohnungen wo immer möglich bereitzustellen.

Ukraine-Krieg: Geflüchteten aus der Ukraine werden durch Wohnungsgesellschaft 100 Wohnungen gestellt

In Wolfsburg stellte die kommunale Neuland-Wohnungsgesellschaft mbH 100 Wohnungen für Geflüchteten aus der Ukraine zur Verfügung. „Als Tochter der Stadt Wolfsburg sieht es die NEULAND als ihre Pflicht an, in dieser furchtbaren und außergewöhnlichen Situation den flüchtenden Menschen schnell und unbürokratisch zu helfen“, so die Gesellschaft in einer Pressemitteilung. Die Mietkosten übernimmt die Stadt.

Für die Erstausstattung der Wohnungen sorgt Neuland, damit ankommende Geflüchtete des Ukraine-Kriegs die nötigsten Dinge des Alltags vorfinden. Dazu gehörten neben den wichtigsten Möbeln wie Herd, Spüle und Betten auch Geschirr, Bettwäsche und ähnliches. „Da arbeiten wir mit Hochdruck dran“, sagte Neuland-Sprecherin Janina Thom. Einige komplett möblierte Wohnungen seien bereits übergeben worden.

Geflüchtete aus dem Krieg in der Ukraine kommen nach Deutschland: Volkswagen Immobilien stellte Wohnungen

Volkswagen Immobilien stellte der Stadt Wolfsburg 50 Wohnungen zur Verfügung, die coronabedingt zurzeit leer stehen. „Insofern ein Glückfall“, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Die ersten zehn Wohnungen seien für ein halbes Jahr kostenlos. Zudem gebe es in einem Hotel noch die Möglichkeit für 50 Zimmer. Die Stadtverwaltung in Braunschweig ist in Gesprächen mit den Wohnungsbaugenossenschaften und privaten Wohngesellschaften. Ähnlich wie in Hannover würden Wohnungen zu angemessenen Kosten zur Verfügung gestellt, die die Stadt an ukrainische Kriegsvertriebene weiter vermittle und die mit einer Basisausstattung versehen seien. „Wie viele das genau sein werden, klärt sich noch“, so ein Stadtsprecher.

Auch die Stadt Oldenburg nutzt ihre Kontakte. Die Stadtverwaltung sei in enger Abstimmung mit den Akteuren der Wohnungswirtschaft und einzelnen gewerblichen Anbietern, um die Anmietung von Wohnungen zu angemessenen Preisen vorzubereiten. „Zudem haben uns mehr als 200 private Unterbringungsangebote erreicht“, hieß es aus Oldenburg.

Krieg in der Ukraine: Wohnungsbaugesellschaften sorgen in Bremen für Unterbringung von Geflüchteten

Die Sozialbehörden in Bremen verwiesen auf Verträge mit den großen Wohnungsbaugesellschaften, die ein bestimmtes Kontingent für Geflüchtete zur Verfügung stellten. Dabei gehe es aber nicht nur um Menschen aus der Ukraine. Die Arbeiterwohlfahrt sei mit der Vermittlung von Wohnraum beauftragt. Dort meldeten sich die Vermieter für einen koordinierten Vermittlungsprozess. Dieses System laufe aber schon seit Mitte der 2000er Jahre. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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