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Corona-Impfung: Junge Männer am ehesten von Herzmuskelentzündung betroffen

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Von: Yannick Hanke

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Stehen Herzmuskelentzündungen mit einer Corona-Impfung im Zusammenhang? Eine Studie weist nun das größte Risiko bei jüngeren Männern aus.

Berlin – Auch, wenn es breitflächige Lockerungen vermuten lassen: die Corona-Pandemie ist noch längst nicht vorbei. Varianten wie Omikron und die Unterform BA.2 verbreiten sich rasend schnell, die Zahl an Neuinfektionen steigt immer wieder an. Gegen die Infektion selbst kann eine Boosterimpfung nur bedingt helfen. Vielmehr schützt die Auffrischungsimpfung jedoch vor schweren Verläufen bis hin zu Long Covid. Nebenwirkungen kann aber auch die Spritze gegen Corona mit sich bringen. Beim Stichwort Herzmuskelentzündung sollte eine Personengruppe besonders aufpassen.

Corona-Impfung: Nach der Spritze können Herzmuskelentzündungen auftreten – am ehesten bei Männern zwischen 16 und 24 Jahren

Vorneweg, um Impfgegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen: die Skepsis vor einer Corona-Impfung aufgrund möglicher Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) ist oft unbegründet. Denn laut den Ergebnissen einer großen Studie aus vier nordeuropäischen Ländern ist das Risiko für Herzmuskelentzündungen nach einer Impfung gering. Und selbst, wenn es zu dieser Erkrankung kommen sollte, sei diese in vielen Fällen ungefährlich.

Ein Mann fasst sich mit verkrampfter Hand an die Brust. Daneben ist eine Spritze zu sehen, die mit einem Impfstoff gegen das Coronavirus befüllt wird.
Mögliche Nebenwirkung einer Corona-Impfung: eine Herzmuskelentzündung. Bei jungen Männern ist das Risiko hierfür am Größten. (kreiszeitung.de-Montage) © Dinendra Haria/imago

Wie es von Forschern im Fachblatt „Jama Cardiology“ heißt, hat das größte Risiko für eine Herzmuskelentzündung nach einer Corona-Impfung, die auch andere Nebenwirkungen mit sich bringen kann, die Gruppe von Jugendlichen und Männern zwischen 16 und 24 Jahren – und das bereits nach der zweiten Impfung. Doch wird die Myokarditis unter jungen Männern als eher selten bezeichnet. Darauf verweist das Autorenteam rund um Rickard Ljung vom Karolinska Institut in Stockholm, das die Daten von 23 Millionen Menschen analysiert hatte.

Herzmuskelentzündung nach einer Corona-Impfung: Stark abhängig vom jeweiligen Impfstoff

Das Risiko für eine Herzmuskelentzündung, die nach einer Corona-Impfung auftreten kann, würde aber auch stark vom jeweils verwendeten Impfstoff abhängen. Ein Beispiel: Unter jungen Männern, die zwei Dosen des gleichen Vakzins von Moderna erhielten, gab es neun bis 28 zusätzliche Fälle pro 100.000 Geimpften innerhalb von vier Wochen nach der zweiten Impfung.

Demgegenüber stehen vier bis sieben Fälle mehr nach einer Impfung mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer. Als Fall wurden für die Studie stationäre Krankenhausaufnahmen mit entsprechender Haupt- oder Nebendiagnose bei Entlassung definiert. Zum Hintergrund: Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt für Menschen unter 30 seit geraumer Zeit Impfungen mit Biontech statt mit Moderna. Schließlich würde hier ein geringeres Risiko für Herzentzündungen bestehen.

Nach Corona-Impfung: Keine Todesfälle bei Menschen unter 40 Jahren durch eine Herzmuskelentzündung

Gemäß der US-Kardiologenvereinigung ACC ist der klinische Verlauf bei Herzmuskelentzündungen nach einer Corona-Impfung aber in der Regel auch bei Kindern und Erwachsenen mild. Ein Blick zurück auf die im Fachblatt „Jama Cardiology“ veröffentlichte Studie weiß weitere sorgenvolle Gedanken zu entkräften.

Denn laut den Ergebnissen der Forscher hätte es unter den Teilnehmern keine Todesfälle durch eine Herzmuskelentzündung, die nach einer Corona-Impfung aufgetreten war, bei Menschen unter 40 Jahren gegeben. Entsprechende Studien zur Langzeitprognose würden zwar fehlen, doch gebe es insgesamt Hinweise auf ein anscheinend niedriges Risiko, binnen vier Wochen zu sterben, erneut ins Krankenhaus eingeliefert werden zu müssen oder aber ein Herzversagen zu entwickeln.

Herzmuskelentzündung nach Corona-Impfung tritt in der Regel wenige Tage nach der Spritze auf

Natürlich wissen die Forscher auch mehr über ihre Studie hinsichtlich des möglichen Auftretens von Herzmuskelentzündungen nach einer Corona-Impfung zu sagen. Tatsächlich basieren all ihre Ergebnisse auf Daten von Menschen ab zwölf Jahren aus den Ländern Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden. Daten erhoben wurden zwischen Dezember 2020 und Oktober 2021, 81 Prozent der Probanden seien in diesem Zeitraum geimpft worden.

Gänzlich ausgeschlossen werden kann eine Herzmuskelentzündung als Impfkomplikation nicht. Wenn sie auftritt, dann in der Regel wenige Tage nach der Corona-Impfung. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) weiß in seinem Sicherheitsbericht zu Corona-Impfungen in Deutschland mit Werten bis Ende 2021 etwas mehr ins Detail zu gehen.

Viren als häufigster Auslöser von Herzmuskelentzündungen – Corona-Impfungen schützen davor

Laut dem PEI betreffe die Mehrzahl der Meldungen von Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen Männer im Alter zwischen 18 und 29 Jahren. De facto könne sich die Erkrankung nach einer Corona-Impfung in Form von Brustschmerzen, Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzversagen äußern.

Es gibt aber auch asymptomatische Verläufe, die nicht immer erkannt werden. Darauf verweist die Deutsche Herzstiftung. Bei einem unkomplizierten Verlauf würde oftmals keine spezielle Therapie erfolgen. Und doch wird Betroffenen oft geraten, längere Zeit auf anstrengenden Sport zu verzichten. Zudem seien laut der Herzstiftung generell Viren die häufigsten Auslöser von Herzmuskelentzündungen – wodurch der Wert einer Corona-Impfung gegen eben solche Viren unterstrichen wird. (mit Material der dpa)

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