Corona-Verordnung angepasst

Niedersachsen verschärft Corona-Regeln für Diskotheken, Clubs und Shisha-Bars

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat vor einer Inzidenz von 800 im Herbst gewarnt. Niedersachsen und Bremen setzen auf hohe Impfquoten in Vorbereitung auf eine mögliche vierte Corona-Welle.

Hannover/Bremen – Die Inzidenzwerte in Bremen und Niedersachsen steigen. Auch wenn vereinzelt mal ein niedrigerer Wert erreicht wird, geht der Trend aufwärts. Ein ähnliches Bild gibt es deutschlandweit. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte vor einer Inzidenz von 800 im Oktober gewarnt. Bremen und Niedersachsen konzentrieren sich dabei, die Impfquote zu erhöhen, auch um sich so auf den Herbst und Winter vorzubereiten.

Krankheit:COVID-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Erster bekannter Fall:1. Dezember 2019
Erklärung zur Pandemie:11. März 2020

„Business Insider“ hat im Zusammenhang mit den steigenden Inzidenzwerten in Deutschland Medizininformatiker, Verbände und Politiker nach einer Einschätzung gefragt. Das Ergebnis zeigt unter anderem, dass es zwar zu einem späteren Zeitpunkt kritisch in Deutschland wird, mit einer Überbelastung der Intensivstationen aber dennoch bereits ab einem Inzidenzwert von 300 gerechnet werden muss.

2020 drohte die Überbelastung bei einem Wert von 150. Durch die Impfungen sei die Situation besser. Entscheidend sei, wie viele Menschen zwischen 35 und 60 noch zur Impfung bereit sind, heißt es dort von Medizininformatiker Andreas Schuppert. Auch aus der Politik wird hervorgehoben, wie wichtig die Impfungen sind. Diese müsse intensiver kommuniziert werden, zitiert der Business Insider Christine Aschenberg-Dugnus (FDP).

Impfungen als wirksamste Schutzmaßnahme gegen eine weitere Infektionswelle

In Deutschland sind knapp 50 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft (Stand 27. Juli: 49,7%), mindestens eine erste Dosis erhalten haben knapp 61%. „Die Infektionszahlen steigen wieder und absehbar weiter - wir sind beim Impfen im Wettlauf mit der Delta-Variante. Jede einzelne Impfung erhöht unser aller Schutz für Herbst und Winter“, twitterte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Samstag.

Unter den Bundesländern führt Bremen sowohl die Liste der mindestens einmal geimpften (69,9%), als auch die der vollständig Geimpften (57,5%) an. Um auch jüngere Altersgruppen mit einer Impfung versorgen zu können, startete Bremen am vergangenen Samstag, 24. Juli beim Heimspiel von Werder Bremen gegen Hannover 96 eine Impfaktion. Ein vom Deutschen Roten Kreuz betriebenes Impfmobil parkte vor dem Stadion und verabreichte Impfungen mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson, der nur einer Dosis bedarf, um voll wirksam zu sein.

In Bremen parkte ein Impfwagen in der Nähe des Stadions zum Spiel Werder Bremen gegen Hannover 96. Dort konnte man sich gegen das Coronavirus impfen lassen.

Wissenschaftler an der TU Berlin werten den Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenzen als „beunruhigend“. „Laut unseren Simulationen wird im Oktober ein exponentieller Anstieg bei den Krankenhauszahlen starten. Falls die derzeitige Entwicklung anhält, wird dies sogar früher beginnen, und sich im Oktober dann nochmal verstärken“, heißt es im neuen Bericht der Gruppe um den Mobilitätsforscher Kai Nagel an das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Nur wenn die Impfstoffe gegen die Deltavariante deutlich besser wirkten als derzeit bekannt oder wenn eine Impfquote von 95 Prozent erreicht werde, bleibe eine vierte Welle in den Simulationen aus. Das Modell ergebe „unter allen derzeit realistisch erscheinenden Bedingungen eine vierte Welle bei den Erwachsenen, welche mit der Verlagerung von Aktivitäten in Innenräume im Herbst verstärkt werden wird.“

Niedersachsen startet Impfkampagne in neun Sprachen, um Impfquote zu erhöhen

Die niedersächsische Landesregierung hat in ihrer wöchentlichen Pressekonferenz neben kleiner Änderungen in der noch bis zum 3. September gültigen Corona-Verordnung auch die am 2. August startende Impfkampagne vorgestellt. „Die Dynamik beim Impfen ist deutlich zurückgegangen. Auf Dauer können wir das so nicht fortlaufen lassen“, sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD).

Die Delta-Variante sei aggressiver und ansteckender und inzwischen die vorherrschende Variante in Niedersachsen, erklärte sie. Um guten Gewissens in den Herbst zu gehen, brauche es eine Impfquote von 75 Prozent, sagte Behrens. Gehe man davon aus, dass die 63,9 Prozent, die bereits mindestens eine Erstimpfung erhalten haben auch alle ihren zweiten Impftermin wahrnehmen, fehlten also noch gut zehn Prozent.

Die Dynamik beim Impfen ist deutlich zurückgegangen. Auf Dauer können wir das so nicht fortlaufen lassen.

Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD)

Insbesondere bei den 18 bis 59-Jährigen sei die Impfquote noch ausbaufähig, sagte Behrens. Im Moment sei die Quote insgesamt in Ordnung, reiche jedoch nicht für den Winter. Die Impfbereitschaft müsse erhöht werden, weshalb das Land die Werbung für eine Impfung nun noch einmal intensiviert angeht.

Im August werde daher eine großangelegte Kampagne gestartet in der in neun Sprachen über die Impfung aufgeklärt wird. Die Kampagne sei insbesondere auf die Gruppe fokussiert, die eine noch nicht so hohe Impfquote vorzuweisen hat, das heißt also vor allem junge Erwachsene und Menschen mittleren Alters. Die Kampagne laufe unter dem Motto „Geimpft sind wir stärker. Darum: Impfen. Schützen. Testen.“ und kostet 3,6 Millionen Euro.

Niedersachsen passt Corona-Verordnung an – Schärfere Regeln für Clubs und Shisha-Bars

Bislang sei die Situation in den Krankenhäusern nicht besorgniserregend, allerdings würde die dortige Entwicklung immer drei bis vier Wochen hinterherlaufen. „Was wir jetzt sehen ist der Stand von Juni, nicht die aktuelle Situation“. Insgesamt sei die Infektionslage gut beherrschbar und Infektionsherde sehr stark einschränkbar auf den Bereich von Partys und Diskotheken beschreibt die Gesundheitsministerin die aktuelle Lage. Es dürfe kein ungesteuertes Infektionsgeschehen geben, damit eine Überlastung der Krankenhäuser vermieden werden kann. „Der Boris Johnson Weg ist kein Weg, den wir in Niedersachsen gehen wollen“, so Behrens.

„Der Boris Johnson Weg ist kein Weg, den wir in Niedersachsen gehen wollen“

Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) 

Vor dem Hintergrund der klaren Identifizierung der Infektionsherde ist nun auch die Corona-Verordnung des Landes minimal angepasst worden. Diskotheken, Clubs sowie Shisha-Bars werden nun bereits ab einem Inzidenzwert von mehr als zehn schließen müssen. Bislang war dies erst ab einem Wert von 35 vorgeschrieben. Gesundheitsministerin Behrens sprach dabei von einem „Überlaufventil“: Wenn Hotspots klar auszumachen sind, müsse man andere Bereiche nicht beschränken, sondern nur diejenigen, in denen die Infektionen in größerer Zahl vorgekommen sind.

Daniela Behrens (SPD), Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung in Niedersachsen, stellte in der wöchentlichen Pressekonferenz der Landesregierung die Änderungen der aktuellen Corona-Verordnung vor.

Die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs, Claudia Schröder, erklärte, dass Treffen und Veranstaltungen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen „ganz massiv zu einer Infektionssteigerung beitragen“. Diskotheken und Clubs, anders als Bars, seien in der Regel auch die Orte, an denen sich in bestimmten Bereichen bewegt wird, auch miteinander.

„Nach unseren Daten sind das genau die Einrichtungen, wo die Infektionszahlen hochgehen“, so Schröder. In Bars würde die Abstandswahrung deutlich besser funktionieren, daher seien „klassische“ Bars und Kneipen auch nicht betroffen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Carmen Jaspersen / picture alliance / dpa

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