Anspruch, Empfehlung, Schutzdauer

Booster-Impfung: Für wen ist die Auffrischung gegen Corona gedacht?

Bundesweit sind rund zwei Drittel der Bevölkerung gegen Corona geimpft. Vollständiger Schutz besteht aber nicht. Booster-Impfungen gelten als Option. Der Überblick.

Berlin – „Das Tempo bei den Erst- und Zweiimpfungen und beim Boostern reicht nicht aus“, heißt es vom Grünen-Gesundheitsexperten Janosch Dahmen. Der Politiker zeigt sich gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ besorgt. Doch was ist eigentlich konkret mit „Boostern“ gemeint? Und kommt es überhaupt für jede Personengruppe infrage? kreiszeitung.de liefert den großen Überblick und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Arzt:Thomas Mertens
Geboren:10. März 1950 (Alter 71 Jahre), Freiburg im Breisgau
Bücher:Mondiale rechtvaardigheid
Ausbildung:Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Universität zu Köln

Booster-Impfungen in Deutschland: Wer hat ein Anrecht auf die dritte Spritze gegen Corona?

Bei der sogenannten „Booster-Impfung“ erhalten bereits vollständig gegen das Coronavirus Geimpfte eine erneute Dosis eines offiziell zugelassenen Impfstoffes gegen eine Covid-19-Infektion. Empfehlungen in dieser Hinsicht werden von der Ständigen Impfkommission (Stiko) ausgesprochen.

Booster-Impfungen gegen das Coronavirus werden derzeit vor allem für ältere Menschen empfohlen. Doch versprechen sie wirklich längeren und besseren Schutz? (Symbolbild)

So empfiehlt die Institution, einen mRNA-Impfstoff unabhängig davon zu verwenden, welcher Impfstoff zuvor verabreicht wurde. Im Optimalfall wird jedoch dasselbe Vakzin gespritzt, das bereits zur Grundimmunisierung verwendet wurde. Generell stärkt jede Booster-Impfung das Immunsystem noch einmal gegen Covid-19.

Was die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt – und wie die rechtliche Grundlage ausschaut

Welche Personen sollte aber auf solch eine Booster-Impfung zurückgreifen? Eine Frage, die auch damit einhergeht, wer grundsätzlich Anspruch auf diese weitere Impfung hat. Dieser steht grundsätzlich jeder Person zu, die mindestens zwölf Jahre alt ist und ihren Wohnsitz beziehungsweise gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat.

Die Stiko-Empfehlung, gemäß der die dritte Impfung nur für bestimmte Risiko- und Berufsgruppen freigegeben werden soll, ist rechtlich nicht bindend. Als Rechtsgrundlage fungiert in diesem Fall die Corona-Impfverordnung, die Ende August 2021 angepasst wurde. In Paragraf 2 dieser Verordnung ist explizit festgehalten, dass der Anspruch auf eine Impfung gegen Sars-CoV-2 auch Folge- oder Auffrischungsimpfungen umfasst.

Wofür die Ständige Impfkommission (Stiko) zuständig ist

Mit der Ständigen Impfkommission (Stiko) wird eine ehrenamtliche, politisch und weltanschaulich unabhängige, 18-köpfige Expertengruppe bezeichnet, die beim Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin angesiedelt ist. Dieses Expertenteam trifft sich zweimal jährlich, um sich mit Fragen rund um Schutzimpfungen und Infektionskrankheiten in Forschung und Praxis zu beschäftigen. Auf Basis dessen werden Empfehlungen herausgegeben. Die Stiko-Empfehlungen wiederum dienen den Bundesländern als Vorlage für ihre öffentlichen Impfempfehlungen.

Derzeit spricht sich die Stiko für eine Auffrischungsimpfung gegen Corona mit einer Dosis einer der beiden mRNA-Vakzine (Biontech oder Moderna) aus. Diese Booster-Impfung soll mit einem Abstand von mindestens sechs Monaten zum Abschluss der ersten Impfserie, also der vollständigen Impfung, durchgeführt werden.

Booster-Impfungen gegen Corona für Senioren und Pflegepersonal – das Bestreben der Stiko

Erst am 7. Oktober hat die Stiko grundsätzlich eine Corona-Auffrischungsimpfung für Menschen ab 70 Jahren empfohlen. Darüber hinaus ist es das Bestreben, dass auch Bewohner von Altenheimen, Pflegepersonal sowie anderen Mitarbeitern mit direktem Kontakt zu Betreuten in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen eine Booster-Impfung angeboten werden kann.

Selbiges gilt auch für das Personal in medizinischen Einrichtungen, die direkten Patientenkontakt haben. Natürlich weiß die Ständige Impfkommission ihre Empfehlung auch zu begründen. Es wird darauf verwiesen, dass die Corona-Grundimmunisierung „mit der Zeit insbesondere in Bezug auf die Verhinderung asymptomatischer Infektionen und milder Krankheitsverläufe nachlässt“.

Stiko-Chef Thomas Mertens empfiehlt Corona-Auffrischungsimpfung für Menschen ab 70 Jahren. (Archivbild)

Zudem würde die Immunantwort im höheren Alter nach der Impfung insgesamt geringer ausfallen. Das hätte zur Folge, dass Impfdurchbrüche auftreten. Hiermit sind Erkrankungen trotz vollständiger Impfung gemeint. Übrigens: Der Impfstoff von Johnson & Johnson ist hinsichtlich seines Schutzes gegen Corona bereits als „ungenügend“ deklariert worden.

„Boostern Sie Ihren Impfschutz für den Winter“: Gesundheitsminister Jens Spahn spricht sich für dritte Impfung aus

„Je mehr alte Menschen, über 70-Jährige wir haben, die nicht ausreichend aufgefrischt sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass von denen auch einige schwer erkranken, und das führt dann immer zu dem Problem der intensivmedizinischen Versorgung und gegebenenfalls leider auch zu Todesfällen“, wird der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens vom „Deutschlandfunk“ zitiert.

Unabhängig vom jeweiligen Alter hatte der kritisch beäugte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) alle Bürger zu einer Auffrischungsimpfung aufgerufen. „Boostern Sie Ihren Impfschutz für den Winter“, hieß es via Twitter – denn genügend Impfschutz sei für alle da. Zudem rief Spahn zu einem zeitnahen Bund-Länder-Gipfel zur Auffrischungsimpfung auf.

Corona-Impfquoten weltweit: Wo Deutschland steht – und wer den Ton angibt

In Deutschland sind bisher rund 55,5 Millionen Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft worden. In Relation zur Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik entspricht dies einem Wert von 66,6 Prozent. Wie aber ist diese Zahl im globalen Vergleich einzuordnen? Höhere Werte weisen in dieser Hinsicht beispielsweise Spanien (78,8 Prozent), Südkorea (74,4 Prozent) oder Japan (72,5 Prozent auf), wobei die beiden erstgenannten Länder über weniger Einwohner als die BRD verfügen. Demgegenüber stehen sozial schwache Staaten wie Pakistan oder Bangladesch, wo weniger als 20 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind (Quelle: Our World In Data; Stand der Daten: 1. November 2021).

In seinen Ausführungen bezieht sich der Gesundheitsminister auf das europäische Ausland. „Aktuelle Daten aus Israel zeigen, dass das Boostern einen ganz entscheidenden Unterschied macht, um die vierte Welle zu brechen“, wird Spahn von der „Bild am Sonntag“ zitiert. Derzeit würde das Booster-Tempo in deutschen Praxen nicht ausreichen.

Booster-Impfungen auch für Jüngere sinnvoll? Kritik vom Hausärzteverband und vom Ärztepräsidenten

Für sein Vorpreschen musste Spahn aber auch schon Kritik einstecken. Der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes, Markus Beier, ist der Ansicht, dass der Impfkampagne nicht geholfen sei, wenn letztendlich vor jeder Praxis täglich hundert junge Menschen ohne Risikofaktoren stünden. Ärztepräsident Klaus Reinhardt, der sich für die 3G-Regel am Arbeitsplatz ausspricht, schlägt in eine ähnliche Kerbe wie Beier.

„Für die Notwendigkeit von Auffrischimpfungen für Menschen jeglichen Alters gibt es bisher keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz“, heißt es von Reinhardt gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Eine generelle Auffrischungs-Empfehlung für alle Impfberechtigten gibt es derzeit nicht.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) spricht sich via Twitter für Booster-Impfungn aus – und erntet dafür Kritik. (Archivbild)

Die Stiko will diese erst vornehmen, wenn ein positiver Effekt für sie tatsächlich auch wissenschaftlich belegbar sei. „Aber das ist nicht ganz einfach zu beantworten, weil es hier weniger um den Schutz des Einzelnen geht als um die Frage, inwieweit eine solche allgemeine Impfung die Virusübertragung in der Bevölkerung zusätzlich reduzieren kann“, sagt Stiko-Vorsitzender Mertens gegenüber dem „Deutschlandfunk“.

Corona-Studie aus Israel liefert neue Erkenntnisse: Booster-Impfungen bei Älteren garantieren besseren Schutz

Deswegen ist Mertens der Ansicht, dass derzeit zunächst die Älteren und die Gefährdeteren geimpft und die Grundimmunisierung in der Gruppe der 18- bis 59-Jährigen vorangetrieben werden soll. Wie viel aber kann von der zweiten Impfung erhofft werden? Immungesunde Menschen mittleren Alters, die eine vollständige Grundimmunisierung haben, können sich laut Mertens auf weiterhin guten Schutz vor einer schweren Erkrankung verlassen.

Corona-Studie zur Wirksamkeit von Booster-Impfungen bei Älteren: Israelische Forscher liefern globale Erkenntnisse

Unter dem Titel „Protection of BNT162b2 Vaccine Booster against Covid-19 in Israel“ haben Forscher aus Israel eine Studie erhoben, die im „New England Journal of Medicine“ neue Erkenntnisse über die Booster-Impfung bereithält. So würde eine Auffrischungsimpfung gegen Covid-19 älteren Menschen offenbar einen deutlich höheren Schutz vor einer Ansteckung und schweren Erkrankungen bieten. Die Daten beziehen sich auf mehr als eine Million Menschen über 60 Jahren und gelten für die Vakzine von Biontech und Pfizer. Auffrischungsimpfungen werden in Israel bereits seit Anfang August 2021 durchgeführt.

Demgegenüber stehen Menschen über 60 Jahre, die durch eine Corona-Auffrischungsimpfung eine deutlich höhere Schutzwirkung des Biontech-Vakzins erhalten würden. In diesem Kontext beruft sich die Stiko auf eine Studie aus Israel*. Bei Zweifach-Geimpften in Israel habe mehr als zehnmal so viele nachgewiesene Infektionen und knapp 20 Mal mehr schwere Erkrankungen gegeben als bei Dreifach-Geimpften, heißt es im entsprechenden Bericht im „New England Journal of Medicine“ vom September.

WHO-Generalsekretär fordert Aufschub von Booster-Impfungen – damit sozial schwache Staaten im globalen Süden nicht ins Hintertreffen geraten

Bleibt die abschließende Frage, welche globalen Pläne in Bezug auf die Booster-Impfung bestehen. Erneut kann auf das Beispiel Israel zurückgegriffen werden, wo alle Geimpften die Option haben, frühestens fünf Monate nach der zweiten Dosis eine Auffrischungsimpfung zu erhalten. Auch in den USA wurden bereits dritte Impfungen gegen das Coronavirus empfohlen. In diesem Fall wird sich auf Personen über 65 Jahren sowie auf Menschen mit bestimmten medizinischen Einschränkungen bezogen.

Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generalsekretär der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hatte bereit eine zeitlichen Aufschub für Booster-Impfungen bis mindestens Ende September gefordert. Denn auf diesem Wege könnten „zehn Prozent der Bevölkerung in allen Ländern geimpft werden“.

Zum Hintergrund: Booster-Impfungen in Industrieländern verlangsamen die ohnehin nur schleppend verlaufenden Impfkampagnen im globalen Süden. Und zumindest die Grundimmunisierung gegen das Coronavirus sollte zunächst einmal gesichert sein. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Frank Hoermann/Sven Simon/imago images

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Warnstufe 2 in Niedersachsen: Diese Corona-Regeln gelten ab Mittwoch

Warnstufe 2 in Niedersachsen: Diese Corona-Regeln gelten ab Mittwoch

Warnstufe 2 in Niedersachsen: Diese Corona-Regeln gelten ab Mittwoch
Corona-Regeln im Supermarkt: Was im Dezember bei Aldi, Lidl, Edeka und Rewe gilt

Corona-Regeln im Supermarkt: Was im Dezember bei Aldi, Lidl, Edeka und Rewe gilt

Corona-Regeln im Supermarkt: Was im Dezember bei Aldi, Lidl, Edeka und Rewe gilt
Corona-Regeln im Supermarkt: Was mit 2G und 3G bei Aldi, Lidl und Edeka gilt

Corona-Regeln im Supermarkt: Was mit 2G und 3G bei Aldi, Lidl und Edeka gilt

Corona-Regeln im Supermarkt: Was mit 2G und 3G bei Aldi, Lidl und Edeka gilt
Lockdown sofort: Welche Corona-Maßnahmen bei explodierender Inzidenz kommen

Lockdown sofort: Welche Corona-Maßnahmen bei explodierender Inzidenz kommen

Lockdown sofort: Welche Corona-Maßnahmen bei explodierender Inzidenz kommen

Kommentare