Kommentar

Corona 2021: Ohne Abstand und Anstand – das bleibt vom zweiten Pandemie-Jahr

Ein Mann in einem bunten Hemd, der zudem eine schwarze Mütze trägt, legt seine Hand auf das Gesicht. Im Hintergrund ist eine Demo von Gegnern der Corona-Regeln zu sehen.
+
Was bleibt vom Corona-Jahr 2021? Querdenker rufen zu Protesten gegen die Pandemie-Regeln auf und wollen sich nicht impfen lassen. Ist alles nur noch zum Wegschauen? (kreiszeitung.de-Montage)

Das neue Jahr steht vor der Tür, doch was bleibt von 2021? Ein Corona-Jahr mit Höhen und Tiefen, das eines leider zeigt: Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.

Berlin/Hannover – Deutschland steuert auf das nunmehr dritte Corona-Jahr zu. Als im März 2020 infolge der Ausbreitung der Pandemie das öffentliche Leben sukzessive heruntergefahren werden musste, erschien es noch als zeitlich begrenzte Einschränkung.

In der Folge kamen Lockdown, nächtliche Ausgangssperre und neue Ankündigungen möglicher Lockdowns*. Zig Corona-Regeln und etliche Irrungen der Politik später steht fest: Dieses Virus wird uns länger begleiten, als wir es je für möglich gehalten haben. Ein Blick zurück. Nicht völlig verbittert, aber doch verärgert.

Corona-Pandemie bringt Millionen Hobby-Virologen hervor – Hauptsache, die eigene Meinung wird gehört

Die Corona-Pandemie stellt eine Ausnahmesituation dar, deren Ausmaß von niemandem eingeschätzt werden konnte. Weder von Politikern, noch von Epidemiologen, Immunologen und Virologen. Und schon gar nicht von all den „Hobby-Medizinern“, die ihren Havard-Abschluss beziehungsweise ihr Studium an der Johns Hopkins University wohl im Schnelldurchlauf in der ersten Jahreshälfte 2020 absolviert haben.

Stehen große Fußballturniere an, will es jeder besser wissen. Auf einen Schlag gibt es 80 Millionen Bundestrainer, die natürlich lieber „den Werner“ statt „den Müller“ aufgestellt hätten. Im Nachhinein ist man immer klüger – und stellt sich auch gerne so dar. In Corona-Zeiten ist das nicht anders. Jeder ist der Meinung, den richtigen Umgang mit der Pandemie gefunden zu haben. Egal, ob dieser auch nur ansatzweise nachvollziehbar ist. Ein Problem, dessen Lösung so leicht, aber gleichzeitig auch so schwer ist.

Corona-Leugner und Querdenker ignorieren wissenschaftliche Fakten – ungeimpft und unbelehrbar?

Denn eines hat die Zeit seit März 2020 gezeigt: Diejenigen, die auf ihr Recht und vor allem ihre Meinung beharren, ignorieren Daten und Fakten der Wissenschaft konsequent. Corona-Leugnern, Querdenkern, diesen „Schwurblern“ könnten nachvollziehbare Graphen und Tabellen auf dem Silbertablett ans Bett gebracht werden – Beachtung würden diese wissenschaftlichen Erhebungen kaum bis keine finden.

Sicher, es ist wie so oft: Die Mehrheit verhält sich korrekt und verzichtet schweren Willens auf Freizeitaktivitäten, die vor der Pandemie gang und gäbe waren. Soziale Kontakte werden auf das Nötigste reduziert, um Corona-Infektionen so gering wie möglich zu halten. Besuche bei Oma und Opa, bei Onkel und Tante, bei den eigenen Eltern? Keine Selbstverständlichkeit mehr.

Demgegenüber stehen die schwarzen Schafe, die Corona-Regeln missachten, Erst-, Zweit- und Boosterimpfungen gegen das Virus strikt ablehnen und auf Telegram zu Protesten gegen die Pandemie-Maßnahmen aufrufen. Wie soll diesen Leuten noch begegnet werden? Mit teilnahmslosem Schulterzucken? Mit stillschweigendem Kopfschütteln? Oder doch mit erhobenem Zeigefinger und lauter Stimme?

Corona-Krise fördert solidarisches Miteinander der Gesellschaft – schwarze Schafen fehlen Abstand und Anstand

Fakt ist: Die von der Politik oftmals beschworene Solidarität wird von der Mehrheit vorgelebt. Protestmärschen gegen die geltenden Corona-Regeln wird sich mit Demos und Kundgebungen entgegengestellt. Hier wird auf Abstand und FFP2-Schutzmaske geachtet. Und die Querdenker? Laden, salopp gesagt, zum kollektiven Kuscheln ein.

Ihnen fehlt nicht nur der Abstand, sondern auch der Anstand. Es sind Alltagssituationen, die dies verdeutlichen. Wer nach fast zwei Jahren noch immer über die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen diskutiert oder nichts von 3G in Bus und Bahn wissen will, hat den Schuss nicht gehört. Immerhin sind die Intensivstationen nicht mit irgendwelchen Simulanten voll.

Die Menschen sterben! An oder mit Corona!

Im Duden wird Ignoranz als „tadelnswerte Unwissenheit“ definiert. Vermeintliche Unwissenheit, die bekanntlich nicht vor Strafe schützt. Es ist bezeichnend für die Corona-Lage, dass mit Ermahnungen, Geldstrafen oder Verboten reagiert werden muss. Anders scheint es nicht mehr zu gehen. Ein Lockdown für Ungeimpfte, die nur auf ihren eigenen Vorteil aus sind? Warum eigentlich nicht?

Damit sind nicht jene gemeint, die sich aufgrund von Vorerkrankungen nicht impfen lassen können beziehungsweise sollten. Sondern jene, die es aus Protest nicht tun. Jene, für die Solidarität ein Fremdwort ist. Jene, die nur an sich denken und dabei vergessen, dass eine funktionierende Gesellschaft zwar beim „Ich“ anfängt, dort aber nicht aufhört.

Bundesweite Impfpflicht als vermeintlich letztes Mittel im Kampf gegen Corona – oder geht es doch mit individueller Solidarität?

Was also bleibt vom ersten, vollständigen Corona-Jahr? Gemischte Gefühle, irgendwo zwischen Aufbruchsstimmung, Resignation und verhaltenem Optimismus. Der Wunsch ist oft Vater des Gedanken. Und ich wünsche mir, dass ein Umdenken dieser schwarzen Schafe stattfindet. Die allgemeine Impfpflicht* erscheint das letzte Mittel, das der Bundesregierung im Kampf gegen die Pandemie bleibt.

Doch kann zuvor nicht weiterhin Überzeugungsarbeit geleistet werden, um doch noch Menschen zu erreichen, die sonst auf Durchzug schalten? Schließlich sitzen wir alle im selben Boot, das noch nicht untergegangen ist, aber zunehmend ins Wanken gerät. Ungeimpfte müssen auf vieles verzichten, keine Frage. Geimpfte und Genesene aber auch.

Zusammen an einem Strang ziehen: Gemeinsam gegen Corona und die Normalität zurückholen

Kollektiv an einem Strang ziehen und zeigen: In Zeiten größter Not, in denen das Gesundheitssystem fast überlastet ist, halten wir zusammen. Für uns selbst, aber auch für unsere Mitmenschen. Ist das sprichwörtliche Glas halb voll oder halb leer? Am faktischen Zustand ändert sich in diesem Szenario nichts. Es kommt vielmehr auf die Betrachtungsweise an.

Und für mich ist das Glas definitiv halb voll – wenn entschieden reagiert wird. Solidarität meint gemäß dem besagten Duden übrigens das „unbedingte Zusammenhalten mit jemandem aufgrund gleicher Anschauungen und Ziele“. Es muss nicht jeder zwingend dieselbe Weltanschauung vertreten. Das Pandemie-Ziel muss aber überall dasselbe sein: das Coronavirus so weit zurückzudrängen, dass ein „normales“ Leben wieder möglich ist. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Omikron-Symptome: Diese Anzeichen sprechen für Corona-Infektion

Omikron-Symptome: Diese Anzeichen sprechen für Corona-Infektion

Omikron-Symptome: Diese Anzeichen sprechen für Corona-Infektion
Neustrukturierung in Niedersachsen: Bis zu 40 Kliniken droht Schließung

Neustrukturierung in Niedersachsen: Bis zu 40 Kliniken droht Schließung

Neustrukturierung in Niedersachsen: Bis zu 40 Kliniken droht Schließung
Booster-Impfung: Nebenwirkungen nach Auffrischungsimpfung gegen Corona

Booster-Impfung: Nebenwirkungen nach Auffrischungsimpfung gegen Corona

Booster-Impfung: Nebenwirkungen nach Auffrischungsimpfung gegen Corona
Corona-Impfstoffe: Nebenwirkungen von Biontech, Moderna und Co.

Corona-Impfstoffe: Nebenwirkungen von Biontech, Moderna und Co.

Corona-Impfstoffe: Nebenwirkungen von Biontech, Moderna und Co.

Kommentare