Absichtserklärung unterzeichnet

Containerschiffe hängen bald an der Nabelschnur Landstrom

Kreuzfahrtschiffe beziehen in Häfen immer häufiger schon Landstrom. Entsprechende Ladesäulen soll es demnächst auch für Containerschiffe geben.

Bremen – Ein weiterer Schritt in Richtung Klimaschutz. Die wichtigsten Seehäfen im nördlichen Europa wollen gemeinsam die Versorgung großer Containerschiffe mit Landstrom vorantreiben. Das sieht eine Absichtserklärung der sogenannten Northern-Range-Häfen vor. Dazu gehören die Seehäfen von Rotterdam, Antwerpen und Hamburg sowie Bremerhaven und der französische Hafenbetreiber Haropa mit seinem Seehafen Le Havre in der Normandie.

Rotterdam14,35 Millionen Standardcontainer (TEU)
Antwerpen12,02 Millionen Standardcontainer (TEU)
Hamburg8,53 Millionen Standardcontainer (TEU)
Bremerhaven4,77 Millionen Standardcontainer (TEU)

Für den Hamburger Hafen gehört Landstrom schon länger zum Tagesgeschäft. Bereits seit Juni 2016 können dort Kreuzfahrtschiffe während der Liegezeit Landstrom beziehen. In den Häfen von Kiel und Rostock ist dies ebenfalls möglich.

Die nun geplanten Ladesäulen für Containerschiffe sollen bis zirka 2028 erreichen, dass Schiffe mit einer Kapazität über 14.000 Standardcontainer (TEU) an der Kaikante nicht mehr bordeigene Schiffsgeneratoren für die Stromversorgung laufen lassen müssen. Dazu müssen die Schiffe und Häfen möglichst einheitliche Systeme, also „Steckdosen“ haben.

Häfen wollen beim Landstrom eine Standardisierung

„Die beteiligten Häfen werden das Vorgehen hinsichtlich Landstrom aufeinander abstimmen“, sagte der Chef des größten europäischen Seehafens in Rotterdam, Allard Castelein. „Abgezielt wird auf eine Standardisierung, geringere Kosten und eine Beschleunigung der Nutzung von Landstrom unter Beibehaltung gleicher Bedingungen zwischen den Häfen.“

Zeitgleich haben sich neun deutsche Seehäfen darauf verständigt zu untersuchen, welche Maßnahmen „in Ergänzung oder als Alternative zu festen Landstromanlagen zur Emissionsreduktion während der Schiffsliegezeiten im Hafen beitragen“. Ein entsprechendes Projekt des norddeutschen Seehafennetzwerkes soll im September starten.

Das Kreuzfahrtschiff AidaSol macht es vor: Im Hafen wird das Schiff mit Landstrom versorgt. So sollen es auch bald Containerschiffe machen.

Zum Hintergrund: Bislang lassen viele Seeschiffe im Hafen ihre Motoren weiter laufen, um sich mit Strom zu versorgen – mit entsprechenden Abgasen und CO2-Emissionen. Bei großen Container- und Kreuzfahrtschiffen werden nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums Leistungen in der Größenordnung zwischen 4 und 16 Megawatt abgerufen, was etwa dem Strombedarf kleinerer Städte entspreche.

„Der Schiffsbetrieb mit Landstrom schont das Klima und verbessert die Luftqualität in und um die Häfen“, so die Einschätzung der Bundesregierung, die deswegen bis 2023 den Bundesländern 176 Millionen Euro Finanzhilfen für die Errichtung von Landstromanlagen in See- und Binnenhäfen zur Verfügung stellt. Am besten ist Landstrom, der aus regenerativen Energien wie Wind oder Solar gewonnen wird. Bei Strom aus Kohlekraftwerken sieht es für die Klimabilanz schlecht aus.

Es sind hohe Investitionen in die Infrastruktur erforderlich

Mitteilung der Häfen

In der Kreuzfahrtbranche kommt die Ausrüstung der Kaianlagen mit Landstromanlagen allmählich voran, im Containerverkehr ist es noch nicht so weit. „Es sind hohe Investitionen in die Infrastruktur erforderlich, die ohne staatliche Unterstützung nicht möglich sind. Zudem gibt es bislang nur wenig verfügbare Lösungen zur Bereitstellung von Landstrom an stark besuchten Kaien“, schreiben die Häfen in ihrer gemeinsamen Mitteilung.

Unklar sei auch, ob die Nutzung von Landstrom künftig vorgeschrieben werden soll. „Internationale Regeln sind erforderlich, um zu vermeiden, dass sich die Wettbewerbsposition der in puncto Nachhaltigkeit führenden Häfen verschlechtert. Ein Hindernis sind auch die Kosten für die Reedereien: Das Verfeuern von Schiffsdiesel gilt als deutlich günstiger als der Bezug des Stroms. Wer Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff der neusten Generation wie die Costa Smeralda macht, fährt mit Flüssiggas. (mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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