Containerriese in Elbe:

Schleppversuche scheitern: Eines der weltgrößten Schiffe liegt fest

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Ein Containerschiff ist auf Grund gelaufen.

Stade - Eines der größten Containerschiffe der Welt liegt in der Elbe fest. Schlepper mühten sich vergeblich, es vom Grund freizubekommen. Nautiker und Ingenieure des Havariekommandos sind nun gefordert.

In der Elbe liegt seit Mittwochabend eines der größten Containerschiffe der Welt fest. Zwei Abschleppversuche für die 400 Meter lange „CSCL Indian Ocean“ der Reederei China Shipping scheiterten. Nun soll das Havariekommando Cuxhaven ein Bergungskonzept erarbeiten und über das weitere Vorgehen entscheiden. Grund für die Havarie war ein Ausfall der Ruderanlage. Das Schiff lief danach in der Nähe von Stade rund 30 Kilometer elbabwärts vom Hamburger Hafen auf Grund.

Was für die Bergungsspezialisten eine Herausforderung ist, zog etliche Schaulustige auf den nahen Elbdeich. Sie beobachteten die Rettungsmanöver in der Elbe.

Die Wirtin vom Hotel „An der Elbe“, Iris Cohrs, sagte: „Sowas hatten wir hier noch nicht. So stelle ich mir die Arche Noah auf dem Berg vor.“ Eine weitere Elbanrainerin wunderte sich nicht über den Zwischenfall: „Die Schiffe werden immer größer. Irgendwann musste das passieren.“ Der Schiffsriese kann maximal rund 19 000 Container laden, hatte aber weniger an Bord - auch, um die Elbe passieren zu können. Genaue Zahlen zur Ladung gab es nicht.

Das Havariekommando entsandte einen Nautiker zur Lagebeurteilung, ein Peilschiff soll die exakte Lage des Frachters ermitteln. Außerdem soll ein Spülbagger den Schlick um das Schiff wegspülen. Ein Spezialflugzeug flog über das Elbgebiet, Schadstoffaustritt konnte nicht festgestellt werden, teilte das Kommando mit. Von der Reederei wurden die Konstruktionspläne des erst 2015 in Fahrt gegangenen Schiffes angefordert.

Nach einem vergeblichen Abschleppversuch in der Nacht hatten die Behörden am Donnerstag auf die Mittagsflut gehofft. Doch selbst sieben Schlepper mit Zugkräften von jeweils bis zu rund 90 Tonnen schafften es nicht, das um Ballastwasser bereits erleichterte Schiff frei zu bekommen.

Es besteht aber nicht die Gefahr, dass der Frachter sinken könne oder dass es zu einer Umweltverschmutzung komme könnte, teilte das Wasser- und Schifffahrtsamt mit. Die Elbschifffahrt werde nicht beeinträchtigt.

Das Schiff war nach Angaben der Hamburger Polizei mit einem Tiefgang von etwa elf Metern auf dem Weg von Felixstowe in England nach Hamburg. Gegen 22.10 Uhr am Mittwochabend habe die Schiffsführung der Verkehrszentrale Brunsbüttel einen Ausfall der Ruderanlage gemeldet.

Die Elblotsen an Bord hätten dem Kapitän geraten, das Schiff bei Tonne 116 an den Nordrand der Fahrrinne zu bringen, um den nahen Lühe-Fähranleger und das steinige Südufer der Elbe zu verschonen. Das berichtete Ben Lodemann von der Lotsenbrüderschaft Elbe. „Die Lotsen an Bord haben schnell reagiert und gut gehandelt. Durch das kontrollierte Handeln konnten größere Schäden verhindert und das Fahrwasser für den Zulauf auf Hamburg freigehalten werden.“

Das Schiff sollte am Hamburger Eurogate-Terminal ent- und beladen werden. Erstmals hatte es im vergangenen November Hamburg angelaufen. Kommt der Containerriese frei, soll er in den Hafen geschleppt werden. Die Wasserschutzpolizei hat an Bord Beweismittel gesichert und ermittelt. Die Reederei äußerte sich nicht.

Der aktuelle Vorfall rief Politiker und Umweltschützer auf den Plan. „Ein solcher Unfall war schon länger zu befürchten - und angesichts der „Quälerei“ der großen Containerschiffe die Elbe hinauf sind auch weitere Vorfälle dieser Art in Zukunft nicht auszuschließen“, meinte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). „Die Havarie zeigt einmal mehr, wie dringend wir eine Kooperation der norddeutschen Häfen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven brauchen.“

Ähnlich äußerten sich die Umweltschützer: „Die Havariegefahr wächst mit der Größe der Schiffe. Es ist fahrlässig, dass die politischen Entscheider dieses ökologische, nautische und finanzielle Risiko täglich in Kauf nehmen und herunterspielen“, teilte das Aktionsbündnis Lebendige Tideelbe aus BUND, Nabu und WWF mit. Sie befürworten die Hafenkooperation, da die Mega-Frachter im Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven ohne Probleme abgefertigt werden könnten.

Dagegen setzt die Hansestadt Hamburg auf eine weitere Elbvertiefung, damit Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu 13,50 Meter Europas zweitgrößten Containerhafen unabhängig von Ebbe und Flut erreichen können. Darüber muss aber noch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entscheiden.

dpa

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