25 Ermittler im Einsatz

„Cold Cases“ in Niedersachsen: Zwischen Hoffnung und Schmerz

Göhrde-Morde
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Erfolg nach fast drei Jahrzehnten: Die Göhrde-Morde von 1989 wurden noch aufgeklärt.

Verbrechen, die über viele Jahre hinweg nicht aufgeklärt werden, werden in Niedersachsen von mehreren Ermittlerteams bearbeitet. Hin und wieder haben die Mitarbeiter Erfolg.

  • In Niedersachsen arbeiten 25 Ermittler an „Cold Cases“
  • 341 Tötungsdelikte und Vermisstenfälle in Bearbeitung
  • Manche Fälle bleiben über Jahrzehnte hinweg ungeklärt

Hannover - Ihre Arbeit weckt Hoffnung, reißt aber auch Wunden auf - in Niedersachsen gehen etwa 25 Ermittler aus vier festen Einheiten sogenannten „Cold Cases“ nach. 341 solcher ungeklärter Tötungsdelikte oder Vermisstenfälle gibt es derzeit, wie das Landeskriminalamt (LKA) in Hannover auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Bei den Vermisstenfällen werde mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Tötungsdelikt ausgegangen.

Ein aktueller Fall aus Sögel im Emsland zeigt, wie erfolgreich die Detailarbeit der Ermittler auch nach Jahrzehnten sein kann. Am Landgericht Osnabrück ist zurzeit ein 65-Jähriger im mehr als 24 Jahre zurückliegenden Mordfall Elke Sandker angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, am 22. August 1995 die damals 24 Jahre alte Frau frühmorgens überfallen zu haben, um sie zu vergewaltigen.

Kleidung und DNA-Abgleich führen letztlich zum Täter

Um die Straftat zu verdecken, habe er die 24-Jährige schließlich mit ihrem eigenen Pullover erdrosselt. Beim Prozessauftakt im Dezember verweigerte der Beschuldigte die Aussage. Die Ermittlungen liefen seit Anfang 2018 wieder, nachdem an der Kleidung des Opfers genetische Spuren festgestellt worden waren. „Das 24-jährige Opfer war auf dem Nachhauseweg von der Kirmes getötet worden“, sagte LKA-Sprecherin Nevin Ayyildiz. Der mutmaßliche Täter habe nun nach einem DNA-Abgleich überführt werden können.

Der Fall zeigt, dass weiterentwickelte Kriminaltechniken wie DNA-Untersuchungen die Erfolgsaussichten steigern können. „Im Gegensatz zu früher ist es jetzt möglich, auch von einem Haar ohne Wurzel die DNA zu gewinnen, was bei neuerlicher Betrachtung die Bewertung eines Cold Cases verändern kann“, berichtete Ayyildiz.

Ermittlungsansätzen wird weiter nachgegangen

„Darüber hinaus gibt es landesweit in mehreren Fällen neue Ermittlungsansätze, die noch weiter verifiziert werden müssen“, sagte sie. Ayyildiz betonte, dass die erneute Bearbeitung dieser Fälle nicht die möglichen Fehler einer Mordkommission aufzeigen solle. Vielmehr gelte es, durch einen anderen Blickwinkel zu versuchen, neue Ansätze zu gewinnen. Dazu können nach LKA-Angaben neben technischen Möglichkeiten auch sich über die Jahre verändernde zwischenmenschliche Beziehungen beitragen.

In Niedersachsen ermitteln laut Kriminalamt vier feste „Cold Case Einheiten“ in Hannover, Lüneburg, Göttingen und Braunschweig mit jeweils sechs bis acht Ermittlern. Neben Vorteilen durch die technische Entwicklung gibt es aber auch erschwerende Faktoren. Bei älteren Fällen könnten Dokumente nicht mehr lesbar oder beschädigt seien. Beweismittel sind demnach teils nicht mehr vorhanden oder aufgrund der Beschaffenheit nicht mehr auswertbar.

Kriminalfall der Göhrde-Morde: Leichenfund hilft weiter

Mit später Aufklärung verbinden viele Menschen im Norden den spektakulären Kriminalfall der Göhrde-Morde. In einem Wald bei Göhrde östlich von Lüneburg waren 1989 zwei Paare getötet worden. Fast drei Jahrzehnte lang blieben die Fälle ungeklärt - bis der Fund der Leiche einer seit 1989 verschwundenen 41-Jährigen unter der Garage eines Gärtners Licht ins Dunkel brachte.

Am Haus des Mannes fand die Polizei weitere DNA-Spuren, die mit den Göhrde-Morden zusammenpassten. Seitdem galt der Gärtner als dringend tatverdächtig. Verantworten muss er sich dafür nicht mehr. Im April 1993 beging er Selbstmord, als er wegen anderer Vorwürfe in U-Haft saß. Zuletzt wurde aber noch immer geprüft, ob weitere Morde auf sein Konto gehen könnten.

dpa

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