Celle plakatiert Grundgesetz auf Arabisch für Flüchtlinge

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Flüchtlinge lesen im Flüchtlingscamp Scheuen bei Celle (Niedersachsen) das Grundgesetz auf Arabisch. Das Grundgesetz auf Arabisch, Türkisch, Englisch und Französisch hängt seit Freitag in den Flüchtlingsunterkünften der Stadt Celle.

Celle - Neuankömmlinge sollen möglichst schnell erfahren, welche Werte in Deutschland wichtig sind. Die SPD will deshalb das Grundgesetz an Flüchtlinge verteilen. In vielen Unterkünften geht es dagegen zunächst um Basis-Informationen wie Notrufnummern.

Die Stadt Celle hat in ihren Flüchtlingsunterkünften große Plakate mit den Artikeln 1 bis 20 des Grundgesetzes aufgehängt. Auf Arabisch, Englisch, Französisch, Türkisch und Deutsch sollen die Neuankömmlinge über die Grundwerte informiert werden. „Denn jeder und jede soll erkennen, was unsere Richtschnur ist, was Deutschland zusammenhält und leitet“, sagte Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD). Er sei sich sicher, dass die Flüchtlinge die Plakate auch wahrnehmen werden. „Wir haben das Glück, dass wir in unseren Flüchtlingseinrichtungen ehrenamtliche Mitarbeiter haben, die neben Deutsch auch Politik vermitteln.“

Auch die SPD in Berlin will das Grundgesetz auf Arabisch an Flüchtlinge verteilen. „Unsere Leitkultur ist das Grundgesetz“, sagte der SPD-Fraktionschef im Bundestag, Thomas Oppermann, in der vergangenen Woche.

Celles Oberbürgermeister Mende hält es für wichtig, den Flüchtlingen die Religionsfreiheit, aber auch die Trennung von Staat und Kirche nahezubringen. Benimmregeln, wie sie die Gemeinde Hardheim in Baden-Württemberg verteilte, sind aus Sicht des SPD-Politikers hingegen nicht zielführend. „Das empfinde ich als belehrend“, sagte Mende. „Wir sollten Neubürgern und Schutzsuchenden nicht mit dem erhobenen Zeigefinger begegnen.“

In Niedersachsens völlig überbelegten Erstaufnahmeeinrichtungen in Bramsche, Braunschweig und Friedland gibt es Hausordnungen, die aber nicht jedem Neuankömmling erläutert werden können. „Wir arbeiten viel mit Piktogrammen“, sagte der Sprecher der niedersächsischen Landesaufnahmebehörde, Stefan Pankratowitz. So werde das Alkoholverbot mit einer durchgestrichenen Weinflasche verdeutlicht. In der Braunschweiger Einrichtung gebe es auch fünftägige „Wegweiser-Kurse“ für die ersten Schritte in Deutschland. Inhalte sind Pankratowitz zufolge unter anderem Fakten zum politischen System, Gesundheitswesen und kulturellem Umgang in Deutschland.

Man dürfe die Flüchtlinge aber auch nicht mit Informationen überfrachten, sagte der Behördensprecher. In den großen Lagern wird noch nicht das Grundgesetz plakatiert, dafür gibt es aber neuerdings Plakate mit Notrufnummern und Informationen zu Pilzvergiftungen. Vor kurzem waren in Hannover und Münster Flüchtlinge gestorben, weil sie den giftigen Knollenblätterpilz mit einem im Mittelmeerraum bekannten Speisepilz verwechselt hatten. Derzeit sind in Braunschweig und Friedland jeweils etwa 4000 und in Bramsche 3500 Schutzsuchende untergebracht.

In vielen eilig eingerichteten Notunterkünften im Land gibt es oft noch gar keine Hausordnungen. „Wir arbeiten gerade daran“, sagte Antje Heilmann, Sprecherin der von den Johannitern betriebenen Unterkunft in der Kaserne Oerbke im Heidekreis. Auch in Oerbke wird viel mit Hinweistafeln gearbeitet. „Im Essraum hängt das Plakat: „Bitte Tisch abräumen““, berichtete Heilmann. Die Unterkunft in Oerbke ist mit 1300 Bewohnern eine der größten in Niedersachsen. „Wir versuchen Konflikte mit Hilfe von Sozialarbeitern und Dolmetschern zu lösen“, sagte die Sprecherin. Religiös motivierte Auseinandersetzungen habe es bisher nicht gegeben.

Der Arbeiter-Samariter Bund (ASB) in Bremen hat bisher keine schriftlichen Verhaltensregeln an die von ihm betreuten Flüchtlinge verteilt. „So was machen wir mündlich bei der Arbeit“, sagte Geschäftsführerin Jutta Becks. Wirklich problematische Verhaltensweisen bei den Flüchtlingen habe es bisher nicht gegeben. Es werde überlegt, künftig Broschüren über das gesellschaftliche Leben in Deutschland zu verteilen - allerdings nicht solche wie in Hardheim. „Das war naiv und wohl eher zur Beruhigung der Bevölkerung gedacht statt als Info für die Flüchtlinge“, sagte Becks.

Der Arbeiter-Samariter-Bund betreut in Bremen derzeit mehr als 1600 Flüchtlinge in mehr als 20 Übergangswohnheimen, Notunterkünften und Wohngruppen.

dpa

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