AfD-Spitzenkandidat im Interview

Alexander Gauland über abgehobene politische Eliten

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Alexander Gauland

Potsdam - Von Wolfgang Blieffert und Tibor Pézsa. Der weiche Handschlag überrascht, das braun-karierte Sakko und die auf der Nasenspitze ruhende Brille sind dagegen bekannt: So kennt man Alexander Gauland, Spitzenkandidat der AfD für die Bundestagswahl am 24. September. Die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin wird Teile des Gesprächs beherrschen, zu dem der Fraktionschef der AfD im brandenburgischen Landtag empfängt. Gauland formuliert bedächtig, wägt seine Worte, wahrt Distanz.

Herr Gauland, Sie haben Bücher über Helmut Kohl und englische Intellektuelle geschrieben, sind nun 76 Jahre alt. Ist es da wirklich reizvoller, als Spitzenkandidat der AfD für den Bundestag zu kandidieren?
Alexander Gauland: Das ist ja eine Entwicklung, nicht eine Entscheidung, die man mal so alleine trifft. Ich wurde von den Landesvorsitzenden der AfD und Teilen des Parteikonvents gefragt, ob ich es machen wolle. Ich habe zugesagt und Alice Weidel gebeten, mit mir zu kandidieren. 

Wo liegen denn die inhaltlichen Differenzen zwischen Ihnen und Frauke Petry?
Gauland: Es gibt keine. Nur das Parteiausschlussverfahren gegen den thüringischen AfD-Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke ist ein Problem. AfD-Chefin Frauke Petry betreibt es leidenschaftlich, ich bin dagegen. 

Obwohl Höcke in einem Kellerlokal vor johlenden Leuten das Holocaust-Denkmal in Berlin doppeldeutig als Denkmal der Schande bezeichnete?
Gauland: Das stimmt, es war nicht eindeutig. Aber Höcke hat sich auf dem Parteitag in Arnstadt für seinen Fehler entschuldigt. Er hat gesagt: Ja, ich habe ein wichtiges Thema vergeigt. Unser Fehler als AfD war, dass wir daraus eine Riesendebatte gemacht haben. 

So einsam ist Frau Petry mit ihrer Kritik ja nicht. Auch andere AfD-Mitglieder hätten sich eine eindeutigere Abgrenzung gewünscht.
Gauland: Mag sein. Aber Höcke repräsentiert einen Teil der Partei. Im Osten ist er fast der Held der AfD, im Westen ist das anders. In meinen Augen ist er ein Nationalromantiker. Aber er steht ganz und gar auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. 

Warum setzen sie im Wahlkampf so stark auf die Flüchtlingspolitik?
Gauland: Alice Weidel und ich waren im Frühjahr bei Heinz-Christian Strache in Wien, dem Chef der Freiheitlichen Partei Österreichs. Der riet uns: Sie dringen nur mit den Themen durch, die mit ihnen verbunden werden. Das sind bei uns Flüchtlingspolitik, Elitenablehnung, direkte Demokratie, Eurorettung. 

Die Bundesregierung betreibt mittlerweile eine restriktivere Flüchtlingspolitik. Begrüßen Sie das?
Gauland: Man weiß ja nie so genau, was Angela Merkel gerade als Flüchtlingspolitik betreibt, weil sie ja üblicherweise nicht deklariert, was sie tut. Richtig ist: Wir verändern die CDU, die AfD hat da schon viel bewirkt. Etwa den CDU-Parteitagsbeschluss: kein Doppelpass. Aber das Regierungshandeln bleibt hinter solchen Erklärungen zurück. Auch verlangen einige Politiker Abschiebungen von abgelehnten Asylbewerbern. Nur: Das geschieht nicht. Und das wollen wir ändern. 

Wie?
Gauland: Wir werben für die Abschaffung des individuellen Rechts auf Asyl zugunsten einer institutionellen Garantie wie in Australien oder Kanada. Kein demokratisches Land hat ein Asylsystem wie Deutschland. Bei uns ist das eine Überkompensation der unseligen zwölf Nazijahre. 

Verhindern denn Grundgesetz und Dublin-Abkommen nicht schon jetzt eine Massenmigration nach Deutschland?
Gauland: Ja, aber dass dies vielfach nicht respektiert wird, zeigt, dass wir mehr als nur ein Vollzugsdefizit haben. Es zeigt, wie stark gewisse gesellschaftliche Kräfte Deutschland verändern wollen und sich gegen eine Einwanderungspolitik wehren, bei der unsere nationalen Interessen im Vordergrund stehen. 

Wen meinen Sie mit „Kräften, die Deutschland verändern wollen“?
G auland: Claudia Roth von den Grünen etwa, die als Bundestagsvizepräsidentin hinter einem Plakat herläuft, auf dem steht: „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“. Dieser Selbsthass auf unser Land reicht von der deutschen Industrie über Gewerkschaften und Parteien bis zu den Bischöfen. 

Warum gehört der Islam Ihrer Meinung nach nicht zu Deutschland?
Gauland: Natürlich kann und darf hier jeder seinen Glauben leben, auch Muslime. Das garantiert unser Grundgesetz. Aber der Islam in seiner verfassten Form gehört nicht zu Deutschland, weil er mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar ist. Der iranische Ajatollah Chomeini hat gesagt: „Der Islam ist entweder politisch, oder er ist nicht.“ Das aber bedeutet: Keine Demokratie, Menschenrechte nur, soweit sie mit der Scharia vereinbar sind, keine Gleichberechtigung der Frau. Deswegen will die AfD keine islamische Veränderung unserer Gesellschaft. Und dass dies eine echte Gefahr ist, zeigen viele Beispiele, die unsere Polizei und Gerichte beschäftigen.

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