Antrittsbesuch 

In Hannover wird der Bundespräsident ganz privat

Hannover - Grelles Outfit beim Vorstellungsgespräch in der Staatskanzlei, Spaziergänge mit Kinderwagen im Zoo, das jähe Ende der ersten Nacht in der neuen Wohnung in der List: Bei seinem Besuch in Hannover schwelgt Bundespräsident Steinmeier in Erinnerungen.

Ein altes Foto erinnert Frank-Walter Steinmeier an seinen ersten Besuch in der niedersächsischen Staatskanzlei beim damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder (SPD). "Lange Haare, erikafarbener Anzug, grasgrüne Brille - ich weiß gar nicht, ob die mich woanders überhaupt genommen hätten", witzelt der Bundespräsident. Doch Schröder habe gesagt: "Du passt zu uns." Der junge Jurist Steinmeier hatte den Job als Hilfsreferent sicher - und so begann im Juli 1991 das, was er rückblickend sein "politisches Abenteuer" nennt.

Auf den Stufen der Staatskanzlei erzählt Steinmeier diese Anekdote - und hat damit gleich zu Beginn seines zweitägigen Antrittsbesuchs in Niedersachsen die Lacher auf seiner Seite. "Der Täter kehrt immer zum Ort der Tat zurück", kommentiert das Staatsoberhaupt die Tatsache, dass er nun in ganz anderer Funktion wieder an seine Wirkungsstätte von damals zurückgekommen ist.

Zurück in politischer Heimat 

"Willkommen zuhause", begrüßt Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) seinen Gast und dessen Ehefrau Elke Büdenbender. Das ist in diesem Fall keine Phrase: Niedersachsen war viele Jahre eine politische Heimat für den gebürtigen Detmolder Steinmeier. Dem bescheidenen Anfang als Medienreferent in der Dachkammer der Staatskanzlei folgte bald ein rasanter Aufstieg: Schröder beförderte Steinmeier erst zum Büroleiter, dann zum Chef der Staatskanzlei, schließlich nahm er ihn nach dem SPD-Sieg bei der Bundestagswahl 1998 mit nach Berlin.

Fröhlicher Empfang in Hannover (von links): Oberbürgermeister von Hannover, Stefan Schostok (SPD), der Bundespräsident Steinmeier Frank-Walter Steinmeier und dessen Gattin Elke Büdenbender, Rosemarie Kerkow-Weil und ihr Gatte, Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

Locker und gelöst wirkt Steinmeier in Hannover - man merkt ihm an, dass ihn emotional vieles mit dieser Stadt verbindet. Dabei gleicht sein straffes Besuchsprogramm an diesem regnerischen und stürmischen Tag eher einem Behördenmarathon. Nach Gesprächen mit Weil und den Mitgliedern des Kabinetts fährt er in seiner schweren Panzerlimousine zum Landtag, trägt sich dort ins Gästebuch ein und besichtigt den Umbau des Plenarsaals. Dann eilt er weiter ins Neue Rathaus, zu einem Treffen mit Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) - auch hier ein Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.

In Erinnerungen schwelgen 

Schostok sagt scherzhaft, er könne sich seinen üblichen Werbeblock als Oberbürgermeister über die Vorzüge Hannovers bei Steinmeier wohl sparen. Schon schwelgt der Bundespräsident wieder in persönlichen Erinnerungen. Steinmeier erzählt von seinem ersten Wochenende in der neuen Wohnung an der Bessermerstraße im Stadtteil List. "Ich hatte nur eine Matratze auf dem Boden liegen. Und schreckte morgens um drei oder halb vier hoch, weil ein Schützenumzug mit Musik den Schützenkönig abholte", erinnert sich Steinmeier. Auch das sei eben typisch für Niedersachsen, sagt er schmunzelnd.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (sitzend) hat sich in das Gästebuch des Landtags in Hannover eingetragen. 

Hannover sei für ihn immer so etwas wie Heimat geblieben, bekennt der Bundespräsident. "Unser Kind ist hier geboren, wir haben hier geheiratet, haben nach wie vor Freunde hier." Mit seiner Tochter im Kinderwagen sei er sonntags immer in der Eilenriede spazieren gegangen - um sich anschließend im Zoo ins Café beim Elefantengehege zu setzen und in Ruhe Zeitung zu lesen. "Das war der schönste Tag meiner Woche", sagt Steinmeier. Da klingt Sehnsucht mit - nach diesen beschaulichen Sonntagen, aber auch nach Hannover.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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