Warnende Worte aus Politik und Wirtschaft

Brexit: Ungläubiges Kopfschütteln in Niedersachsen

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Brexit Entscheidung - Situation in London

Hannover - Mit Unverständnis und der Warnung vor drastischen Folgen haben Spitzenpolitiker und Wirtschaftsvertreter in Norddeutschland auf das Brexit-Votum reagiert.

Der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) sprach am Freitag von einem schweren historischen Fehler. Auch der Regierungschef von Niedersachsen, Stephan Weil (SPD), bezeichnete das Abstimmungsergebnis als Fehler.

„Wir müssen jetzt alle Anstrengungen unternehmen, um die Europäische Union zu stärken“, sagte Wirtschaftsminister Lies. Dazu gehöre auch, dass die EU die Bürger in den einzelnen Mitgliedsstaaten „besser mitnehmen“ müsse. „Für mich gibt es keinen Zweifel, dass die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und dem übrigen Europa Schaden nehmen werden“, sagte Lies.

Die Unternehmerverbände Niedersachsen warnten vor wachsenden Kosten. In Zahlen bedeute der Beschluss für die niedersächsische Wirtschaft, dass Exporte im Wert von rund 7 Milliarden Euro und Importe im Wert von rund 3,5 Milliarden Euro künftig unter neuen Rahmenbedingungen abgewickelt würden, sagte Hauptgeschäftsführer Volker Müller. Laut Landesamt für Statistik Niedersachsen ist Großbritannien nach den Niederlanden das zweitwichtigste Exportziel niedersächsischer Güter.

„Das ist bitter für Europa, bitter für Großbritannien und bitter für Niedersachsen“, sagte Ministerpräsident Weil. „Ich hatte bis zuletzt gehofft, die Vernunft würde siegen bei unseren Freunden auf der Insel. Der jetzt beschlossene Austritt ist ziemlich unvernünftig, da muss man nicht drum herum reden.“

Der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erklärte in Hannover: „Der bevorstehende Austritt eines Landes aus der EU ist schmerzlich und muss Anlass sein, das Friedensprojekt Europa umso kräftiger voranzutreiben.“

Der Unternehmensverband Niedersachsenmetall sprach von einem „schweren Schlag“ für den Wirtschaftsraum Europa und die europäische Idee. „Es gibt nur Verlierer und keine Gewinner. Der heutige Tag ist ein Schwarzer Freitag für Europa, eine historische Zäsur“, sagte Niedersachsenmetall-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt am Freitag.

Europas größter Autobauer Volkswagen hält die Brexit-Folgen für wahrscheinlich beherrschbar. „Es ist zu früh, alle Auswirkungen auf die Aktivitäten des Unternehmens zu bewerten“, hieß es aus der Konzernzentrale in Wolfsburg. Man sei jedoch gut aufgestellt, um VW „an sich verändernde wirtschaftliche und politische Umstände anzupassen“. Der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental erwartet nur geringe Konsequenzen für sein Geschäft. „Die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen auf Continental sind voraussichtlich nur begrenzt“, sagte Unternehmenschef Elmar Degenhart.

dpa

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