Hoch politisch, aber ohne Programmatik

Politikwissenschaftler Hendrik Schröder im Interview über die Partei

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Hendrik Schröder

Die Europawahl rückt immer näher. Auch die Partei steht wieder auf den Stimmzetteln und plant ihren Wiedereinzug. Doch wie kommt es, dass eine so satirische Partei es wieder in das EU-Parlament schaffen könnte?

Hendrik Schröder, Politikwissenschaftler an der Universität Bremen, forscht zu politischen Utopien und Emotionen in der politischen Bildung. Dabei hat er sich auch Gedanken über die Partei gemacht: 

Was glauben Sie, bewegt die Leute, Parteien wie die Partei zu wählen? 

Die Motive die Partei zu wählen sind natürlich vielfältig und dürften sich zwischen Kritik am laufenden Politikbetrieb, Protestwählertum, Hedonismus und Zynismus bewegen. 

Denken Sie, dass die Partei wahre Chancen hat, im Parlament etwas zu bewirken? 

Das hängt nach meiner Einschätzung letztendlich von zwei Faktoren ab: Erstens, ob und wenn ja, mit wieviel Prozent die Partei erneut in das Europaparlament einzieht und zweitens, welchen Anspruch die Kandidaten der Partei selbst hegen. Erinnert man sich beispielsweise an die Rede von Herrn Martin Sonneborn im EU-Parlament zur Politik von Herrn Recep Tayyip Erdoğan ist diese freilich als hoch politisch und inhaltlich zu bewerten. Demgegenüber steht jedoch, dass die Partei potenziellen Wähler keine klare inhaltliche Programmatik in Form eines Parteiprogramms anbietet. 

Ein wichtiges Ziel der Partei sei, die Stimmen von AfD-Wählern für sich zu gewinnen. Dafür stelle man Parteimitglieder mit gleichen Nachnamen wie von bekannten Nazis auf. Glauben Sie, die Methode findet Anklang? 

Provokation ist natürlich das klassische Mittel einer selbst ernannten Satire-Partei, die seit ihrem Bestehen auch immer mal wieder unter die Gürtellinie geht, um Aufmerksamkeit zu generieren. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass die von Ihnen benannte Aktion großen Anklang in der Öffentlichkeit findet, dafür ist das Thema zu sensibel. Für ebenso unwahrscheinlich würde ich es einschätzen, dass die Aktion geeignet ist, um tatsächlich Wähler vom sogenannten rechten Rand zu gewinnen. 

Warum die Partei?

Hintergrund und Fakten

Die Partei, die sich selbst unter dem Zitat „Die endgültige Teilung Deutschlands - das ist unser Auftrag“ auf ihrer Website vorstellt, schaffte es 2014 erstmalig ins Europa-Parlament. Ziemlich genau 0,63 Prozent der Wähler stimmten für sie. Gegründet wurde die Partei von Redakteuren des Satire-Magazins „Titanic“, zu denen auch Partei-Vorsitzender Martin Sonneborn gehört.

Lesen Sie auch: Satire im EU-Parlament: Martin Sonneborn plant seinen Wiedereinzug

Weitere Beiträge zum EU-Projekt können unter diesem  Sammelbeitrag gefunden werden.

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