Breitbandausbau in Niedersachsen

Städte wollen schnelleres Internet in Gewerbegebieten

Goslar - Von Matthias Brunnert. Schnelles Internet im letzten Winkel schön und gut. Priorität müsse aber der Breitbandausbau für die Wirtschaft bekommen, fordern Verwaltungs-Chefs der großen Städte.

Niedersachsens große Städte fordern vor allem in Gewerbegebieten einen stärkeren Breitband-Ausbau. Die Wirtschaft sei auf schnelles Internet angewiesen, sagte der Vorsitzende der Oberbürgermeisterkonferenz des Städtetages, Wolfsburgs Verwaltungs-Chef Klaus Mohrs, am Donnerstag in Goslar. 

Ziel sei es, möglichst schnell eine flächendeckende Versorgung mit leistungsstarken sogenannten ultraschnellen Gigabit-Netzen zu erreichen. „Sonst werden wir weiter abgehängt", sagte Mohrs.. Zuletzt habe es beim Breitband-Ausbau vielfach eine falsche Prioritätensetzung gegeben. In der OB-Konferenz sind die Hauptverwaltungsbeamten der großen Städte organisiert. 

„Es ist zwar richtig, auch den letzten Bauernhof mit Internet zu versorgen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, Jan Arning. „Aber zuerst muss der Ausbau dort stattfinden, wo die Menschen leben und arbeiten." 

Nach Einschätzung des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums hinkt die Bundesrepublik beim Internet-Ausbau hinterher. „Deutschland ist im weltweiten Vergleich bei der Giganetz-Struktur nicht konkurrenzfähig", sagte der für Digitalisierung zuständige niedersächsische Staatssekretär Stefan Muhle der Deutschen Presse-Agentur. 

In Niedersachsen seien derzeit gut drei Viertel der Haushalte mit deutlich langsameren 50 Megabit-Netzen versorgt. Das sei zwar etwas besser als der Bundesdurchschnitt. „Bei höheren Bandbreiten, erst recht im Gigabit-Bereich, sind die Versorgungszahlen deutlich geringer", sagte Muhle. Das gelte insbesondere auf dem Land. 

„Bestmögliche Digitalisierung ist kein Luxus, sondern die Grundlage für unseren künftigen Wohlstand", sagte Muhle, der in Goslar in nicht-öffentlicher Runde mit den Oberbürgermeistern über das Thema „Digitalisierung" gesprochen hatte. Das Land habe sich deshalb zum Ziel gesetzt, Niedersachsen bis zum Jahr 2025 flächendeckend mit dem schnellen Gigabit-Netz zu versorgen. 

Dem Vorsitzenden der OB-Konferenz dauert das alles zu lange. „In Wolfsburg wollen wir das bis 2021 hinkriegen", sagte der Verwaltungs-Chef der Volkswagen-Stadt. 

Mit dem Breitband-Ausbau befasst sich auch die Landkreisversammlung, die noch bis Freitag in Hameln tagt. Die Delegierten der 36 niedersächsischen Landkreise und der Region Hannover wollen ein Papier verabschieden, in dem ein zügiger Breitbandausbau als Grundlage für eine leistungsfähige digitale Infrastruktur in Niedersachsen gefordert wird. 

„Derzeit hakt der Breitband-Ausbau an allen Ecken und Enden", sagte der Präsident des Landkreistages, Göttingens Landrat Bernhard Reuter, der dpa. Dies liege vor allem an einem Förder-Chaos. "Es gibt Töpfe bei der EU, beim Bund, beim Land", sagte Reuter. „Jeder hat andere Fördervoraussetzungen, andere Formulare, andere Konzepte. Die Praktiker sind völlig verzweifelt und raufen sich die Haare."

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa-avis

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