Den Meistern auf der Spur

In Braunschweig wird der Museumsbesucher zum Künstler

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Eine Besucherin betrachtet mehrere Skizzen im Herzog Anton Ulrich Museum in Braunschweig.

Braunschweig - Ein muskulöser Männertorso ist auf der Zeichnung zu sehen, der sich zu strecken scheint. Der Akt ist voller Bewegung und Dynamik und gleicht weniger einem Abbild als einem Ausdruck der Emotionen des Zeichnenden: kraftvoll, wuchtig und stark.

Die Zeichnung mit dem eindrucksvollen Oberkörper ist Teil der Ausstellung „Dürer, Cezanne & Du. Wie Meister zeichnen“ am Braunschweiger Herzog Anton Ulrich Museum. Aber sie ist nicht das Werk eines bekannten alten Meisters, sondern im „Labor der Zeichnung“ mit hunderten anderen Versuchen an die Wand gepinnt. In diesem letzten Raum der Schau dürfen Besucher zu Papier und Bleistift greifen - und eigene Zeichenexperimente wagen.

Eine Besucherin des Herzog Anton Ulrich Museums zeichnet einen Akt.

„Meine Lieblingszeichnung in der Schau ist ein Werk von Otto Dix“, erklärt die Besucherin, die den Akt gemalt hat. Und das sieht man. In der Ausstellung hängt ein Dix-Porträt der Malerin Lotte Prechner, das ungemein plastisch und lebendig scheint. Ganz ähnlich wie das Bild der Besucherin.

„Das Zeichnen ist etwas sehr Persönliches, und natürlich spielen die eigenen Gefühle eine große Rolle“, erklärt die Freizeit-Künstlerin. Gemeinsam mit ihrer Freundin hat sie schon etliche Volkshochschulkurse besucht. „Das beginnt schon mit der Auswahl des Objekts“, ergänzt die Freundin. „Die Entscheidung für das Objekt und die Perspektive haben viel mit einem selbst zu tun.“ Auf ihrer Zeichnung ist ebenfalls ein Männeroberkörper zu sehen, der jedoch gänzlich anders aussieht: nüchterner und sachlicher - „und ziemlich eckig“.

Besucher sollen aus der passiven Beobachterrolle herauskommen

Im Herzog Anton Ulrich Museum haben kreative Besucher die Wahl zwischen zwei Statuen als Anschauungsobjekt - einem unbekleideten Männertorso und einer nackten jungen Frau, die sehr lebensecht gearbeitet sind.

Ein neunjähriger Junge ist mit seiner Mutter extra aus Nienburg gekommen. Felix zeichnet die junge Frau und betont durchaus talentiert auf seiner Skizze vor allem die Rundungen am Po. Mit seinem partizipativen Ansatz folgt das Herzog Anton Ulrich Museum dem Trend in der deutschen Museumslandschaft, „die Besucher stärker als früher mit in die Ausstellung einzubeziehen“, wie Karen Buttler erklärt, die als eine der Kuratorinnen die Ausstellung mit entwickelt hat. „Zeichnen ist eine elementare Form der Auseinandersetzung, die jeder erlernen kann.“ Wer selber zum Zeichenstift greife, zwinge sich, seine Umwelt neu zu entdecken. „Und natürlich zeigt der Zeichnende immer auch etwas von sich selbst, wie jeder Künstler“, sagt Buttler.

Inspirierende Ausstellung

Besucher, die ins Zeichnen kommen wollen, können sich zur Inspiration auch an die Bilder der Ausstellung halten. Einer Gymnasiastin, die Kunst als Leistungskurs gewählt hat, fällt das nicht schwer. Nach der Schule verabrede sie sich oft mit Freunden, um gemeinsam im Wald zu zeichnen, erzählt sie.

Auch an Aktzeichnungen hat sie sich bereits gewagt. „Meistens an weibliche, da kenne ich als Frau die Proportionen am besten.“ Nun steht sie lange vor der imposanten Zeichnung „Blaue Passionsblume“ von Johanna Helena Herolt. „Mich inspiriert die Klarheit und Schönheit der Naturdarstellung“, sagt sie.

dpa

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