Vorfall im Mai 2016

Bewaffneter Mann wollte Richter in seine Gewalt bringen - Prozess beginnt

Braunschweig - Einen "Mobbingkrieg" habe ein Richter gegen ihn geführt, meint ein 60-Jähriger. Um diesen zu beenden, packt er mehrere Waffen ein und geht zum Sozialgericht. Er wird aufgehalten, bevor er auf den Richter trifft - und muss sich nun für seine Tat verantworten.

Mit mehreren Waffen und Molotowcocktails wollte ein 60-Jähriger im Mai einen Richter am Braunschweiger Sozialgericht in seine Gewalt bringen. Seit Mittwoch steht er deswegen vor dem Landgericht. Der Mann war an der Einlasskontrolle zum Sozialgericht aufgehalten worden. Er hatte vier Molotowcocktails, ein Messer, einen Revolver, Kabelbinder und eine Flasche mit Exkrementen dabei. Die Exkremente habe er dem Richter über den Kopf schütten wollen, erklärte der Angeklagte am Mittwoch. 

Der Richter am Sozialgericht war verantwortlich für eine Klage des 60-Jährigen. Darin ging es um Geldansprüche nach einem Arbeitsunfall. Dem Mann war auf einer Baustelle ein Teil eines Industriestaubsaugers auf den Kopf gefallen und hatte ihn schwer verletzt. Er hatte seitdem gesundheitliche Probleme und konnte nicht mehr arbeiten. 

Eine Erwerbsminderung war dem Mann aber nicht in der von ihm beabsichtigten Höhe zuerkannt worden, also klagte er. Doch auch der Richter entschied nicht im Sinne des 60-Jährigen. Vor Gericht erklärte der Mann, er habe niemanden ernsthaft verletzen wollen. „Ich wollte nicht auf Menschen schießen, ich wollte zeigen, dass ich gefährlich bin, dass ich stark bin“, sagte er. Den Richter habe er zur Rede stellen wollen, um zu erfahren, warum dieser einen "Mobbingkrieg" gegen ihn führe. 

Die Staatsanwaltschaft forderte zum Prozessauftakt die Unterbringung des Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus. Er leide unter einer krankhaften seelischen Störung, erklärte die Staatsanwältin. Das Urteil soll voraussichtlich am Freitag kommender Woche fallen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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