„Es war eine Kurzschlusshandlung“

Angeklagter gesteht Brandstiftung in Flüchtlingsheim

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Dem Angeklagten wird schwere Brandstiftung in einem Flüchtlingsheim vorgeworfen.

Braunschweig - Ein Wachmann hat gestanden, in einem Flüchtlingsheim in Braunschweig einen Brand gelegt zu haben. Ein Bewohner konnte das Feuer löschen, so dass kaum Schaden entstand. Doch was war das Motiv des 22-Jährigen?

Ein Wachmann hat gestanden, in einem Flüchtlingsheim in Braunschweig einen Brand gelegt zu haben. Beim Prozessauftakt im Landgericht Braunschweig sagte der 22-Jährige am Montag: „Es war eine Kurzschlusshandlung, die mir sehr leid tut." Seine Tat im vergangenen Sommer habe sich aber nicht gegen die Bewohner der Unterkunft gerichtet, sondern sei eine Reaktion auf einen Streit mit seiner Freundin gewesen. Weil ein Bewohner das Feuer bemerkte, konnte es sich nicht groß in der Unterkunft für 85 Menschen ausbreiten. Der Mann zog sich leichte Brandwunden zu, weitere Verletzte gab es nicht. 

Der angeklagte 22 Jahre alte Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes räumte ein, dass er ein brennendes Handtuch in eine der Wohnungen in dem Flüchtlingsheim geworfen habe. Nach einem Telefonat mit seiner Freundin habe er Wut abbauen müssen, sagte der Mann und entschuldigte sich mehrfach für seine Tat. In der Beziehung habe es schon häufiger Streitereien gegeben. Am Tattag hätten ihn die Untreuevorwürfe aber besonders gestört. „Dann habe ich diese Scheiße begangen", sagte er. Es war nach eigenen Angaben erst sein zweiter Arbeitstag für den Sicherheitsdienst.

Bewohner verhindert Ausbreiten des Feuers

Bei einer Vernehmung nach seiner Festnahme hatte der Angeklagte noch von einer Auseinandersetzung mit einem Bewohner und drohendem Ärger mit seinem Chef berichtet. Beides treffe nicht zu, sagte er nun am Montag. Der Bewohner, der das Feuer entdeckte, berichtetete vor Gericht, dass er die brennende Gardine aus dem Fenster geworfen habe. Er verhinderte damit, dass das Feuer Betten oder die Holzfassade des Gebäudes erfasste. Dann hätte es zu einem viel größeren Brand kommen können, sagte ein Brandermittler der Polizei als Zeuge. So blieb es bei einem Sachschaden von etwa 500 Euro. 

Am Tattag fand ein Grillfest in der Unterkunft statt, viele Bewohner befanden sich deshalb in einem Innenhof. Ein Betreuer des 22-Jährigen berichtete von schweren persönlichen Problemen des Angeklagten, der von Situationen im Leben oft überfordert sei. Die finanzielle Lage des 22-Jährigen bezeichnete er als desaströs. Durch zahlreiche Verträge habe er einen umfangreichen Schuldenberg angehäuft. Der Versuch, einen Hauptschulabschluss nachzuholen, sei gescheitert.

Angeklagter mit leichter Intelligenzminderung

Laut den in der Verhandlung verlesenen Gutachten hat der Angeklagte unter anderem eine leichte Intelligenzminderung und eine posttraumatische Belastungsstörung, die wohl auf sexuellen Missbrauch durch den leiblichen Vater zurückzuführen sein soll. Der Mann wuchs in einer Pflegefamilie auf und lernte seinen Vater erst im Alter von 14 Jahren kennen. In Verhandlung wirkte der junge Mann zerfahren und sehr unruhig. Sein Verteidiger kündigte einen Antrag auf ein Gutachten zur Schuldfähigkeiten seines Mandanten an. Die Richterin ließ aber erkennen, dass sie dafür zunächst keinen Grund sehe. - dpa

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