Pistorius fordert höhere Strafen für Raser

Hannover - Im zweiten Jahr in Folge ist die Zahl der Verkehrstoten in Niedersachsen gestiegen. Immer häufiger ist der Blick aufs Handy daran schuld. Innenminister Pistorius hat nun Maßnahmen angekündigt. Hannover

Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat angesichts steigender Zahlen an Verkehrstoten im Bundesland höhere Bußgelder für Raser gefordert. Zu hohes Tempo spiele eine „maßgebliche Rolle“ bei schweren Unfällen, sagte der Minister am Mittwoch in Hannover. Immer wieder ließen sich Menschen aber auch vom Blick aufs Handy vom Straßenverkehr ablenken - mit häufig verheerenden Folgen. Nach Jahren des Rückgangs war die Zahl der Verkehrstoten 2015 in Niedersachsen zum zweiten Jahr in Folge gestiegen. 457 Menschen kamen bei Unfällen ums Leben, wie Polizei und Innenministerium mitteilten. Das waren rund 2,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Die neue Verkehrsstatistik im Einzelnen:

Unfallursachen: Zu den Ursachen für die gestiegene Unfallzahl gehören laut Polizei und Innenministerium vor allem zu hohe Geschwindigkeit, Missachtung der Vorfahrt und zu geringer Abstand. Immer häufiger spiele aber auch Ablenkung eine Rolle, etwa wenn Fahrer statt auf die Straße auf ihr Handy schauten. „Das ist im Nachhinein natürlich schwer nachzuweisen“, sagte Pistorius.

Risikogruppen:  Zu den am stärksten gefährdetsten Verkehrsteilnehmern gehören weiterhin junge Erwachsene und Rentner. Rund 14 Prozent aller Unfalltoten im vergangenen Jahr waren zwischen 18 und 24 Jahre alt. Bei knapp einem Drittel handelte es sich um Senioren ab 65 Jahre. „Mobilität ist ein Zeichen von Freiheit und zeugt von Lebensqualität“, sagte Pistorius. „Wir appellieren dennoch an die Vernunft jedes Einzelnen. Teilnahme an regelmäßigen Trainings hilft.“

Baumunfälle: 139 Menschen starben 2015 nach einer Fahrt gegen einen Baum. Diese Baumunfälle machten in Niedersachsen rund die Hälfte aller Unfälle auf Landstraßen außerhalb von Ortschaften aus. „Der milde Winter hat dazu beigetragen, dass viele Autofahrer stärker aufs Gas drücken als sonst“, sagte eine Sprecherin der Landespolizeibehörde. Aber wegen des Blicks aufs Handydisplay verlören viele Menschen die Kontrolle über den Wagen.

Alkohol und Drogen: Alkohol am Steuer ist immer seltener ein Unfallgrund. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Fälle nach Angaben des Landesinnenministeriums um rund 28 Prozent zurückgegangen. Im vergangenen Jahr waren es 3272 Unfälle unter Alkoholeinfluss. Unfälle unter Drogeneinfluss gab es hingegen 23 mehr als im Jahr davor: 378 waren es im vergangenen Jahr.

Maßnahmen: Pistorius forderte angesichts der gestiegenen Unfallzahlen unter anderem höhere Bußgelder für Raser. „Noch immer spielt zu hohes Tempo eine maßgebliche Rolle bei schweren Verkehrsunfällen“, sagte der Minister. „Trotzdem bewegen wir uns bei der Höhe der Bußgelder europaweit im unteren Drittel.“ Mehrere Aufklärungskampagnen sollten verlängert und erneuert werden, darunter die Plakatkampagne „Tippen tötet“ sowie Aufklärungs- und Trainingsprogramme für ältere Autofahrer.

Reaktionen: Die innenpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Angelika Jahns, hielt Pistorius' Forderungen für unzureichend: „Anstatt erneut die Anhebung von Bußgeldern zu fordern und damit die Verantwortung an den Bund abzuschieben, sollte sich der Minister stärker auf Maßnahmen konzentrieren, die er auch selber umsetzen kann“, teilte Jahns mit. Ähnlich sah es auch die Gewerkschaft der Polizei in Niedersachsen: Mehr Personal und eine größere Zahl von Verkehrskontrollen seien wichtiger als höhere Strafen. dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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