Attacke wegen Medienrückzug

Boris Becker findet Depression „unprofessionell“ – Angriff auf Naomi Ōsaka

Boris Becker hat die an Depression leidende Tennisspielerin Naomi Ōsaka als „unprofessionell“ bezeichnet. Nun folgt heftige Kritik an der unsensiblen Aussage.

Du brauchst Hilfe? Zögere nicht!

Wenn es dir psychisch schlecht geht und du im Notfall sofort mit jemandem sprechen möchtest, melde dich bei der Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111, 0800/111 0 222 oder 116 123. Außerdem findest du hier eine Übersicht der Krisendienste und Notfallkliniken in jedem Bundesland.

London – Tennisstar Naomi Ōsaka aus Japan leidet seit 2018 Depressionen und Angstzuständen. Deshalb meidet die 23-Jährige weitestgehend die Presse und verzichtet auf öffentlichen Rummel. Boris Becker findet das „unprofessionell.“

TennisspielerinNaomi Ōsaka
Geburtstag16. Oktober 1997
TrainerWim Fissette
ElternLeonard Francois, Tamaki Ōsaka

Kurz vor Beginn der French Open hatte Naomi Ōsaka bereits angekündigt, keine Interviews zu geben, um auf die psychische Gesundheit von Sportlerinnen und Sportlern aufmerksam zu machen. Doch statt Verständnis bekam der Tennisstar eine heftige Abstrafung: Die Turnier-Verantwortlichen in Paris belegten Ōsaka mit einer Strafe von 15.000 Dollar, nachdem sie nach ihrem Erstrundensieg nicht zur verpflichtenden Pressekonferenz erschienen war. 

Naomi Ōsaka spricht offen über ihre psychische Verfassung

Zudem drohte der Turnierveranstalter mit Ausschluss, sollte sie ihre Medienverpflichtungen nicht einhalten. Daraufhin trat Naomi Ōsaka nicht zu ihrem Zweitrundenmatch an und sprach offen über ihre psychische Verfassung und darüber, dass Medien-Interaktionen ihre psychische Gesundheit belasten und sie sehr unter Druck setzen. Auch Wimbledon ließ die 23-Jährige aus, um sich mehr Zeit für Familie, Freunde und vor allem sich selbst nehmen zu können. 2020 hatte Naomi Ōsaka bereits aus Protest gegen den Rassismus in den USA auf ihr Halbfinale beim WTA-Turnier in New York verzichtet.

Boris Becker hat eine an Depression leidende Tennisspielerin als „unprofessionell“ bezeichnet.

Tennis-Legende Boris Becker, der ein Strafverfahren wegen seiner Einkünfte am Hals hatte, kann mit dieser extrem wichtigen Entscheidung, die Naomi Ōsaka für ihre Gesundheit getroffen hat, offenbar gar nichts anfangen. In einem Interview mit der „Times“ giftete der 53-Jährige gegen den jungen Tennisstar. Im Gespräch mit der Autorin Jane Mulkerrins ließ Becker durchblicken, dass es Ōsaka seiner Auffassung nach doch viel zu gut ginge, um solch einen Entschluss zu fassen.

Boris Becker ätzt gegen jungen depressiven Tennisstar

Er sagte: „Ist das wirklich Druck? Ist das nicht eher eine Belastung, wenn du kein Essen auf dem Tisch hast? Wenn du deine Familie ernähren musst, aber keinen Job hast? Wenn du eine Verletzung hast, die dein ganzes Leben verändert? Ist das nicht viel mehr Druck? Du bist 23 Jahre, du bist gesund, du bist wohlhabend, deine Familie ist toll. Wo zum Teufel ist da also der Druck?“

„Wenn du nicht mit den Medien umgehen kannst, ist es wirklich schwierig, eine professionelle Tennisspielerin zu sein“, meint Becker. Man müsse lernen, damit umzugehen.

Jeder kann von psychischen Krankheiten betroffen sein

Offenbar hat Boris Becker nicht verstanden, dass Naomi Ōsaka eben nicht gesund sind. Dass eine Depressionen sehr wohl eine Verletzung ist, die das ganze Leben verändert – eine ernstzunehmende psychische Krankheit, gegen die nicht einfach Bonbons helfen. Es hat nichts mit Reichtum, Prominenz, Erfolg oder einer tollen Familie zu tun, ob jemand an einer psychischen Krankheit leidet oder nicht. Jeder kann davon betroffen sein. Depressionen sind ziemlich unbeeindruckt davon, ob jemand Kohle auf dem Konto hat oder nicht. Nicht zuletzt der Corona-Lockdown setzt der Psyche vieler Menschen momentan sehr zu.

Boris Becker zeigt sich arrogant gegenüber Depressionen

Boris Becker macht mit seinen Aussagen deutlich, mit welcher Arroganz und welchem Unverständnis er Depressionen und anderen psychischen Krankheiten gegenübertritt. Nach dem Motto: „Sei doch nicht so depressiv!“ Ein Satz den man sich wirklich sparen sollte.* Becker zeigt damit, dass die Gesellschaft noch lange nicht am Ziel ist, wenn es um den unterstützenden Umgang mit psychisch erkrankten Menschen geht.

Teresa Enke sauer: „Lieber Boris Becker, Dein Ernst?“

Das bringt auch Teresa Enke auf die Palme. Sie ist die Witwe des früheren deutschen Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke, der sich 2009 das Leben nahm. Ihre Robert-Enke-Stiftung finanziert die Erforschung und Behandlung von Depressionen und bietet mit der EnkeApp konkrete Hilfe für depressive Menschen. „Lieber Boris Becker, Dein Ernst? Naomi Ōsaka ist momentan nicht gesund! Depression ist keine Frage von Geld, Erfolg oder Luxus – Depression ist eine Krankheit, die leider jeden erwischen kann,“ so Teresa Enke mit einer deutlichen Ansage.

Teresa Enke bietet Boris Becker Nachhilfeunterricht in Sachen Depressionen an

Die 45-Jährige bot Boris Becker Nachhilfeunterricht in Sachen Depressionen an. „Es ist ein Thema, das über eine leichtfertig getroffene Aussage hinaus geht. Melde Dich gerne bei uns, für Aufklärung stehen wir als Robert-Enke-Stiftung jederzeit zur Verfügung“, schrieb sie in einem Statement.

Vielleicht sollte sich die Tennis-Legende dafür mal lieber etwas Zeit nehmen, anstatt unsensible und völlig ahnungslose Aussagen über einen jungen Menschen zu treffen, der sich selbst und seine Gesundscheit schützt. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Hendrik Schmidt

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