Gut gerüstet oder am Limit?

Booster-Impfungen: So geht es in Niedersachsen weiter

Sind Booster-Impfungen das Allheilmittel, um den steigenden Corona-Zahlen Herr zu werden? In Niedersachsen sollen diese Impfungen vorangetrieben werden. Die Übersicht.

Hannover – Am Dienstag, 2. November 2021, verkündet die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), dass sich die Praxisärzte in Deutschland für deutlich mehr Booster-Impfungen im Winter gewappnet sehen. „Das ist machbar, wir können das“, heißt es von KBV-Chef Andreas Gassen. Oder aber klaffen Theorie und Praxis in dieser Hinsicht weit auseinander? kreiszeitung.de schafft die Fakten und blickt im Speziellen auf die Situation rund um Drittimpfungen in Niedersachsen.

Dachorganisation:Kassenärztliche Bundesvereinigung
Mitglieder:17 Kassenärztliche Vereinigungen der Länder
Hauptsitz:Berlin
Gründung: 1. Januar 1931
Rechtsform:Körperschaft des öffentlichen Rechts
Organisation:Ärztliche Selbstverwaltung
Aufsichtsbehörde:Bundesgesundheitsministerium
Unternehmensform:Berufsverband

Booster-Impfungen: Kassenärztliche Bundesvereinigung sieht Praxisärzte vor Ansturm gut gerüstet – wenn Bedingungen erfüllt werden

Seitdem die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Empfehlung für Booster-Empfehlungen ausgesprochen hat, die sich vor allem auf ältere Menschen ab 70 Jahren bezieht, ist die Zahl der Praxen, die Impfstoff bestellen, auf mehr als 30.000 angestiegen. Das berichtet die dpa unter Berufung auf die KBV.

Booster-Impfungen gegen das Coronavirus für ältere Menschen sind auch in Niedersachsen ein großes Thema. (kreiszeitung.de-Montage)

Letztendlich seien geordnete Einladungsverfahren zu den erneuten Impfungen notwendig, um den erwarteten Andrang zu bewältigen. KBV-Chef Gassen fordert zudem flexiblere Möglichkeiten für Praxen beim Bestellen von Impfstoff sowie bei der Handhabung von größeren Impfstoff-Fläschchen. Soweit die Theorie. Doch wie schauen die konkreten Möglichkeiten und Gegebenheiten vor Ort aus? Das Beispiel Niedersachsen gibt Aufschluss darüber.

Streit um Reaktivierung von Niedersachsens Impfzentren – Ärztekammer hält nichts von blindem Aktionismus

Grundsätzlich sieht sich das Bundesland hinsichtlich der Booster-Impfungen mit seinen Hausarztpraxen sowie mobilen Impfteams gut aufgestellt. Doch der Vorstoß, die Impfzentren wieder zu reaktivieren, stößt nur auf Unverständnis und wird als „höchst irritierend“ bezeichnet. Denn die Landesregierung ist sich sicher, dass die Drittimpfungen im großen Umfang auch ohne etwaige Impfzentren bewerkstelligt werden können.

Dies sieht aber nicht jede Partei so. Dem Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund (NSGB) beispielsweise geht es nicht schnell genug voran mit den Drittimpfungen. Demgegenüber steht die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), die energisch auf die Kritik reagiert. Denn niedergelassene Ärzte hätten in den vergangenen Monaten „in hervorragender Weise“ unter Beweis gestellt, dass sie die Booster-Impfungen gegen das Coronavirus bewältigen könnten.

Laut ÄKN-Sprecher Thomas Spieker gibt es deswegen keinen Grund zum Aktionismus. Im Gegenteil: Spieker verweist auf die aus seiner Sicht guten Absprachen zwischen Ärzteschaft und Gesundheitsministerium bei der Bildung mobiler Impfteams für die Altenheime.

Booster-Impfungen in Niedersachsen: 1,3 Millionen Menschen über 70 Jahren sollen dritte Spritze gegen Corona erhalten

Wie aber sehen die nicht von der Hand zu weisenden Fakten hinsichtlich der Booster-Impfungen in Niedersachsen aus? In den kommenden Monaten gilt es, allein in Niedersachsen 1,3 Millionen Menschen über 70 Jahren mit einer Drittimpfung zu versorgen. Seit Ende August haben bereits 111.000 Menschen in niedersächsischen Arztpraxen eine Booster-Impfung erhalten. Darunter seien 83.000 über 60-Jährige, teilt die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) mit.

Es gilt, dass zwischen zweiter und dritter Impfung ein Abstand von mindestens sechs Monaten eingehalten werden muss. Das Bestreben von Niedersachsens Sozialministerin Daniela Behrens ist es, dass die Zahl der Auffrischungsimpfungen ausgeweitet wird – um die Gruppe der Menschen zwischen 60 und 69 Jahren.

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Denn: „In dieser Altersgruppe ist die Gefahr, bei einer Infektion einen schweren oder gar tödlichen Krankheitsverlauf zu erleben, viel größer als bei den darunter liegenden Jahrgängen“. Daher nimmt Behrens die Stiko auch in die Pflicht und fordert sie dazu auf, ihre Empfehlung entsprechend zu ändern. Derweil wird auch über eine Test- sowie Impfpflicht für das Pflegepersonal nachgedacht, das zuhauf mit älteren Menschen zu tun hat.

Corona-Zahlen in Niedersachsen: Robert Koch-Institut (RKI) bestätigt fast 600 Neuinfektionen – Sieben-Tage-Inzidenz geht leicht zurück

Generell ruft der KVN-Vorstandvorsitzende Mark Barjenbruch dazu auf, sich erst dann mit einem Wunsch nach einem Impftermin an die Arztpraxen zu wenden, wenn eine Person auch tatsächlich an der Reihe ist. Ein zeitlicher Verzug, ausgehend vom Abstand von sechs Monaten nach der zweiten Impfung, sei unkritisch. Denn „der Impfschutz verfällt nicht plötzlich“, merkt Barjenbruch an.

Nach Berechnungen vom KVN haben aktuell insgesamt 113.000 Bürger und Bürgerinnen in Niedersachsen Anspruch auf eine Drittimpfung. Im November würden 129.000 weitere Menschen dazukommen. Es gilt, diese Personengruppe möglichst schnell mit einer Booster-Impfung zu versorgen.

Dies wird allein durch einen Blick auf die gegenwärtigen Corona-Zahlen in Niedersachsen deutlich. Am Dienstag, 2. November, hat das Robert Koch-Institut (RKI) 591 neue Corona-Infektionen im nördlichen Bundesland bestätigt. Die Sieben-Tage-Inzidenz beläuft sich auf 77,9 Fälle je 100.000 Einwohner. Immerhin: Am Vortag lag dieser Wert noch bei 79,2. Von einer entspannten Situation ist dennoch nicht zu sprechen – und die Relevanz der Booster-Impfungen ist weiterhin gegeben (Stand aller Daten: 2. November 2021). * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa & Fabian Steffens/imago images

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