Gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr

Bombenentschärfung: Bewohner will Wohnung nicht verlassen

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Scott Glockemann musste die Tankstelle in der er arbeitet für mehrere Stunden schließen. Er hat Verständnis für beide Seiten.

Hannover - Über Nacht die Wohnung wegen einer Bombenentschärfung verlassen? Das wollten einige Menschen in Hannover am Donnerstagabend nicht. Einen 32-Jährigen nahm die Polizei vorläufig fest. Rund 15.000 Einwohner mussten bis Freitagmorgen ihre Wohnungen im Stadtteil Badenstedt räumen.

Schon am Abend begann die Evakuierung des Gebiets mit einem Radius von rund einem Kilometer. „Was jedoch bleibt, sind einige uneinsichtige Einwohnerinnen und Einwohner, die die Räumaktion nicht unwesentlich verzögert haben“, bilanzierte der Leiter der Feuerwehr, Claus Lange. 

Mehr als 800 Einsatzkräfte

„Unvernünftig ist das“, sagte eine Anwohnerin am Freitagmorgen, als sie wenige hundert Meter vom Bombenfundort entfernt einkaufen geht. Schließlich könne doch immer etwas passieren. Auch das Ehepaar Demiray machte abends bereitwillig seinen Imbiss zu. Dieser liegt auf der anderen Straßenseite, gegenüber der Baustelle samt Fundstelle. 

Sorgen um ihr Geschäft machten sich beide aber nicht. Fethiye Demiray zeigt am Freitagmorgen noch ein Foto von der entschärften Bombe auf ihrem Smartphone. „Wir haben den Imbiss verlassen, haben zu Hause ein paar Sachen gepackt und haben bei Freunden übernachtet“, erzählte sie. 

Mehr als 200 Menschen mussten mit Krankentransporten aus ihren Wohnungen, Alten- oder Pflegeheimen in Sicherheit gebracht werden. Ein Teil der Anwohner kam in einer großen Sporthalle einer Schule unter, andere bei Bekannten und Verwandten. Insgesamt waren rund 800 Feuerwehr-, Polizei-, und Rettungskräfte im Einsatz. 

Entwarnung nach 30 Minuten

Um sicherzustellen, dass das Gelände komplett evakuiert ist, überflog auch diesmal ein Hubschrauber den Sperrbezirk. Dabei ist der Pilot mit einem Laserpointer geblendet worden. Er wurde nicht verletzt, musste aber die Suche nach verbleibenden Menschen unterbrechen. Die Polizei nahm in der Nacht einen Verdächtigen fest. 

Der 32-Jährige hielt sich zu dem Zeitpunkt in seiner Wohnung auf. Dort stellten die Beamten auch den Laserpointer sicher. „Gegen den Tatverdächtigen wird nun wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr ermittelt“, teilte die Polizei Hannover mit. Der Mann wurde wieder frei gelassen. 

Um 3.13 Uhr konnten die Spezialisten dann damit beginnen, die Bombe unschädlich zu machen. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst entschärfte die 250 Kilo schwere Fliegerbombe mit zwei Aufschlagszündern aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie war am Nachmittag bei Tiefbauarbeiten gefunden worden. Erst um 3.43 Uhr konnten die Einsatzkräfte Entwarnung geben. 

„Es ist immer so ein Tohuwabohu“

Das hat auch den Dienstplan der Tankstellen-Mitarbeiter durcheinander gewirbelt. Geschlossen wurde Freitagnacht zwischen 1.00 und 4.30 Uhr. Am frühen Morgen machte Scott Glockemann die Tankstelle wieder auf. 

„Ich habe schon ein bisschen Verständnis für die Menschen, die nachts nicht woanders als zu Hause schlafen wollen und morgens auch einen anderen Weg zur Arbeit nehmen müssten“, sagte Glockmann. Er selbst wohnt diesmal kurz hinter der Evakuierungslinie, hat aber schon zwei bis drei andere Aktionen mitgemacht. „Es nervt schon, weil es öfter vorkommt und immer so ein Tohuwabohu ist“, sagte er. 

Erst im Mai mussten bei einer der größten Evakuierungsaktionen in Deutschland in der Nachkriegszeit rund 50 000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Damals mussten drei Sprengsätze entschärft werden.

dpa

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